Die Windelwechsel-Väter
-
Der Hof des Palais Widmann war prall gefüllt, als Forum Prävention, Allianz für Familie, Land Südtirol und der Landesbeirat für Chancengleichheit für Frauen ihre diesjährige Kampagne zum Equal Care Day am 1. März vorstellten.
Christa Ladurner, die Sprecherin der Allianz für Familie, rief die Väter auf, von Anfang an im Leben ihrer Kinder dabei zu sein, diese Zeit sei sonst unwiederbringlich verloren. Sie warnte aber auch, man solle die Väter nicht nur mitlaufen lassen, sondern bewusst einbinden. Und: „Neue Väter brauchen auch neue Mütter, die nicht alles auf sich konzentrieren und den Mann auf seine Weise arbeiten lassen.“
Dem stimmte auch Ulrike Oberhammer, Präsidentin des Landesbeirats für Chancengleichheit für Frauen, zu, auch die Frauen müssten umdenken. Trotzdem sei das Problem nach wie vor, dass das System auf kostenlose Mutterarbeit ausgelegt sei und Alleinerziehende arm bleiben würden. „Ohne die unbezahlte Care-Arbeit der Frauen würde das System zusammenbrechen“, sagt Oberhammer.
-
Bei der Vorstellung des Equal Care Days: Soziologin Heidi Flarer, Ingrid Kapeller und Gudrun Brugger (Forum Prävention), Denis Iardino (La Strada - der Weg), Christof Fauster (Werbeagentur Peppis), Christa Ladurner (Forum Prävention), Soziallandesrätin Rosmarie Pamer, Ulrike Oberhammer und Nadia Mazzardis (Beirat für Chancengleichheit für Frauen) Foto: Fabio Brucculeri LPA -
Vor 20 Jahren im Passeier
Sozial-Landesrätin Rosmarie Pamer erzählte von ihrer eigenen Erfahrung. Ihr Mann, ein Montagetischler in einem Betrieb mit 30 Mitarbeitern (ohne -innen) nahm sich vor 18 Jahren als erster Mitarbeiter Elternzeit, um bei den Kindern daheim zu sein. „Damals wurde er von einigen schief angesehen“, erzählt Pamer, „aber viele sind seitdem seinem Beispiel gefolgt und erleben so die schönste Zeit ihres Lebens.“
Rund um sechs Väter wurde eine Kampagne entwickelt, die in den nächsten Wochen für die Vorteile der Vaterschaft sensibilisieren soll. Denis Iardino von La Strada - der Weg ist einer der Testimonials der Kampagne und berichtete über seine Erfahrungen. Seine Frau arbeite im Schichtdienst im Sanitätsbetrieb, nicht immer ließen sich die Arbeitszeiten beider Eltern vereinen, sodass immer wieder auf „SOS Nonni“ zurückgegriffen werden müsse. Ohne zusätzliche Hilfe sei es nicht zu schaffen. Iardino wies zudem darauf hin, dass Zeit mit dem Kind unbezahlbar sei – aber das weiß eh jeder, der es tut.
-
Noch viel zu tun
Natürlich konnten auch die Probleme nicht verschwiegen werden. So, dass Italien nur zehn Tage Elternzeit gewährt, die noch dazu schlecht bezahlt sind. Dass das Landesfamiliengeld+ für Väter weniger als 100 Mal pro Jahr abgerufen wird und das bei durchschnittlich 5.000 Geburten in Südtirol pro Jahr.
Gleichstellungsrätin Brigitte Hofer hatte bereits im Vorfeld der Veranstaltung angemerkt, dass unbezahlte Care-Arbeit weiterhin zulasten der Frauen gehe, in Italien würden 65 Prozent der Frauen, aber nur 28 Prozent der Männer täglich Hausarbeit verrichten.
Ein Gesetzentwurf, der vier Monate verpflichtenden Vaterschaftsurlaub bei vollem Lohnausgleich vorsah, wurde erst vor kurzem in der Bilanzkommission der Abgeordnetenkammer abgelehnt.
Der Katholische Familienverband KFS kritisiert, dass das Spannungsfeld zwischen Familie und Beruf politisch zwar vielfach beschworen, aber strukturell nicht entschlossen genug angegangen werde: „Wenn ein Unternehmen eine neue Maschine anschafft, investiert es selbstverständlich in Wartung, Pflege und Weiterentwicklung. Niemand käme auf die Idee, die Produktionsgrundlage auszubeuten, ohne in ihren Erhalt zu investieren. Doch genau das passiert tagtäglich bei der wichtigsten Ressource unserer Gesellschaft: Familien.“
-
Veranstaltungen und Väter-Befragung
Neben der Social-Media-Kampagne wird es auch weitere Aktivitäten geben. Ingrid Kapeller vom Forum Prävention stellte die Veranstaltungen bis zum Vatertag am 19. März vor, die dem Thema „Papa-Sein zwischen Job, Wickeltisch & Kontoauszug“ gewidmet sind, es geht unter anderem um den „Babyblues“ bei Männern.
Die Soziologin Heidi Flarer stellte die Umfrage „Vatersein in Südtirol - zwischen Wunsch & Wirklichkeit“ vor, die sich an Väter richtet, die in Südtirol leben und zu Lasten lebende Kinder haben. Sie werden aufgefordert, Fragen zu Vereinbarkeit von Familie und Beruf und die gesellschaftlichen Erwartungen an Väter zu beantworten.
Gern hätte ich mich am Ende der Pressekonferenz noch ausführlicher mit den vielen Anwesenden unterhalten, doch ich musste gehen, den Bub vom Kindergarten abholen.
-
Weitere Artikel zum Thema
Gesellschaft | Pari opportunitàGender Pay Gap, in Alto Adige è al 17,3%
Gesellschaft | Familie und BerufWas Eltern wollen
Bühne | Sorge und PflegeFragen der Fairsorgung
Ein Lob den Vätern! Jauchzet…
Ein Lob den Vätern! Jauchzet, frohlocket! Männer wechseln jetzt Windeln.
Ernsthaft: Was soll diese Unter-Überschrift? Haben wir schon April?
Ich habe gerade eine Kerze angezündet. Hoch mögen sie leben, unsere Helden!
Wenn ich jeweils eine Kerze für alle unbezahlt sorgearbeitenden und unterbezahlten Frauen anzünden würde, stünde die Welt wohl in Flammen...
Ändert endlich das patriarchale System. Alle leiden darunter. Und hört bitte auf, Symbolpolitik zu machen.
Kaum gibt es einen Artikel…
Kaum gibt es einen Artikel zu den Leistungen der Väter, folgen gehässige Kommentare.
Man kann doch auch mal anerkennen, was Väter leisten.
Was hätte ich dafür gegeben, vier Monate verpflichtenden Vaterschaftsurlaub bei vollem Lohnausgleich zu nehmen. Doch nichts dergleichen war vorgesehen. Einen einzigen Tag habe ich bekommen, danach hieß es, noch mehr arbeiten (und noch weniger für mein Kind da zu sein). Ich habe sogar im Kreißsaal einen Anruf von Arbeitskollegen bekommen, wo denn die Projektarbeit geblieben sei, die ich abzuschließen hätte.
Für Väter ist es also auch kein Zuckerschlecken und die verlorene Zeit mit den Kindern ist unwiederbringlich verloren.
Hören wir also auf, uns gegenseitig Vorhaltungen zu machen. Die Frauen haben derzeit zumindest das Privileg, von Anfang an bei ihren Kindern zu sein, und damit die frühkindliche Phase zu begleiten. Vielen Männern ist das verwehrt, und ja, das ist ein strukturelles Problem. Arbeiten wir also gemeinsam daran und verkneifen wir es uns, in Kommentaren das andere Geschlecht abzuwerten.
„Der erste Schritt wäre,…
„Der erste Schritt wäre, dass Männer anerkennen, dass sie strukturelle Privilegien geniessen, selbst wenn sie persönlich gar nicht privilegiert leben. Man spricht auch von der patriarchalen Dividende – dass Männer davon profitieren, wenn sie sich patriarchalen Normen unterwerfen. Und in einem zweiten Schritt, dass es in ihrer Verantwortung liegt, verantwortungsvoll damit umzugehen. Wenn Männer zumindest das täten, würden sie sich von einer Diskussion wie der um toxische Männlichkeit nicht mehr persönlich angegriffen fühlen, weil sie einordnen könnten, dass es um Strukturen und ihre gesellschaftliche Rolle geht“. Markus Theunert: „Der Mann ist zugleich Gefangener und Wächter seiner eigenen Zelle“ | WOZ Die Wochenzeitung https://share.google/J5