„Ein System des Wegschauens“
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SALTO: Herr Gepp, warum wird im Fall Benko nun endlich die Laura Privatstiftung genauer unter die Lupe genommen? Glaubte man etwa, da wäre alles regelkonform abgelaufen?
Joseph Gepp: Bei Stiftungen kann man traditionell sehr schwer Einblick haben. Es gibt nun aber einen konkreten Grund, weil Investoren aus den Vereinigten Arabischen Emiraten mit ihrer Schiedsgerichtsklage erfolgreich waren. Und jetzt muss quasi aus dem Stiftungsvermögen dieser Ersatz geleistet werden. Und deshalb sind die ja insolvent.
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Joseph Gepp ist seit 2022 Wirtschaftsressortleiter der österreichischen Tageszeitung DER STANDARD. Davor arbeitete der Wiener als Wirtschaftsredakteur beim Nachrichtenmagazin profil und bei der Wochenzeitung „Falter“. Foto: PrivatGlauben Sie, dass frühere Stiftungsvorstände in der Causa belangt werden können?
Das glaube ich nicht. Wenn im Kaufmännischen innerhalb der Stiftung kein Fehltritt oder so etwas passiert ist. Merkwürdig sind in diesem Benko-Reich natürlich diese Geldflüsse zwischen Benko und dem Signa-Konzern. Der Grund für die Insolvenz der Stiftung ist einfach: Es muss immenser Schadenersatz geleistet werden.
Da gibt es eben auch diese Öffentlichkeitsmaschine, die jede Art von kritischer Auseinandersetzung zu unterdrücken versucht hat.
Also weiße Weste für die Geschäftsführer?Also wenn ein Geschäftsführer irgendwie konkret etwas falsch gemacht hat – außer, dass er Teil eines fragwürdigen Konstrukts war –, kann man da schwer Vorwürfe machen.
Wie schwierig war es für Sie, zu dem Fall Benko zu berichten? Wurde nicht mit Klagen gedroht?
Viele mächtige Wirtschaftstreibende drohen schnell mit Klagen. Es gab zeitweise großen Druck, doch wir haben trotzdem berichtet.
Wie blicken Sie auf Heinz Peter Hager und Benko in Südtirol?
Er hat sich quasi selbst als Statthalter bezeichnet oder wurde auch so bezeichnet. Südtirol ist aber schon ein Sonderfall. Wir haben sonst überall die Bauruinen in Wien oder in Hamburg. In Südtirol ist das alles ohne Insolvenzen passiert. Auch beim Kaufhaus Tyrol in Innsbruck.
Auf den Spuren des Geldes: Wie René Benkos Signa Holding Innsbruck verändert hat. Tour durch Innsbruck beim Journalismusfest in Innsbruck im vergangenen Jahr. Foto: SALTO/SNSie haben vor einem Jahr den Benko-Stadtrundgang in Innsbruck im Rahmen des Journalismusfests angeboten. Da haben viele mitgemacht …
Das war die Idee der Organisatoren dort, eine super Idee. Und es ist auch total gut angekommen.
Wird die Tour heuer wiederholt?
Ich habe dazu noch nichts gehört.
Das ist ganz typisch, dass dieser überbordende Lebensstil von der Signa finanziert worden ist, auch auf Kosten der Investoren.
Wie lange wird die Benko-Geschichte noch andauern?Das sind immer noch sehr viele Fragezeichen, und ich denke, das wird noch viele Jahre dauern. Es haben auch viele sehr reiche Menschen sehr viel Geld verloren, und die machen auch großen Druck. Insofern gibt es schon von vielen Seiten großes Interesse, den Fall finanziell auf ziviler wie strafrechtlicher Ebene weiterzubringen. Das kann dann locker schon einmal zehn bis fünfzehn Jahre dauern. Und wenn man dieses Konstrukt irgendwann ganz aufgedröselt hat, wird es halt irgendwann einmal aufhören. Den Preis zahlt Benko, und es ist ein ganz hoher persönlicher Preis. Für ein Konstrukt, das ja nicht nur aus ihm bestanden hat. Das finde ich immer wichtig dazuzusagen: Das war ein System des Wegschauens. Da haben ganz viele profitiert. Etwa die Berater der Signa-Holding, da waren ja auch etliche prominente Ex-Politiker, die haben alle irrsinnig hohe Honorare kassiert.
Und haben auch viel unter den Teppich gekehrt …
Da gibt es eben auch diese Öffentlichkeitsmaschine, die jede Art von kritischer Auseinandersetzung zu unterdrücken versucht hat. Das war ja auch ein wichtiger Teil dieser ganzen Geschichte.
Überwältigte Überflieger: Ein satirischer SALTO-Blick von Lars Klauser auf die jahrelangen Geschäftspartner Hager und Benko. Foto: Lars KlauserSie haben auch einmal eine Geschichte zu Benkos Villa am Gardasee geschrieben, wie eben die Signa-Holding die Kosten dafür übernimmt …
Das ist ganz typisch, dass dieser überbordende Lebensstil von der Signa finanziert worden ist, auch auf Kosten der Investoren. Auf der einen Seite hat er neue Investorengelder eingeworben, weil die alten nicht mehr reichten, gleichzeitig hatte er beispielsweise einen Jet, der ihn über den Atlantik fliegen kann, und mehrere Villen. Und für alles zahlte mutmaßlich die Signa.
Benko wurde also auch sein Lebensstil, der ihn einst groß werden ließ, zum Verhängnis?
Das spielt eine viel wichtigere Rolle, als wir meinen. Und auch die Kombination mit der Tatsache, dass er zuletzt derart aggressiv Geld eingeworben hat, die dann auch das Vertrauen dieser reichen, alten Männer zerstört hat, die da Geld hineingesteckt haben. Deswegen wurden viele – wie auch Hans Peter Haselsteiner – immer misstrauischer.
Und wie steht es um die österreichischen Ex-Kanzler Sebastian Kurz oder Alfred Gusenbauer – die fleißig mitgemacht haben. Wird das von den Leuten vergessen, auch wenn ein Sebastian Kurz wieder zu Wahlen antreten würde?
Sebastian Kurz hat schon leichte Flecken abbekommen. Aber da gibt es größere Hindernisse, zum Beispiel, dass ihn die Leute nicht mehr wählen würden, weil er einfach verbraucht ist. Kurz hat in den Vereinigten Arabischen Emiraten lobbyiert, aber der andere Ex-Kanzler, Alfred Gusenbauer, der war jahrelang Signa-Beiratsvorsitzender. Bereits wenige Wochen, nachdem er nicht mehr Bundeskanzler war, ist er bei Signa eingestiegen. Also, das ist eine andere Liga als Kurz.
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