Gesellschaft | Krieg im Nahen Osten

„Wir konnten die Explosionen laut hören“

Nur 40 Kilometer entfernt schlugen Raketen ein: Drei junge Brixner saßen nach der Eskalation im Nahen Osten in Katar fest.
Der Himmel über Tel Aviv im Golfkrieg 1991
Foto: Patriot-Abwehrraketen übert Tel Aviv 1991. Wikimedia
  • Die Rückreise nach Italien wurde für drei junge Männer aus Brixen zu einer Odyssee. Nach der militärischen Eskalation im Nahen Osten Ende Februar saßen sie am Flughafen Doha in Katar fest und mussten sich über mehrere Stationen zurück nach Europa durchschlagen. Auslöser der schwierigen Situation war der gemeinsame Angriff der USA und Israels auf Teheran und den Iran am 28. Februar. In der Folge kam es in der Region zu militärischen Gegenschlägen, was zu vielen Ausfällen im Flugverkehr führte.

  • 35 Stunden wach, Krieg vor dem Hotelfenster

    Viele Reisende hatten Schwierigkeiten, die Region zu verlassen. Dazu gehörten auch Daniel Plaikner und zwei Freunde. Sie befanden sich auf der Rückreise von einem Thailandurlaub und wollten über Doha nach Mailand fliegen. Doch bereits bei der Ankunft stellten sie fest, dass der Flugverkehr massiv gestört war.

    „Als wir angekommen sind, haben wir erfahren, dass alle vorherigen Flüge bereits gestrichen worden waren, auch unser Anschlussflug“, berichtet Plaikner. Mit Unterstützung der italienischen Botschaft wurde schließlich eine alternative Route organisiert. Früh am Morgen verließen die drei Doha mit einem Bus, der von der Botschaft organisiert worden war, und fuhren rund zehn Stunden durch die Wüste nach Riad in Saudi-Arabien.

     

    „Die ganze Woche hatten wir Angst, weil man von unserem Zimmer aus alles sehen konnte.“

     

    Von dort sollte es am nächsten Morgen um 7.20 Uhr weiter nach Kairo gehen. Doch auch dieser Plan scheiterte zunächst: Der Flugverkehr in Riad wurde von Samstagabend bis Sonntagmittag eingestellt. „Unser Flug wurde gestrichen und dadurch haben wir auch den Anschlussflug verpasst“, erzählt Plaikner.

  • Erst am Nachmittag gelang es den drei Reisenden, erneut einen Flug zu bekommen. Nach einer langen Nacht und insgesamt rund 35 Stunden ohne Schlaf erreichten sie schließlich Kairo. Von dort soll es heute zurück nach Mailand gehen. 

    Während ihres Aufenthalts in Doha erlebten die drei zudem die angespannte Sicherheitslage aus nächster Nähe. Rund 40 Kilometer von ihrem Hotel entfernt befand sich die US-Luftwaffenbasis Al-Udeid. „Die Basis stand während unseres Aufenthalts ständig unter Raketenbeschuss. Wir konnten die Explosionen laut hören“, sagt Plaikner. „Die ganze Woche hatten wir Angst, weil man von unserem Zimmer aus alles sehen konnte.“

    In der Zwischenzeit ist die Freundesgruppe sicher in Mailand gelandet.