Politik | Eiertreter*in

Lieber Luis

Offener Unterstützungsbrief an den besten Landesrat für Landwirtschaft und Tourismus, den wir je hatten.
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Schlaraffenland
Foto: KI generiert
  • Sehr geehrter Herr Landesrat Walcher, lieber Luis,

    Chapeau! Ich möchte Dir meine Bewunderung aussprechen, wie du diese ganze Stoppt-den-Bettenstopp-Affäre händelst. Wie du deinen Mann stehst. Wie du den Watschenmann gibst, damit die Michl & Sohn KG in Schnals ihre 600-Betten-Burg bauen kann. Bewundernswert! Du darfst dir auf das „Hau-den-Luis“ etwas einbilden und nein, das ist ganz gewiss keine Lobhudelei. Solche Steherqualitäten findet man unter Tirolern heutzutage selten. Wie du Tag für Tag beweist, dass man vom Bozner Vizebürgermeister problemlos zum Landesrat aufsteigen kann - ohne dabei auch nur eine einzige neue Kompetenz mitzunehmen. Wie du deinen Weg gehst - vom Gastwirteverband Schritt für Schritt vorgezeigt. Applaus!
    Wie kreativ du Kriterien für deine 56er-Liste gefunden hast, mit Astat-Daten und Nächtigungszahlen und allem. Für mich qualifiziert dich das sofort zum LH 2028. Landesfürst Luis II. Der Erste und Einzige war, ebenso wie du, vorher auch Landesrat. Für Landwirtschaft. Das einzige Ressort im Land das zählt - außer den Urlaubsressorts versteht sich. Das ist ein gutes Omen. Südtirol braucht einen Bauern im Palais Widmann. Jemanden mit Talent im Misthaufenschaufeln. Also nicht nur als Metapher: Zuerst dein Hundegagga-Desaster, jetzt erneut der beherzte Griff ins Klo. Man muss dir lassen: Zumindest hier packst du entschlossen zu. Du hast echt keinen Kuahtoaschtn ausgelassen. Deshalb erkennst du sofort, wenn Scheiße im Anflug ist. Du duckst dich. Und am Ende landet sie bei den Bürgermeistern. Das gefällt mir.

    Mach dir keine Sorgen um das grüne Landesrat-Bashing. Sind alles Loser. Mach dir keine Sorgen, wenn dir im Netz beschieden wird, du würdest die größten Kartoffeln im Land anbauen ... das alte Sprichwort kennst du ja. Wir, du und ich wissen, dass du ein 157-Erschwernispunkte-Bergbauer aus dem Grieser Grünkeil bist. Mit UaB. Nix Erdepfl, lai Golden und Lagrein. „Zwischen Reben und Bergen“, wie es auf deiner Website heißt. Schon allein deshalb kann es nicht stimmen, wenn dir andichtet wird, du seist Handlanger - also der Südtiroler Dreifaltigkeit HGV, SBB und Medienkrake, meine ich.

    Mach weiter. Geradlinig. Südtirol braucht mehr Betten. Mehr Ankünfte. Mehr Verkehr. Mehr Stau. Mehr unzufrieden Wohnungssuchende, die mit deiner Partei incazziert sind. Mach unbedingt weiter. Und vergiss nicht das abwanderungsgefährdete St. Ulrich sowie Wolkenstein und Corvara auf deine Liste zu setzen. Also alle Tourismushochburgen, wo die Leute wegen der Quadratemeterpreise gezwungen sind talauswärts zu ziehen. Ihren Sommer nicht umringt von Sentas und Scusis oder „Bei-uns-in-Deutschland…“ verbringen wollen. Je mehr abwandern, desto mehr AirBnB können wir aus den leergeräumten Wohnungen dann machen. Wir müssen die 540.000 Gästebettengrenze sprengen. Dann hat jeder Südtiroler einen Gast, der für ihn Geld im Land lässt. Dann müssen wir nicht mehr arbeiten. Schlaraffenland. Milch und Honig. Mit 4-Sterne-Buden aus Leebkuchen und Zuckerguss. Dann können wir uns den ganzen Tag faul auf dem Sofa fläzten (wegen des täglichen Megastaus kommt man ja eh nirgends mehr hin). Wir werden es lieben! Also: Weitermachen! Noch ein paar Entscheidungen wie diese und Südtirol braucht wirklich keinen Bettenstopp mehr. Dann sind wir alle nach Mallorca abgewandert.

    Ganz liebe Grüße,

    Goggel Totsch