Unabhängiges Grönland
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Robert Peroni sitzt während des Gesprächs mit SALTO über ein frostiges Land und ein frostiges Thema in einer warmen Stube am Ritten. Von dort aus beobachtet er mit Sorge, was die Nachrichten derzeit über Grönland berichten. Was muss er wieder in den Zeitungen lesen? Peroni sehnt sich nach seiner Insel Grönland, freut sich auf die Gespräche mit seinen Mitbewohnerinnen und Mitbewohnern, auch wenn das Thema USA bedauerlicherweise nun schon seit vielen Monaten Gesprächsthema Nummer 1 ist.
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Entdecker und Buchautor
Berührende Geheimnisse: Hier wird nichts erobert, alles wird empfangen. Und was zählt, ist nicht, eine Richtung zu haben, sondern die Fähigkeit zu bleiben, zuzuhören und sich vom Geheimnis berühren zu lassen. Foto: Sperling & KupferVor drei Wochen ist sein Buch I sette tramonti erschienen. Es ist die intime Erzählung Peronis, der sich entschieden hat, vor 45 Jahren alles hinter sich zu lassen, um zwischen den Eisbergen ein neues, zweites Leben zu beginnen, dort zu bleiben, zwischen den Bergen. Und in einem knallroten Haus.
Trotz der räumlichen Distanz zu seinem eigentlichen Zuhause verfolgt Robert Peroni vom Ritten aus die aktuelle Situation in Grönland intensiv und steht täglich in Kontakt mit Freunden vor Ort, um deren Stimmungslage, Sorgen und Meinungen in Erfahrung zu bringen. Die aktuelle Lage nach dem erneuten medialen und kapitalistisch äußerst gefährlichen Vorstoß von Präsident Donald Trump beschreibt Peroni als äußerst belastend und von großer Verunsicherung geprägt. „Trump sagt einfach: Ich gebe euch Geld, haltet den Mund“, dabei gehe es auf der Insel vielmehr darum, dieses lange ersehnte „Gefühl von Freiheit zu entwickeln“, denn diese sei „für die Grönländer und Grönländerinnen das Um und Auf“.
Freundliche MenschenPeroni lässt im Gespräch mit SALTO den historischen Hintergrund und die Beziehung zu den USA nicht unerwähnt. Im Unterschied zu heute seien die Amerikaner in Grönland einst willkommen gewesen, betont er. Die Situation beschreibt er inzwischen als grundlegend anders, denn die aggressiven und respektlosen Aussagen sowie das peinliche Auftreten von Präsident Donald Trump auf der politischen Weltbühne machten Angst – vor allem auch die Aussage, Grönland „kaufen“ zu wollen.
Genau in dieser gefährlichen, geldgesteuerten Liga spiele der kulturloseste Präsident aller US-Zeiten. Völlig sinnbefreit. Mit seinem präpotenten, kapitalismusverseuchten Ansatz steht Trump in direktem Widerspruch zum zentralen Wert der grönländischen Gesellschaft, die ohnehin bereits über Jahrzehnte für ihre Freiheitsrechte kämpfen musste.
dear greenlanders, declare independence!!!!
„In Grönland zählt die Freundlichkeit. Wir sind ein Volk, das unheimlich liebenswert ist“, betont Peroni. „Niemand schreit laut“, so etwas gebe es dort nicht. Gerade deshalb werde der harte, schroffe und laute Ton aus den USA als besonders bedrohlich wahrgenommen. Die Stimmung gegenüber Amerika beschreibt Peroni als sehr negativ.Unabhängiges Björkland?
Einflussreiche Sängerin: Björk bei einem Auftritt in der Arena von Verona vor einigen Jahren. Foto: SALTO/HMKritik an den USA kommt auch aus nächster Nachbarschaft. Keine Geringere als die bekannte Musikerin Björk meldete sich zur aktuellen Grönlanddebatte zu Wort. Die Isländerin schreibt auf ihrem Instagram-Kanal: „Die Aussicht, dass meine grönländischen Mitbürger von einem grausamen Kolonialherren unter die Herrschaft eines anderen geraten könnten, ist zu brutal, um sie sich überhaupt vorstellen zu können.“ Die sagenhafte Meistersängerin die im Lauf ihrer Karriere auch mehrmals märchenhafte Bühnen in Italien betrat, schließt ihren Post mit Worten und Ausrufezeichen: „dear greenlanders, declare independence!!!!“
Vom Regen in die Traufe?Dänemark habe in der Vergangenheit Fehler gemacht, bestätigt auch Peroni, insbesondere darin, die „Seele“ und kulturelle Eigenart Grönlands nicht ausreichend verstehen zu wollen. „Aber jetzt natürlich, wo die Amerikaner aggressiv sind und Grönland übernehmen möchten, nähert man sich wieder der Schutzmacht Dänemark an. Zwar nicht sehr stark, aber doch hat auch Dänemark wieder einen Auftrieb bekommen, Grönland zu beschützen.“
Zwar locke nun das von den USA in Aussicht gestellte Geld manche Inselbewohner und Inselbewohnerinnen, doch die Mehrheit der Grönländer und Grönländerinnen fürchte die sozialen Folgen eines amerikanischen Systems. Dänemark garantiere ein starkes soziales Netz, unter den USA hingegen bestehe die berechtigte Angst, dass arme und schwache Menschen durch das soziale Raster fallen würden.
Die maßlose Unberechenbarkeit von Präsident Trump sowie der Austritt der USA aus 66 internationalen Organisationen und Abkommen würden die Unsicherheit zusätzlich verstärken, betont Peroni. In seinem vor Kurzem auf Italienisch erschienenen Buch könne man nachlesen, „wie die Zukunft Grönlands zu denken ist“, sagt Peroni.
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