„Lösungen des Zusammenlebens“
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SALTO: Haben Sie den Titel "Caos Calmo" für Ihre Ausstellung in Trient von Nanni Moretti geklaut? Oder wie ist er Ihnen zugefallen...
Esther Stocker: Das ist lustig, der Titel stammt aus einem Gespräch mit dem Kurator der Ausstellung (siehe Bildergalerie. Anm. d. Red.), Gabriele Lorenzoni, der diesen Begriff über meine Werke fallen lies. Er hat mir so gut gefallen, dass ich ihn unbedingt zum Ausstellungstitel machen wollte. Die Parallelität zum Film von Nanni Moretti finde ich eine wunderbare Verbindung, da ich ihn sehr schätze. Der Titel des Filmes wiederum stammt vom Roman von Sandro Veronesi der dafür den Premio Strega erhalten hat.
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Offene und geschlossene Räume
Die künstlerische Forschung bei Esther Stocker konzentriert sich auf das Sehen und die Wahrnehmung von Raum, die sie mit einem existenziellen und sozialen Ansatz untersucht. Ihre malerischen Arbeiten, Skulpturen und Installationen im öffentlichen Raum (Bahnhöfe und U-Bahn-Stationen, Museen und andere öffentliche Orte) zeichnen sich durch die Wiederkehr einer geometrischen Formensprache sowie durch die Verwendung einer auf Schwarz, Weiß und Grau reduzierten Farbpalette aus.
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Erweiterte Ausstellung: Der Eingriff von Stocker stellt eine Erweiterung der Ausstellung in den urbanen Raum dar und erfolgt in einer innovativen und experimentellen Form, die den Aufgaben der Galleria Civica entspricht. Foto: Emma BonvecchioWie geradlinig läuft Ihre Künstlerinnenkariere? Welche Brüche haben sich eingeschlichen?
Die Künstlerinnenkarriere ist genauso wie das Leben von Brüchen, Rissen und anderen Durchlöcherungen geprägt. Das passt ganz hervorragend zu meinen formalen Überlegungen die die veränderbaren, offenen und unverwertbaren Wendungen ästhetisch verwertet.
In Bozen haben Sie einen Kreisverkehr gestaltet, in Trient seit kurzem eine Unterführung. Machen Sie lieber Kunst im öffentlichen Raum oder in geschlossenen Galerien?
Mittlerweile schon im öffentlichen Raum. Mir gefällt die Wirklichkeit, die Realität des Lebens und die Suche nach Schönheit und Lösungen des Zusammenlebens.
Da ich Orte der Transition, des Übergangs ganz besonders spannend finde, habe ich mich über diese Aufgabenstellung wirklich sehr gefreut.
Neue Räume: Der neue Verkehrsknotenpunkt wurde in einen lebendigen, einladenden Ort verwandelt, der neue Verbindungen zwischen Raum, Bürgerschaft, Nutzung und Kreativität entstehen lässt. Und klar, es gab auch bereits Schmierereien. Foto: Emma BonvecchioWie war Ihre Herangehensweise zur neuen Arbeit der Unterführung?
Die Idee der Gestaltung zu der Unterführung stammt aus der Zusammenarbeit der Gemeinde Trento mit der Galleria Civica, auch im Zuge eines größeren Stadterneuerungsprojektes. Da ich Orte der Transition, des Übergangs ganz besonders spannend finde, habe ich mich über diese Aufgabenstellung wirklich sehr gefreut. Ich finde das Menschsein selbst ist eine Metapher für den Übergang, und ich finde dass dieser Ort eine interessante Erfahrung der Aufmerksamkeit sein kann.Die Arbeit besteht aus einem System von Linien, das räumliche Verschiebungen aufweist, ich habe sie „passaggio lineare“ genannt. Es geht um die Veränderung eines bestehenden Raumes, um den subtilen Rhythmus optischer Unterbrechungen. Es ist die Idee einer örtlichen Transformation durch einfache Zeichensprache.
Was steht 2026 noch an?
Ich werde Ende Mai eine Ausstellung in dem Bergfried in Meran machen, die von Heinrich Schwazer kuratiert wird, danach gibt es Projekte in Paris, und eine Gestaltung mit Objekten im Eingangsbereich für das neue Museum Konkreter Kunst und Design in Ingolstadt. Auch plane ich gerade eine Skulpturengruppe für den neuen Hofgarten in Brixen, der von André Heller gestaltet wird.
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