Generationenwohnen: Privatsphäre zählt
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Auch in Rom kommt Bewegung in die Debatte. Die nationalen Rentnergewerkschaften SPI CGIL, FNP CISL und UILP UIL haben sich nach der Sitzung mit dem Interministeriellen Ausschuss für ältere Menschen vom 15. Dezember 2025 zu den Leitlinien für das Cohousing folgendermaßen geäußert: gute Ideen, die aber ohne angemessene Ressourcen kaum umsetzbar sind.
Gemeinschaftsnahe Wohnformen als Alternative zu Pflegeeinrichtungen sind insgesamt gesehen ein zukunftsträchtiges Modell. Cohousing kann Einsamkeit bekämpfen, die Geselligkeit fördern und sowohl die von Seniorinnen und Senioren ausgegebenen Mittel als auch die Kosten für öffentliche Haushalte effizienter einsetzen. Doch dafür braucht es personelle, finanzielle und strukturelle Ressourcen, um konkrete Antworten geben zu können.
Die Herausforderung des Cohousings lässt sich nicht mit der Mentalität angehen, viel mit weniger Ressourcen erreichen zu können. Es braucht verbindliche Verpflichtungen seitens der Institutionen. Cohousing wird dabei als eine von mehreren nützlichen Alternativen zu institutionellen Strukturen betrachtet – nicht als einzige Lösung. Viele Seniorinnen und Senioren halten am eigenen Heim fest. Dies gilt besonders in Südtirol, wo rund 80 % der Menschen im Eigenheim wohnen.
Hier bietet generationenübergreifendes Cohousing in der eigenen Wohnung eine besondere Chance: Es bekämpft die Isolation älterer Menschen und bietet gleichzeitig Studierenden bezahlbaren Wohnraum. Vereinbarungen zwischen Institutionen, Universitäten und Rentnervertretungen könnten durch gemeinsames Wohnen die Einsamkeit reduzieren und gleichzeitig die hohen Wohnkosten dämpfen.
In Südtirol zeigen Umfragen zwar eine gewisse Offenheit für neue Wohnmodelle, aber auch klare Erwartungen. Die Südtiroler Seniorenstudie 2023/2024 belegt: Die Mehrheit möchte so lange wie möglich zu Hause wohnen. Wohngemeinschaften gewinnen gegenüber dem klassischen Altersheim an Beliebtheit, vor allem aus Angst vor Isolation und Einsamkeit.
Derzeit können sich jedoch nur rund 10–15 % der befragten Seniorinnen und Senioren vorstellen, Wohnraum mit jüngeren Menschen zu teilen – und auch nur bei garantierter Privatsphäre. Die öffentliche Hand müsste stärker als Mediator auftreten und entsprechende Garantien bieten.
Auch Coliving gewinnt an Bedeutung, richtet sich jedoch eher an Studierende und jüngere Erwerbstätige ohne eigene Behausung und stößt bei älteren Menschen an wirtschaftliche und soziale Grenzen.
Die Umsetzung solidarischer Wohnformen erfordert eine neue Logik in der Stadtplanung, die Wiederverwendung des Baubestands sowie steuerliche Anreize berücksichtigt. Öffentliche Mittel für Domotik und Telemedizin sind unerlässlich, ebenso wie ein klarer normativer Rahmen und ausreichend Personal in den sozialen Diensten.
Angesichts der kommenden Herausforderungen wären lokale Steuerungsgruppen sinnvoll, in denen Sozialpartner, Seniorenverbände und öffentliche Einrichtungen zusammenarbeiten. Die Gewerkschaften unterstützen innovative Ansätze, warnen jedoch eindringlich: Ohne ausreichende Ressourcen, verbindliche Planungen und echte Partizipation bleibt Cohousing ein unerfülltes Versprechen.
Ein Beitrag von Alfred Ebner
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