Wer erbt, gewinnt – Leistung zählt nicht
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Ein G20-Bericht von 2025 zeigt eindeutig: Dies ist keine unveränderliche Gesetzmäßigkeit, sondern die direkte Folge politischer Entscheidungen. Mit dem richtigen politischen Willen kann dieses Problem deshalb gelöst werden.
Steuersysteme verschärfen die Situation, denn in den meisten Ländern zahlen heute gerade die wohlhabendsten Menschen und Konzerne prozentual weniger Steuern als normale Bürger. Die Gründe dafür sind klar: Über Jahrzehnte wurden Steuersysteme bewusst so umgebaut, dass sie Vermögende begünstigen. Seit den 1980er Jahren wurden die Spitzensteuersätze massiv gesenkt, Vermögens- und Erbschaftssteuern abgebaut und Kapitalerträge niedriger besteuert als Arbeitseinkommen.
Gleichzeitig wurden indirekte Steuern wie die Mehrwertsteuer erhöht. Diese treffen vorrangig Menschen mit geringem Einkommen besonders hart. Das Ergebnis: Während Durchschnittsverdiener oft über 30 Prozent ihres Einkommens an Steuern zahlen, liegt die effektive Belastung der Superreichen teilweise bei unter 20 Prozent.
Der G20-Bericht fordert zu Recht strengere Erbschaftssteuern, um die Entstehung von Vermögensungleichheiten über Generationen hinweg zu verhindern. Ohne die Besteuerung von Erbschaften wird Vermögen dynastisch weitergegeben, extreme Vermögenskonzentrationen werden langfristig verfestigt. Entscheidend ist dann nicht die eigene Leistung, sondern wo man hineingeboren wird.
Die Globalisierung hat diese Probleme verschärft. Multinationale Konzerne und extrem Vermögende nutzen Steueroasen und legale Schlupflöcher, während Bürger und kleine und mittlere Unternehmen ordnungsgemäß zahlen. Das verzerrt den Wettbewerb und untergräbt das Vertrauen in die Gerechtigkeit des Systems.
Auch die Sparpolitik nach der Finanzkrise 2008 verschlimmerte die Lage: verlängerte Rezessionen, steigende Erwerbslosigkeit und noch größere Ungleichheit.
Der Bericht schlägt ein umfassendes Reformpaket vor: eine globale Mindeststeuer für Konzerne, wirksame Erbschaftssteuern für Superreiche und die Bekämpfung von Gewinnverschiebungen. Die Fakten sind eindeutig: Die reichsten zehn Prozent kontrollieren 54 Prozent des globalen Einkommens und 74 Prozent des Vermögens.
Nationale Steuersysteme müssen wieder progressiver werden. Die Belastung soll von indirekten Steuern hin zu hohen Einkommen, großen Vermögen und Erbschaften verlagert werden.
Ebenso zentral sind öffentliche Investitionen: Zugang zu Wohnung, Gesundheit, Bildung und sozialer Sicherheit für alle. Der Bericht widerlegt zudem den Mythos, der private Sektor sei grundsätzlich effizienter als der öffentliche.
Die Kernbotschaft lautet: Extreme Ungleichheit ist nicht unvermeidlich, sondern politisch gemacht. Die Instrumente sind bekannt: progressive Steuern, faire Unternehmensbesteuerung, Bekämpfung von Steuerflucht und starke Sozialschutzsysteme.
Der Bericht fordert schließlich ein internationales Gremium für Ungleichheit, vergleichbar mit dem Weltklimarat, um Daten systematisch auszuwerten. Er wurde von einer Kommission unter dem Vorsitz von Joseph Stiglitz für den G20-Gipfel erarbeitet.
Die Forderung nach einer Vermögens- und Erbschaftssteuer wird von der CGIL unterstützt, von der italienischen Rechten jedoch abgelehnt. In einem Land mit hoher Steuerhinterziehung fällt diese Ablehnung leicht – solange Arbeitnehmer und Rentner 42,8 Prozent ihres Einkommens zahlen. Ob das gerecht ist, entscheidet letztlich die Wahlurne.
Der gesamte Bericht kann hier nachgelesen werden. 2-G20-Global-Inequality-Report-Full-and-Summary
Ein Beitrag von Alfred Ebner
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