Gesellschaft | Diözese Bozen-Brixen

„Wir arbeiten mit Hochdruck daran“

Ein Ordenspriester im Amt soll Ende der 1980er Christian als Kind sexuell missbraucht haben: Generalvikar Eugen Runggaldier will den Fall mit Betroffenen neu bewerten.
Eugen Runggaldier
Foto: Diözese Bozen-Brixen
  • Die Diözese Bozen-Brixen kündigt an, den Fall von Christian neu aufzurollen. Der Betroffene sprach diese Woche im Rahmen einer Online-Pressekonferenz des italienischen Netzwerks „Rete l’Abuso“ über seine Missbrauchserfahrungen Ende der 1980er Jahre – der mutmaßliche Täter ein Priester des Deutschen Ordens, der weiterhin für die Diözese in Südtirol tätig ist. 

    „Als der Rechtsbeistand der Ombudsstelle seinen Fall 2024 gemeldet hat, haben wir den genannten Priester zur Rede gestellt und den Sachverhalt sowohl der Staatsanwaltschaft als auch dem Vatikan in Rom mitgeteilt“, erklärt der Generalvikar der Diözese Bozen-Brixen, Eugen Runggaldier. Die Staatsanwaltschaft prüfte daraufhin, ob von dem Priester für Kinder und Jugendliche heute eine Gefahr ausgeht, und sie schloss die Ermittlungen Anfang letzten Jahres ohne eine Erteilung von Schutzmaßnahmen ab. 

  • Ulrich Wastl: Seine Kanzlei stellte Anfang letzten Jahres das erste unabhängige Gutachten zu sexuellem Missbrauch in der Diözese Bozen-Brixen vor. Foto: Kanzlei Westpfahl Spilker Wastl
  • Da die Missbrauchserfahrungen des damals Zwölfjährigen – wie in den meisten anderen gemeldeten Fällen in der Diözese – so weit zurückliegen, hat die Staatsanwaltschaft den Sachverhalt wegen Verjährung nicht weiterverfolgt. Auch das Dikasterium für die Glaubenslehre im Vatikan kommt bei der Prüfung seines Falls zum Schluss, dass die „vorgeworfenen Taten unterhalb der Schwelle der Strafbarkeit blieben“ und nicht „mit der erforderlichen Sicherheit nachgewiesen werden konnten“. 

  • Neuer Umgang mit verdächtigen Priestern

    Im Vergleich zum Missbrauchsfall von Pater Don Giorgio Carli liegt hier kein nachgewiesener Strafbestand vor. Trotzdem hat der öffentliche Aufschrei im Herbst letzten Jahres Einfluss auf den aktuellen Fall. Damals wurde bekannt, dass die Diözese Don Carli versetzt hatte, obwohl er Anfang der 2000er dem Vorwurf ausgesetzt war, Minderjährige sexuell missbraucht zu haben. Das entsprechende Gerichtsverfahren wurde zwar wegen Verjährung eingestellt, seitdem fordern aber zahlreiche Menschen einen Richtungswechsel im Umgang mit Missbrauchsvorwürfen. Im Fall Don Carlis lenkte Bischof Ivo Muser ein, er übt heute sein Priesteramt nicht mehr aus. 

    Im Frühjahr 2025 hatte eine renommierte Anwaltskanzlei aus München den Fall von Don Carli in ihrem unabhängigen Gutachten zu Missbrauch im Zeitraum von 1964 bis 2023 in der Diözese Bozen-Brixen dokumentiert. Im Oktober 2025 reiste der Münchner Rechtsanwalt Ulrich Wastl allerdings erneut nach Bozen und stellte ein „systemisches Totalversagen“ in Südtirols Kirche fest. „Seitdem arbeiten wir mit Hochdruck daran, den Umgang mit beschuldigten und verurteilten Priestern genauer festzulegen. Für dieses Anliegen sind wir mit mehreren Betroffenen und Rechtsanwälten im Gespräch, die uns dabei unterstützen. Zudem werden wir alle eingegangenen Meldungen wie die von Christian nochmals bewerten“, so Runggaldier.