Gesellschaft | Lana

So lecker schmeckt Genossenschaft

Jubiläum eines Aushängeschilds partizipativer Lösungsfindung für ein Problem, das alle angeht: gutes, preiswertes Essen. Der Präsident Roland Gruber erzählt, was dahintersteckt.
Hinweis: Dies ist ein Partner-Artikel und spiegelt nicht notwendigerweise die Meinung der SALTO-Redaktion wider.
Mensa
Foto: Mahlzeit Buon Appetito
  • Genossenschaften als Motor gemeinsamer Lösungen

    Einleitender Beitrag von Monica Devilli, Vorsitzende von Coopbund


    Im Rahmen unseres diesjährigen Mottos „Una storia da raccontare. Genossenschaftliche Erfolgsgeschichten“ möchten wir die Bedeutung des genossenschaftlichen Modells für unsere Gemeinschaft besonders hervorheben. Genossenschaften bieten immer häufiger eine einzigartige Lösung für die Herausforderungen, vor denen unsere Gesellschaft heute steht.
    Das Genossenschaftsmodell basiert auf den Prinzipien der Zusammenarbeit und Solidarität, wobei die Bedürfnisse der Gemeinschaft stets im Mittelpunkt stehen. Besonders im Bereich der Daseinsvorsorge – sei es bei der Verpflegung in Unternehmen oder öffentlichen Einrichtungen – sind diese Prinzipien von unschätzbarem Wert. Hier werden Bedürfnisse gemeinsam erkannt und Lösungen direkt aus der Praxis entwickelt. Es ist die aktive Teilnahme der MitgliederInnen, die diese Lösungen nachhaltig macht und sie kontinuierlich an die sich wandelnden Bedürfnisse anpasst.
    Das Konzept der Genossenschaft ermöglicht es, dass alle Beteiligten – ob Unternehmen, Mitarbeitende oder die breitere Gemeinschaft – gleichermaßen von den getroffenen Entscheidungen und Strategien profitieren. Dies zeigt sich in vielen Bereichen: von der Verbesserung der Arbeitsbedingungen über die Umsetzung innovativer Konzepte bis hin zur Förderung von Nachhaltigkeit. Das genossenschaftliche Modell vereint stets lokal verankertes Engagement mit einer langfristigen, generationenübergreifenden Perspektive – immer mit dem Ziel, eine nachhaltige Zukunft zu gestalten.
    Es geht nicht nur darum, wirtschaftliche Verantwortung zu übernehmen, sondern auch soziale und ökologische Aspekte zu integrieren. Genossenschaften schaffen Arbeitsplätze und fördern auf wunderbare Weise das gesellschaftliche Miteinander.
    Die vielen Erfolgsgeschichten, die aus der genossenschaftlichen Zusammenarbeit hervorgehen, zeigen uns, wie die Zukunft gestaltet werden kann: durch gemeinsame Anstrengung, kluge Entscheidungen, das Teilen von Verantwortung und vor allem durch zukunftsorientiertes Denken und Handeln.
    Im Coopbund sind wir stolz darauf, zahlreiche solcher Initiativen zu unterstützen, die durch ihre Kreativität und ihr Engagement konkrete Mehrwerte für die Gemeinschaft schaffen. Denn jede einzelne dieser Erfolgsgeschichten beweist, dass Genossenschaften nicht nur ein Modell für die Zukunft sind, sondern schon heute einen bedeutenden Beitrag zu einer gerechten und nachhaltigen Gesellschaft in Südtirol leisten.

     

  • Im Gespräch mit Roland Gruber dem Präsidenten der Genossenschaft Interessensgemeinschaft Lana

    Die „Interessensgemeinschaft Lana Genossenschaft“ feiert 20-jähriges Bestehen. Könnten Sie kurz erläutern, worum es sich bei der Gemeinschaft handelt? Wie entstand sie?

    Roland Gruber: Wir haben damals die Genossenschaft eigens gegründet, um die Führung des Mensabetriebes zu übernehmen, mit dem eindeutigen Ziel, dadurch Verbesserungen der Arbeitsbedingungen für die Mitarbeiter der Unternehmen der Industriezone Lana und Umgebung zu garantieren. Das ursprünglich vom Land erbaute Gebäude war zweimal in privaten Händen, mit unzufriedenstellenden Ergebnissen. 2005 stand die Zukunft der Mensa offen, und das Bedürfnis nach einer zuverlässigen Lösung für das Mittagsangebot wurde größer. Durch eine bereits damals bestehende informelle Interessensgruppe von Betrieben, auf Ansprache des Bürgermeisters und meinen persönlichen Nachdruck als damaliger Wirtschaftsreferent von Lana, wurde dann Anfang 2006 die „Interessensgemeinschaft Lana Genossenschaft“ ins Leben gerufen. Inspiration bot uns eine ähnliche Situation in Brixen. Seit dem darauffolgenden „Ja“ der damaligen Landesregierung führt die Interessensgemeinschaft Lana mit Erfolg die Mensa „Mahlzeit Buon Appetito“.

  • Warum wurde die Gesellschaftsform der Genossenschaft gewählt? Als Unternehmer haben Sie einen guten Vergleich: Welches sind die Vor- und Nachteile?

    Eine Genossenschaft war einfach die naheliegendste Lösung. Da die Betriebe, für die die Mensa da ist, durch die Genossenschaftsform selbst an der Organisation teilhaben, können sie ihre Interessen und Bedürfnisse einbringen und beispielshalber bei Sitzungen Vorschläge unterbreiten. Dass es im Wesen einer Genossenschaft liegt, anstelle von Gewinnmaximierung in erster Linie die gemeinsamen Bedürfnisse zu befriedigen, bekräftigt natürlich deren Umsetzung und liegt in unser aller Sinne. Fast alle Veränderungen und Investitionen entstanden so, auf Vorschlag der Mitglieder. So gesehen, erkenne ich in unserer Situation nur Vorteile im Genossenschaftswesen.

  • Seit 20 Jahren ein Team: Geschäftsführer Markus Malpaga (l) mit Präsident Roland Gruber (r) Foto: Roland Gruber
  • Welche sind diese Investitionen und wie entwickelte sich die Organisation seit ihrer Entstehung?

    Wir haben die Kühlzellen ausgetauscht, die sanitären Anlagen saniert, den Speisesaal klimatisiert, neu möbliert und eine Lärmschutzdecke angebracht; zudem eine neue Spülanlage eingebaut, das Magazin erweitert, eine Terrasse errichtet und – mit Hilfe des Landes – alles neu isoliert und vieles mehr. Das größte und relevanteste Projekt: die Verdoppelung der Küche. Insgesamt sprechen wir von rund 1,5 Mio. €  an Investitionen mit Eigenmitteln in den letzten 20 Jahren. Auch sonst hat sich viel getan. Vor unserer Übernahme wurden 50-60 Essen täglich serviert, wir begannen mit 150 bei acht Angestellten (vier Vollzeit) und heute liegen wir bei durchschnittlich 680 Mahlzeiten. Dies ist möglich dank 18 engagierten Angestellten (sechs in Vollzeit), wobei unser Geschäftsführer, Markus Malpaga, seit 20 Jahren mit großem Einsatz die Organisation und den reibungslosen Ablauf des Mensabetriebes verantwortet. Die erwähnten Essen werden übrigens nicht nur an Mitgliedsfirmen ausgegeben, sondern auch an jene, die mit uns einen Werkvertrag abschließen. An Mitgliedern selbst zählen wir mittlerweile 28. Durch deren direkte Anregungen kam es, neben den Investitionen von eben, auch zu einigen kleineren Anpassungen, beispielshalber des Angebots. So bieten wir heute auch vegetarische Speisen an, nehmen Rücksicht auf Allergene oder haben die vorgegebenen Menügrößen erweitert. Eine große, sehr relevante Veränderung war der Beitritt zum Coopbund Alto Adige Südtirol, ein für unsere Genossenschaft wichtiger und zukunftsweisender Schritt. Seitdem profitieren wir von aktuellen Informationen und praxisnahen Einblicken in Entwicklungen des Genossenschaftswesens. Besonders wertvoll war für uns die fachkundige Unterstützung bei der Vorbereitung der Unterlagen für die letzte Ausschreibung sowie bei der Überarbeitung unserer Statuten. Durch die kontinuierliche Beratung und das vielfältige Kursangebot wurde der Coopbund für uns ein verlässlicher Partner und eine große organisatorische Hilfe bei der Bewältigung der täglichen Herausforderungen in der Genossenschaftsführung.
    Ansonsten, haben wir die 20 Jahre gut überstanden, keine gröberen Unfälle erfahren und konnten stets – Umfragen haben es bestätigt – unser wichtigstes Ziel erreichen: satte, glückliche Leute! Am ehesten haben wir vielleicht ein paar graue Haare bekommen ... (lacht)

  • Was planen Sie Konkretes für die Zukunft? Wie werden Sie sich zukünftig positionieren?

    Wärmepumpe, Photovoltaik, Saalvergrößerung, ... es gäbe viele Ideen für die Zukunft, aber in erster Linie achten wir darauf, unseren Stand zu halten. Wir wollen weiterhin das Beste geben, Wert auf Regionalität und Nachhaltigkeit, Kunden- und Mitarbeiterzufriedenheit legen, ganz im Sinne der Ziele, welche sich die vor 20 Jahren eigens gegründete Genossenschaft gesetzt hat. Voraussetzung ist natürlich, dass es uns gelingen möge, auch in Zukunft den Zuschlag zur Führung des Mensabetriebes zu erhalten.

     

  • Am 1. Februar 2006 wurde die „Interessensgemeinschaft Lana Genossenschaft“ gegründet, mit dem Ziel, die Führung des  Mensa-Betriebes in Eigenregie zu übernehmen und den Mitarbeitern der Betriebe in der Industriezone und Umgebung einen günstigen und gleichzeitig qualitativ hochwertigen Mittagstisch zu bieten.

    Durch Beschluss der Landesregierung wurde diese Aufgabe für 6 Jahre der Genossenschaft übertragen und wurde in der Zwischenzeit für weitere 6 Jahre verlängert. Die Verantwortung als Präsident der Genossenschaft trägt seither Roland Gruber, unterstützt von einem Verwaltungsrat und einem Aufsichtsorgan.

    Der Geschäftsführer Markus Malpaga sorgt zusammen mit 13 Mitarbeitern für das leibliche Wohl. Die größten Betriebe der Zone bestärken durch ihre Mitgliedschaft die Bemühungen der Genossenschaft und der Mitarbeiter der „Mensa Mahlzeit – Buon Appetito“. 

    https://www.mahlzeitbuonappetito.com/de