Wirtschaft | Tourismus

Team K versus HGV

Paul Köllensperger lässt die Vorwürfe von HGV-Präsident Manfred Pinzger nicht auf sich sitzen. Diskussionen sollten möglich sein, ohne dass „Verbandsbonzen aufschreien“.
Paul Kollensperger
Foto: Team K
  • In einer geharnischten Presseaussendung bezieht der Landtagsabgeordnete und Fraktionssprecher des Team K, Paul Köllensperger, Stellung zu den jüngsten Vorwürfen des Hotelier- und Gastwirteverbandes und dessen Präsident Manfred Pinzger. „Die nervöse Reaktion von HGV-Präsident Manfred Pinzger auf meinen Vorschlag im Landtag kommt nicht überraschend. Trotzdem erreicht der HGV einen neuen Tiefpunkt, wenn sein Chef auf niveaulose Weise den konkreten und berechtigten Vorschlag, den ein gewählter politischer Exponent im Sinne der Menschen im Land einbringt, von vorneherein als ‚Spalterei‘, als Vorwurf und als ‚Schmarrn‘ abqualifiziert“, so Köllensperger, der klarstellen will, dass er nie Zweifel daran geäußert habe, dass der Tourismus eine der tragenden Säulen der Wirtschaft Südtirols sei. 

  • Manfred Pinzger: Der HGV-Präsident hält nicht viel von Köllenspergers Vorschlag und hat diesen schon mal als „Schmarrn“ bezeichnet. Foto: HGV

    Man laufe aber Gefahr, durch das unkontrollierte Wachstum des Tourismus die Akzeptanz von Teilen der Gesellschaft zu verlieren. Zudem sollte unbestritten sein, dass der Tourismus Dinge vermarktet, die Allgemeingut sind, wie Berge, Landschaft, Umwelt und Infrastrukturen, die auch mit Steuergeld finanziert wurden und dass die Allgemeinheit deshalb auch am Ertrag des Sektors einen angemessenen Anteil haben sollte. „Deshalb ist eine höhere Aufenthaltsgebühr für Gäste, die in die öffentlichen Kassen fließen soll, angebracht und gerechtfertigt. Die heutigen paar Euro aus der Ortstaxe – die kommen nebenbei ja wieder nur dem Tourismus und der IDM zugute – reichen bei Weitem nicht aus, um auch nur die Kosten für Müll, Abwasser, CO2, Verkehr usw., die der Tourismus verursacht, zu decken. Ich will, dass alle Südtiroler und Südtirolerinnen was vom Tourismus haben und nicht umgekehrt!“, betont der Team K-Chef und erklärt, dass es mit 36 Millionen Nächtigungen in Südtirol ein Leichtes wäre, einige hundert Millionen Euro für die Allgemeinheit herauszuholen. Dies sollte mittels einer Taxe erfolgen, welche von den Gästen bezahlt wird und die gestaffelt berechnet werden soll: nach der Anzahl an Nächtigungen – je länger der Aufenthalt, desto geringer – und im Verhältnis zum Zimmerpreis – je höher die Kategorie, desto teurer. 

     

    „Ich will, dass alle Südtiroler und Südtirolerinnen was vom Tourismus haben und nicht umgekehrt!“

     

    Diese Einnahmen sollten dann für kostenlose Öffis (auch) für Einheimische, für öffentliche Mietwohnungen zu günstigen Tarifen für Familien und junge Menschen, zur Finanzierung der Pflegesicherung, für ein paar Euros mehr für die Almwirtschaft und auch die Förderung von Innovation und junger Start-ups verwendet werden. „Der Spieß muss umgedreht werden“, fordert Köllensperger. Der Tourismus müsse Geld für die Allgemeinheit beschaffen, anstatt immer mehr Steuergelder in touristische Infrastrukturen, in die IDM oder in die Guest Card zu pumpen. Der Team K-Abgeordnete ist weiters der Meinung, dass die Gesellschaft längst schon gespalten sei. Sein Vorschlag ziele deshalb vielmehr darauf ab, den Tourismus hierzulande zu retten, denn nur so könne die Tourismusgesinnung der heimischen Bevölkerung wieder gesteigert werden. „Und ohne die wird es nicht gehen. Ein Blick auf die Kanaren reicht – aber auch in Barcelona, Venedig und Oberbayern protestieren Menschen mittlerweile offen gegen die Schattenseiten des Tourismus, die Herr Pinzger gerne verschweigt“, so Köllensperger, der erklärt, dass es eigentlich normal sein sollte, solche Vorschläge zu diskutieren, „ohne dass ein Verbandsbonze hysterisch aufschreien und mit Kommentaren unter der Gürtellinie zum Gegenschlag ausholen muss. Wenn hier jemand spaltet, dann ist es der HGV und sein Präsident, der die Belastung der Bevölkerung durch den Tourismus einfach wegreden will.“