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„...wie ein Blitzschlag...“

Wolfgang Muthspiel gilt als einer der einflussreichsten Gitarristen seiner Generation. In Toblach präsentiert er sein neues Soloprojekt. Das Interview von SALTO.
Muthspiel Wolfgang, gitarrist
Foto: Misha Nawrata
  • SALTO: Sie haben zunächst klassische Violine studiert. Sie waren noch ein Teenager, als Sie sich entschieden haben, sich der Gitarre zu widmen. Sie sind Jahrgang 1965, 1975 hatte John McLaughlin das Publikum mit dem Projekt „Shakti“ begeistert, 1973 hatte Carlos Santana seine Japan-Tournee mit „Lotus“ gefeiert. Haben diese Ereignisse Ihre Entscheidung beeinflusst? Wer waren Ihre musikalischen Vorbilder?

    Wolfgang Muthspiel: Nach der Geige die ich ab dem Alter von sechs Jahren spielte war meine zweite Liebe tatsächlich die klassische Gitarre. Den Jazz habe ich erst später entdeckt. Das war dann allerdings wie ein Blitzschlag der alles veränderte.

    Sie wurden vom Magazin Musicians im Dezember 2020 zu einem der „Top 10 Jazzgitarristen der Welt“ gewählt. Können Sie uns für diejenigen, die sich mit Ihrer Musik beschäftigen möchten, drei Alben nennen, die für Ihren künstlerischen Werdegang repräsentativ sind?

    Etudes/Quietudes für das Solo Spiel auf der klassischen Gitarre, Tokyo für mein Jazz Trio, und Rising Grace für meine Kompositionen für Quintett und meine Idealvorstellung von Zusammenspiel.

  • Wolfgang Muthspiel: Zu Muthspiel zahlreichen Auszeichnungen zählen der Hans-Koller-Preis als Musiker des Jahres und die Auszeichnung zum Europäischen Jazzmusiker des Jahres 2003. Darüber hinaus wurde er vom Magazin Musicians im Dezember 2020 zu einem der „Top 10 Jazzgitarristen der Welt“ gewählt. 2021 erhielt er den Deutschen Jazzpreis in der Kategorie „Saiteninstrumente International“. 2025 wurde ihm der Österreichische Jazzpreis „High Impact Award 2025“ verliehen. Foto: Laura Pfeifer
  • Ihr Projekt „Etudes / Quietudes“ entstand 2024. Es ist das Projekt, das Sie für das Festival Dolomites präsentiern. Eine Reihe von Studien, die sich auf verschiedene Gitarrentechniken konzentrieren, ergänzt durch eine Komposition von Johann Sebastian Bach, eine Hommage an Bill Evans und ein Thema von Paul Motion. Worauf bezieht sich der Titel „Etudes/ Quietudes“?

    Der Titel drückt meine Liebe zum Handwerk, zum Ritual des täglichen Übens aus. Etüden sind jedem klassischen Musiker als Notwendigkeit bekannt. Man verbringt insgesamt viel Zeit alleine mit dem Instrument wenn man ernsthaft Musik machen will. Quietudes bezeichnet einerseits diese ruhige reflektiven Arbeit und andererseits meinen Hang zu Balladen und weiten, schwebenden Stücken.

    Sie haben Bach, Evans und Motion ausgewählt, um Ihrem Projekt seine endgültige Form zu geben. Können Sie uns erzählen, was Sie an diesen Autoren bewundern?

    Bach ist der Komponist den ich als klassischer Gitarrist am liebsten gespielt habe. Die Musik die er für Laute geschrieben hat gehört zum besten was man auf diesem Instrument spielen kann. Paul Motian war ein stilprägender Jazz-Schlagzeuger, mit dem ich oft spielen durfte. Er hat mich sehr beeinflusst im Umgang mit dem Puls, dem Rhythmus, und vor allem dem weiten Feld des Rubato. Seine kurzen Themen sind leuchtende Einladungen zur freien Improvisation.

    Sind die Kompositionen, die Sie aufgenommen haben und in Toblach spielen werden, veröffentlicht worden?

    Es gibt ein Album und es gibt die gedruckten Noten der Etüden.

  • Wolfgang Muthspiel: Sein Soloalbum wird veröffentlicht von ClapYourHands Records Foto: Laura Pfeifer
  • Ist Ihnen während oder am Rande eines Ihrer Konzerte eine lustige oder tragikomische Begebenheit passiert, über die Sie heute noch lächeln?

    Als ich am Anfang meines Studiums war durfte ich als Solist mit einer Bigband geleitet von John Surmann spielen und nachdem ich in der Probe gut gespielt hatte gab er mir ein grosses Solo über drei Chorusse. Als im Konzert dann mein Moment kam, bin ich aufgestanden um mein Solo zu beginnen. In dem Moment streifte mein Gitarrenhals eine Säule und mehrerer Saiten verstimmten sich drastisch. Alles klang unerwartet falsch. Ich war dann über das gesamte Solo damit beschäftigt die Gitarre wieder zu stimmen und als das endlich gelungen war, war mein Solo vorbei.

    Stimmen Sie mit Dostojewski überein, dass „die Schönheit die Welt retten wird“?

    Ich weiss nur dass sie mich rettet. Aber wahrscheinlich braucht es mehr als Schönheit.

    Ein Buch (oder ein Film), das Ihr Leben geprägt hat?

    Da gibt es so viele. Eines das ich kürzlich wieder gelesen habe und das mich schon damals sehr geprägt hatte, war Morbus Kitahara von Christoph Ransmayr. Und der Untergeher von Thomas Bernhard hat mich auch sehr geprägt, besonders weil ich damals auch im Glenn Gould Fieber war, von dem das Buch handelt.

  • Freitag, 27. März 2026 -  20 Uhr
    Festival Dolomites


    Wolfgang Muthspiel, Gitarre
    ETUDES / QUIETUDES

    Toblach  -  Gustav-Mahler-Saal