Wirtschaft | Tourismus

Hochpustertal: David gegen Goliath?

Die 3 Zinnen AG in Sexten ist auf Expansionskurs: Der Konkurrenzkampf um Gäste ist für kleine und mittlere Betriebe nun schwieriger geworden, auch für Skihütten.
Skihütte, Sexten
Foto: Elisa Amadori / Unsplash
  • Eigentlich ist der anstehende Neubau der Skihütte Henn-Stoll im Skigebiet der 3 Zinnen AG keine große Schlagzeile wert. Die alte, urige Hütte in Besitz des Skiliftunternehmens ist zu klein geworden für den großen Andrang an der Talstation Signaue / Rotwand. Sie soll nun abgerissen und in größerer Dimension neu errichtet werden. Das Bauprojekt steht damit auch für den eingeschlagenen Expansionskurs des Hauptaktionärs der 3 Zinnen AG Franz Senfter – eine Entwicklung, die manche im Hochpustertal mit Sorge beobachten. 

    In einem anonymen Protestbrief an die SALTO-Redaktion wird etwa befürchtet, dass das Übergewicht der 3 Zinnen AG klein- und mittelständische Unternehmen nach und nach zum Aufgeben zwingt, zum Beispiel wird im Brief die 2018 eröffnete Skihütte Zin Fux genannt. Sie befindet sich etwa 300 Meter entfernt von der Henn-Stoll-Hütte. Das große, zweistöckige Holzhaus mit breiter Fensterfront gehört privaten Betreibern. 

  • Sexten / Sillian: Die 3 Zinnen AG will eine Liftverbindung zum Skigebiet in Osttirol errichten. Foto: dolomitenstadt.at/Peter Leiter
  • Bald soll die benachbarte Skihütte ebenso in neuem Glanz erscheinen, der Beginn der Bauarbeiten ist für den Sommer geplant. Den Durchführungsplan für die Henn-Stoll-Hütte hat die Gemeinde Sexten letztes Jahr im Herbst genehmigt, bestätigt Bürgermeister Thomas Summerer (SVP). Die dafür vorgesehene Bauleitplanänderung liegt aber schon viele Jahre zurück.

  • Erfolgsgeschichte mit Beigeschmack?

    Seitdem hat sich die schwächelnde Tourismusentwicklung in der Gemeinde mehr als nur erholt. Waren es laut ASTAT im Jahr 2005 99.822 Ankünfte, reisten 20 Jahre später rund 80.000 Urlaubsgäste mehr nach Sexten. Im Jahr 2025 wurden 182.093 Ankünfte verzeichnet. Das Angebot für den Wintertourismus hat die 3 Zinnen AG in diesem Zeitraum komplett neu aufgestellt. 

    Wichtigster Schritt war wohl der Zusammenschluss der Skigebiete Rotwand und Helm im Jahr 2014 mit dem Bau der zwei Kabinenbahnen zur Station Stiergarten. In die modernen Aufstiegsanlagen samt Pisten, Skiverleih und gastronomischen Betrieben investierte das Unternehmen in den letzten Jahren 150 Millionen Euro. Das teilte die deutsche Tageszeitung Die Welt kürzlich mit. In Kooperation mit der IDM war ein Journalist der Zeitung nach Sexten gereist. Ihm hat Senfter ein Interview gegeben, die Anfrage des Südtiroler Wochenmagazins ff blieb hingegen unbeantwortet. 

     

    „Das Skigebiet hat eine große Wirtschaftskraft, das ist unbestritten.“ 

     

    Bürgermeister Summerer will sich zu der Unruhe in seiner Gemeinde nicht äußern. Nur so viel sagt er: „Das Skigebiet hat eine große Wirtschaftskraft, das ist unbestritten. Wir als Gemeindeverwaltung haben die Aufgabe, die Vorteile dieser Entwicklung für die Allgemeinheit zu fördern.“ 

    Der nächste große Expansionsschritt steht bereits bevor. Hauptaktionär Senfter will zwei Skischaukeln errichten: Damit würde das Skigebiet der 3 Zinnen AG mit dem Skigebiet in Sillian (Osttirol) und dem in Padola (Belluno / Venetien) verbunden werden. Die Arbeiten für die Skischaukel im Belluno werden ausgeschrieben. Bei der Skischaukel Sexten / Sillian steht die Umweltverträglichkeitsprüfung auf österreichischer Seite noch immer aus. Dort befindet sich das Projekt wegen dem Protest der Umweltverbände schon seit Jahren in der Schwebe.