Bühne | Abschiedstour

Manfred und Luis sagen „Pfiati“

Manfred Zöschg ist seit Jahren als „Luis“ unterwegs. Nun geht er auf Abschiedstour. Ein Gespräch über Humor, Dialekt, Nord- und Südtirol. Und über die Tirol-Werbung.
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Foto: Privat
  • SALTO: Herr Zöschg, wie begehen Sie die Faschingszeit? Welche Rolle spielte die Zeit des närrischen Treibens in Ihrem Leben? 

    Manfred Zöschg: Ich mag diese Tradition sehr gerne. In unseren Dörfern wird der Fasching ja richtig groß gefeiert. Bei uns zuhause hat sich über die Jahre eine mittlerweile schon legendäre Faschingsparty mit Freunden etabliert. Ein fixer Bestandteil unseres Jahres.

    Sie stehen seit über 20 Jahren auf der Bühne. Was hat sich am Humor der Menschen in den letzten 20 Jahren verändert? Und wie hat sich das Witzeschreiben gewandelt? 

    Früher durfte Humor oft noch etwas derber sein. Politische Korrektheit spielte zu meinen Anfangszeiten kaum eine Rolle. Heute wird manches sensibler wahrgenommen. Bei bestimmten Themen gäbe es wohl eher ein Stirnrunzeln im Publikum. Das Witzeschreiben ist dadurch bewusster geworden.  
     

    Ich habe sogar schon in New York gespielt.  

  • Aufgepasst: Luis aus Südtirol, alias Manfred Zöschg, geht auf „Pfiati“-Tour Foto: Naima-Indigo-Photography

    Vor Kurzem hat sich die Tirol Werbung über den Südtiroler Dialekt lustig gemacht. Hat diese Häme unterschwellig mit Ihrer Bekanntheit und Ihrer Verbreitung eines verballhornten Dialekts auf der Bühne zu tun? 

    Nein, das glaube ich nicht. Werbung lebt von Aufmerksamkeit und davon, Grenzen auszutesten das ist nichts Neues. Es geht dabei vor allem um Publicity. 

    Würde „Luis“ auf Hochdeutsch überhaupt funktionieren? 

    Die Figur lebt stark vom Dialekt, von Klang, Rhythmus und Sprachmelodie. Hochdeutsch würde viel von ihrem Charakter und ihrer Authentizität nehmen.

    Weshalb haben Sie sich vor Jahren für den Künstlernamen „Luis“ entschieden? Hat das etwas mit dem einstigen Südtiroler Landeshauptmann zu tun? 

    Überhaupt nicht. „Luis“ ist ein sehr verbreiteter Name im Alpenraum – das war der einzige Grund. Mein eigener Name, Manfred, hätte für diese Figur einfach nicht dieselbe Authentizität gehabt.

    Wann haben Sie gemerkt, dass Sie mit Ihrer Figur auf die Bühne müssen? Wann kam die Einsicht, „Pfiati“ zu sagen? 

    In der Rolle des Luis habe ich mich immer sehr wohlgefühlt und nie das Gefühl gehabt, mich verstellen zu müssen. Gleichzeitig möchte ich aber, dass die Figur nicht mein ganzes Leben bestimmt. Deshalb schicke ich ihn jetzt wieder heim – ich bin einfach alt genug und möchte mich nicht mehr zusätzlich um den Luis kümmern.
     

    Die Tirolerinnen und Tiroler lieben Südtirol – und besonders den Dialekt. Das weiß übrigens auch die Tirol Werbung.

  • Im Namen des Luis: Mein eigener Name, Manfred, hätte für diese Figur einfach nicht dieselbe Authentizität gehabt. Foto: Showtime_Agency

    Wie ist Ihre Beziehung zum Ultental? Wie familiär ist Ihre Verbindung dorthin tatsächlich? 

    Ich habe eine sehr starke Beziehung zum Ultental. Ich fühle mich dort zuhause, und ein Großteil meiner Verwandtschaft lebt dort. Es ist für mich ein Stück Heimat.  

    Über welchen Humor anderer Komiker oder Komikerinnen, Kabarettistinnen und Kabarettisten können Sie am besten lachen? Warum? 

    Ich mag scharfen, pointierten Humor, der treffend ist, aber nicht verletzend wird. Gerhard Polt, Monika Gruber, Niavarani, Olaf Schubert oder auch der Südafrikaner Trevor Noah treffen meinen Geschmack besonders gut. Für Trevor Noah sind wir sogar extra nach Genf gereist.

    Wie funktioniert der bäuerliche beziehungsweise ländliche Humor beim städtischen Publikum? 

    Er funktioniert überraschend gut. Zwar komme ich selbst aus bäuerlichen Verhältnissen, bin aber offen für die Welt der Städter. Natürlich liegt mein Kernpublikum eher im ländlichen Bereich, doch auch in Städten kommt der Humor gut an – ich habe sogar schon in New York gespielt.  

    Feiern Sie größere Erfolge in Tirol oder in Südtirol? Für Ihre Abschiedstour sind die Säle in Tirol bereits ausverkauft … 

    Tirol ist eindeutig der Favorit. Es gibt bereits Zusatztermine zu den Zusatzterminen. Die Tirolerinnen und Tiroler lieben Südtirol – und besonders den Dialekt. Das weiß übrigens auch die Tirol Werbung.

  • Tschüss, Ciao, Pfiati: „Deshalb schicke ich ihn jetzt wieder heim – ich bin einfach alt genug und möchte mich nicht mehr zusätzlich um den Luis kümmern.“ Foto: Martina Jaider