Musik | Divina Commedia

Verschollene Partitur vom Staub befreit

Detektivarbeit am Klavier: Das Duo Buttiero-Frumento bringt heute in der Akademie Meran eine über 100 Jahre verschollene Partitur zu Dantes Divina Commedia auf die Bühne.
La Divina Commedia
Foto: La Follia Nuova ODV
  • Die Akademie Meran lädt am heutigen 29. Januar zu einer besonderen Premiere: Das Klavier-Duo Buttiero-Frumento präsentiert die Wiederentdeckung einer über 100 Jahre lang verschollenen Partitur zu Dantes „La Divina Commedia“. Ein Abend zwischen musikwissenschaftlicher Forschung und opernhafter Dramatik. 

    Was passiert, wenn zwei Pianistinnen beschließen, nicht nur zu spielen, sondern zu forschen? Im Falle von Elena Buttiero und Anita Frumento führt dies zur Rettung fast vergessener Kulturgüter. Seit 2009 widmet sich das Duo der Wiederentdeckung des Repertoires für Klavier zu vier Händen – eine Besetzung, die im 19. Jahrhundert das „Medium“ schlechthin war, um große Erzählungen in die Salons zu bringen.

  • Über ein Jahrhunder in der Versenkung verschwunden

    Die Wiederentdeckung ist so bedeutend, dass das Projekt bereits die Schirmherrschaft des Nationalkomitees zum 700. Todestag von Dante Alighieri (Kulturministerium) erhielt.: Foto: La Follia Nuova ODV

    Das Herzstück des Konzerts ist das Werk „La Divina Commedia“ von Cesare San Fiorenzo aus dem Jahr 1875. Dass wir diese Klänge heute wieder hören können, ist das Ergebnis intensiver musikwissenschaftlicher Recherche. Die Partitur war über ein Jahrhundert lang in der Versenkung verschwunden. Die Forschung der beiden Musikerinnen zeigt: San Fiorenzo schuf keine bloße Begleitmusik, sondern „dramatisch-musikalische Illustrationen“. Die Wiederentdeckung ist so bedeutend, dass das Projekt bereits die Schirmherrschaft des Nationalkomitees zum 700. Todestag von Dante Alighieri (Kulturministerium) erhielt. Hinter dem Werk steht eine der bedeutendsten Musikerpersönlichkeiten des Genueser 19. Jahrhunderts. Cesare San Fiorenzo (1834–1909) war nicht nur ein renommierter Lehrer und talentierter Pianist, sondern auch ein produktiver Komponist. 

     

    Besonders am Herzen lag ihm jedoch die Komposition für Klavier zu vier Händen.

     

    Zu seinen Werken zählen Opern wie Il taumaturgo (Mailand 1879) und Un telegramma (Genua 1881). Besonders am Herzen lag ihm jedoch die Komposition für Klavier zu vier Händen. Neben der „Divina Commedia“ schuf er in dieser Besetzung Werke wie Le quattro parti del mondo und sogar eine monumentale Sinfonie für vier Klaviere und vier Hände. Sein Leben war geprägt von der Nähe zum „Maestro“ persönlich: Während dessen häufigen Aufenthalten in Genua pflegte San Fiorenzo engen Kontakt zu Giuseppe Verdi.

  • Die Pianistinnen Elena Bruttiero und Anita Frumento: Foto: La Follia Nuova ODV
  • Das Duo am Klavier

    Elena Buttiero Die Absolventin des Konservatoriums in Turin ist eine international gefragte Pianistin und Harfistin, deren Konzertreisen sie von Europa über die USA und Kanada bis nach Afrika und Südamerika führten. Neben zahlreichen CD-Einspielungen (barockes und romantisches Repertoire mit Carlo Aonzo) ist sie als Fachbuchautorin für die Verlage Carisch/Hal Leonard tätig. Sie leitet künstlerisch die Vereinigungen Allegro con Moto sowie Mozart Savona und wurde 2009 mit dem Regionalpreis Liguriens für Kultur ausgezeichnet.

    Anita Frumento Sie schloss ihr Studium am Konservatorium in Genua und Piacenza mit Höchstnote und Auszeichnung ab. Ihr Fokus liegt auf Kammermusik und zeitgenössischem Repertoire. Neben ihrer regen Konzerttätigkeit im Duo mit Elena Buttiero widmet sie sich intensiv der Musikpädagogik: Sie hält einen Master of Arts in Music Pedagogy des Konservatoriums der italienischen Schweiz (Lugano). Heute lehrt sie am künstlerischen Zentrum MAT in Lugano sowie am Musiklyzeum in Albenga.

  • Die musikalische Reise, die Buttiero und Frumento an den Tasten nachzeichnen, folgt Dantes Weg durch die Jenseitsreiche. Das Programm am Donnerstag umfasst unter anderem:

    Die dunkle Seite: La porta dell’Inferno (Das Höllentor), Le bestemmie dei dannati (Das Fluchen der Verdammten) und La barca di Caronte.

    Die Erlösung: Kontrastiert werden die infernalischen Klänge durch Stücke wie La Preghiera (Das Gebet) und den ätherischen Canto degli Angeli.

    San Fiorenzos Stil ist tief in der italienischen Operntradition verwurzelt. Die außergewöhnlichen und ausdruckstarken Melodien stehen der Tonsprache Verdis so nahe, dass die Grenze zwischen Klavierwerk und Opernbühne verschwimmt. Passend dazu ergänzt das Duo das Programm mit Paraphrasen zu Verdis La Traviata und Il Trovatore.

  • Dantes Inferno am Klavier

    • Wann: Donnerstag, 29.01.2026 um 18:00 Uhr
    • Wo: Akademie Meran, Innerhoferstr. 1
    • Kontakt

    Dieses Konzert ist Teil des Prisma Poliedric Music Festival, welches von der Vereinigung La Follia Nuova ODV in Zusammenarbeit mit der Akademie Meran organisiert wird.

    Besonderer Gedenktag: JazzYiddish

    Anlässlich des Gedenktages für die Opfer des Nationalsozialismus (In Memoriam Margot Friedländer) lädt die Akademie zu einem weiteren Höhepunkt ein:

    • Wann: Samstag, 31. Januar 2026, 20:00 Uhr
    • Was: Konzert „JazzYiddish“ mit dem Quartetto Merano
    • Mitwirkende: Friede Haupt, Angelo Baselli, Marco Patrizi und Michele Giro