Faule Ausreden
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„When the music's over, turn out the lights“
The End, The Doors 1967
Lieber Klemens, mit Verlaub, dein Artikel „Nach dem scheinbaren AUS von Salto_Music“ geht völlig am Kern der Sache vorbei. Nicht wir alle sind am Aus von Salto-Music mitverantwortlich, sondern es ist eine Entscheidung der SALTO-Redaktion und des SALTO-Verwaltungsrates. Sie sollen und müssen jetzt auch die Verantwortung für diesen Schritt tragen.
Ich schreibe diese Zeilen als Mitglied von Demos2.0, der Herausgebergenossenschaft von SALTO und auch als ehemaliger Chefredakteur und Mitarbeiter dieses Onlineportals. Lass mich einige Punkte anführen, die in der bisher kolportierten Darstellung von den verantwortlichen Damen und Herren bewusst ausgespart wurden und werden.
1. Es geht nicht ums Geld. Dank eines üppigen staatlichen Beitrags und auch der jahrelangen Aufbauarbeit der zuständigen Mitarbeiter im Backoffice geht es SALTO finanziell so gut, wie noch nie in seiner fast 13-jährigen Geschichte. Die bescheidenen finanziellen Ressourcen, die in Salto-Music geflossen sind, spielen dabei wirklich keine Rolle.
2. Es geht auch nicht um Klickzahlen. Du darfst mir glauben, dass ich als ehemaliger SALTO-Chefredakteur die Zahlen im Detail kenne. Dazu gehört auch die Tatsache, dass sich das Userverhalten in den vergangenen 14 Monaten wohl kaum zugunsten der aktuellen Berichterstattung entwickelt hat. Um Salto Music hier zu einem „Nischenprodukt“ zu desklassieren, muss man die Klickzahlen wahrscheinlich mit der bahnbrechenden, innovativen und unverzichtbaren Sportberichterstattung auf SALTO vergleichen, die seit wenigen Jahren zum besonderen Steckenpferd der Redaktion gehört.
3. Es geht auch nicht um das Erscheinungsbild. Ich war es, der Reinhold Giovanett vor fast fünf Jahren von der Tageszeitung zur SALTO geholt hat. Reinhold hat ein klares Konzept vorgelegt, wir haben es zusammen mit dem damaligen Geschäftsführer und der Kreativagentur „FreiundZeit“ entwickelt und implementiert. Reinhold und Eva haben dieses Konzept dann in ihrer wunderbaren Arbeit Tag für Tag umgesetzt. Den Erfolg und die Früchte ihrer Arbeit wird dabei kaum jemand bestreiten können. Außer er oder sie sind böswillig und/oder einfach neidisch.
4. Ich war und bin überzeugt, dass Salto-Music zu dieser Onlineplattform gehört, genauso wie es geplant und umgesetzt wurde. Heute umso mehr als noch vor Jahren. Die grafische Eingliederung von Salto Music (rein technisch wurde jahrelang jeden Tag ein Salto-Music als Aufmacher auf der Homepage prominent präsentiert) in die „normale Kulturberichterstattung“ kommt dem Anlegen einer Zwangsjacke gleich. Es ist ungefähr so, wie wenn man die Sex Pistols im Wiener Konzerthaus auf die Bühne bringen will und dann behauptet, es sei eine Aufwertung ihrer Musik.
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„In dieser Säuberungsaktion sind Salto Music, Eva und Reinhold nur eine Art Kollateralschaden.“
5. Die Abschaffung von Salto-Music ist ein bewusster Schritt in einer klaren programmatischen Entwicklung. Die neue SALTO-Chefredaktion ist vor über einem Jahr mit dem Anspruch angetreten, ein „neues, unabhängiges SALTO“ zu schaffen. Man wolle eine neue Art der Berichterstattung etablieren. Moralisch hochstehend, kritisch, ethisch erhaben. Dazu muss man sich aber zuerst von den kompromittierten Altlasten befreien und abgrenzen. In dieser Säuberungsaktion sind Salto Music, Eva und Reinhold nur eine Art Kollateralschaden.
6. An der Operation wird aber leider auch deutlich, wie sehr manche/r in der Streitergasse inzwischen die Bodenhaftung und den Sinn für die Realität verloren hat. Erst durch die Kommentare und die Reaktionen in den sozialen Medien auf die Abschaffung wurde den meisten bei SALTO der Stellenwert von Reinhold, Eva und Salto Music in der Südtiroler Szene und darüber hinaus klar. Deshalb versucht man jetzt nachträglich, die Entscheidung mit völlig fadenscheinigen Argumenten zu begründen. Man spricht auch hier von einer „Erneuerung und Öffnung“. „Die bunten und frischen Formate verschwinden nicht – sie werden lediglich Teil eines größeren Ganzen “ – ein Satz, der wie ein Musterbeispiel aus einem schlechten Werbefolder klingt.
„Diese Abschaffung ist ein weiterer großer Schritt, das gesamte Onlineportal genau in diese Richtung zu führen, nämlich in die Nische.“
In Wirklichkeit geht es, um Gleichschaltung und den Anspruch mancher, alles in und auf diesem Portal kontrollieren zu müssen und zu können. Aber auch um die Arroganz und Selbstherrlichkeit, einen Bereich, der seit Jahren ohne Probleme funktioniert, besser, schöner und offener gestalten zu wollen.
7. Salto-Music war und ist den heutigen Macherinnen bei SALTO zu viel „Nische“. Dabei merkt man nicht, dass diese Abschaffung ein weiterer großer Schritt ist, das gesamte Onlineportal genau in diese Richtung, nämlich in die Nische, zu führen.
Nicht nur den Musikern und Musikerinnen blutet deshalb das Herz, sondern auch all jenen, die für weit weniger Geld in den vergangenen 13 Jahren mit viel Empathie und Überzeugung am Aufbau dieses Onlineportals gearbeitet haben.
danke.
danke.
Quoto. Zum Erklärungsversuch…
Quoto. Zum Erklärungsversuch der Redaktion, dass man dem musikalischen Panorama weiterhin Raum geben will, aber anders, fiel mir spontan die italienische Redensart "Peggio il tacon del buso" ein.
Die Gestaltung von salto.music den Lesern zu überlassen - wie es scheinbar angedacht ist - ohne fachmännische Redakteure dazwischenzuschalten, wird in einer Ansammlung von PR-Artikeln enden, die den Sinn der Rubrik ad absurdum führt.
Zur Hilfe nach dem Schuss ins eigene Knie empfehle ich Orthoplus.
Danke für den Artikel. Das…
Danke für den Artikel. Das war notwendig, und bestärkt meine Meinung zur Einstellung von salto.music. Für mich war, ist und bleibt es eine krasse Fehlentscheidung. Herr Christoph Franceschini spricht hier Vieles aus, was ich mir schon so ähnlich gedacht habe. Ich denke mal, mit dieser neuen Ausrichtung von salto.bz wird sich das gesamte Portal für mich erledigt haben.
Zitat: "Moralisch hochstehend, kritisch, ethisch erhaben" soll wohl die Berichterstattung werden / sein. Kritisch ist ja gut, aner an moralisierender und "ethisch erhabener" Journaille gibts bereits mehr als genug. Und keiner davon geht es gut, wie mir scheint.
Nun gut. Warten wir es ab... Allein, ich bin skeptisch. Und für salto.music und dessen Team wirklich schade. Für salto dann wohl auch... Machs gut.
Danke Christoph. Als beinahe…
Danke Christoph. Als beinahe täglicher Leser von Salto und der neuen Südtiroler Tageszeitung und in beiden Fällen vorwiegend vom headliner und dann Salto music, habe ich die wöchentlichen Beiträge von Reinhold und Eva immer mit Spannung erwartet und gelesen. Sollte es zur Weiterführung und/oder unabhängigen Neugründung, in welcher Form auch immer, ehrenamtlicher Mitarbeit benötigen, ich bin dabei.