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Ein schwacher Trost für den Käufer

Die neue Gewerbezone Gand 4 wird nach einem langwierigen Rechtsstreit endlich umgesetzt. Die Tiefbaufirma Pertoll muss allerdings weiter nach einem Betriebssitz suchen.
Spatenstich, Gand 4, Kaltern
Foto: Gemeinde Kaltern
  • 1,6 Hektar brache Fläche auf dem Gemeindegebiet von Kaltern an der Grenze zu Eppan: Nach der Ausweisung der Gewerbezone Gand 4 im Jahr 2009 vergingen 17 Jahre bis zum ersten symbolischen Spatenstich letzte Woche, zu der auch lokale Medien eingeladen waren. Die gesamte Fläche gehörte bis vor kurzem der Tiefbaufirma Pertoll, die dort ihren erweiterten Betriebssitz errichten wollte. 

    Eigentlich plante sie dort den Bau einer Halle, um Gesteinsmaterial zu sortieren. Die geltenden Lärmgrenzwerte wären laut Betreiber eingehalten worden. Für Anrainerinnen und Anrainer der Wohnbauzone Gand in Eppan war dieses Versprechen nicht ausreichend. Sie protestierten dagegen, zogen vor Gericht und bekamen im Jahr 2021 in letzter Instanz vor dem Staatsrat in Rom Recht. Die Gemeinde Eppan war dem Gerichtsverfahren beigetreten. Die beiden Nachbargemeinden hatten nämlich zuvor vereinbart, dass nur bestimmte Betriebe neben der Wohnbauzone angesiedelt werden sollen und eben keine Tiefbauunternehmen. 

  • Gewerbegebiet versteigert

    Die Pertoll GmbH hatte das Grundstück vor einigen Jahren bei einer Versteigerung für vier Millionen Euro von der Gemeinde Kaltern erworben. Für das Familienunternehmen war der Kauf im Rückblick ein Verlustgeschäft. Markus Pertoll, Gesellschafter der Firma und Präsident des Konsortiums für das neue Gewerbegebiet, kann daran nicht mehr viel ändern. „Wir haben eine gute Kompromisslösung mit den beiden Gemeinden gefunden“, sagt er. 

    Die Pertoll GmbH hat nun sechs von sieben Baulose an lokale Handwerksbetriebe verkauft, auch für das letzte sucht sie einen Interessenten. Um die Lärmbelastung so gering wie möglich zu halten, wird auf der Nordseite der Gewerbezone auf Kosten der Bauträger eine fünf Meter hohe Schutzwand errichtet. Die Bauarbeiten sollen bis Ende des Jahres abgeschlossen sein. 

  • Christoph Pillon: „Was für mich zählt ist, dass dieser Rechtsstreit nun der Vergangenheit angehört.“ Foto: Gemeinde Kaltern
  • Von der Politik wird der Beginn der Bauarbeiten für die neue Gewerbezone gefeiert. Schließlich kann das Projekt nach jahrelangem Stillstand endlich umgesetzt werden. „Was für mich zählt ist, dass dieser Rechtsstreit nun der Vergangenheit angehört“, erklärt der Bürgermeister von Kaltern, Christoph Pillon. Gelungen sei das, weil die beiden Gemeinden eng zusammengearbeitet hätten, um sich mit der Bürgerinitiative Gand und dem Investor zu einigen. 

    Der Bürgermeister von Eppan, Lorenz Ebner, bestätigt das: „Die nun gefundene Lösung ist das Ergebnis einer sehr konstruktiven und intensiven Zusammenarbeit.“ Aus Sicht der Gemeinden sei entscheidend, dass nun eine rechtlich abgesicherte und tragfähige Lösung vorliegt, die langfristig für Klarheit sorge. Die Wirtschaftlichkeit des Projekts für den ursprünglichen Käufer zu bewerten, stehe ihm nicht zu. 

    Der Schulterschluss der Bürgermeister, beide seit Mai 2025 neu im Amt, könnte damit eine Ära einleiten, die im Überetsch nicht auf Konkurrenzkampf, sondern auf Zusammenarbeit setzt.