Sport | IOC

Helm verboten, Haltung unerwünscht

Das IOC disqualifiziert Wladyslaw Heraskewytsch wegen eines Gedenk-Helms – und verkauft gleichzeitig Olympia-1936-Shirts. Neutralität sieht anders aus.
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Skeleton
Foto: Mg
  • Der Skeleton-Pilot Wladyslaw Heraskewytsch wird bei Olympia 2026 vom IOC disqualifiziert, weil er auf seinem Helm Porträts im Krieg getöteter ukrainischer Sportler zeigt. Das IOC wertet dies als Verstoß gegen Regel 50.2 der Olympischen Charta, die politische Botschaften auf Wettkampfstätten untersagt.

    Dieser Fall ist ein Lehrstück in olympischer Doppelmoral. Das IOC pocht auf politische Neutralität – als ließe sich der Mensch vom Bürger trennen. Als wären Athletinnen und Athleten reine Muskelmaschinen ohne Haltung. Heraskewytsch wollte keine Parole skandieren, sondern an tote Landsleute und Kollegen erinnern. An Opfer eines Krieges, der sein Leben prägt.

    Das IOC argumentiert mit der Neutralität des Sports. Doch wer einem Ukrainer verbietet, der Kriegstoten zu gedenken, verteidigt keine Neutralität – er verwaltet Bequemlichkeit. Man fürchtet die klare Botschaft mehr als die brutale Realität dahinter.

    Und während man einem Athleten den Helm verbietet, verkauft man im eigenen Shop T-Shirts zu den Spielen von 1936 in Berlin – jenem unsäglichen Propagandaspektakel des NS-Regimes. Offiziell „Heritage Collection“. Dem Sportler Moral predigen – und selbst an der Ästhetik eines Unrechtsregimes verdienen. Das ist keine Geschichtsvergessenheit mehr, das ist Chuzpe.