Wirtschaft | Wärmewende

Ohne Sanierung, keine Wärmepumpe

Bauexperte Philip Kleewein warnt beim Umstieg auf Erneuerbare vor radikalen Lösungen: Das Gerichtsurteil zum teilweisen Verbot von Öl- und Gasheizungen sei richtig.
Wärmepumpe, Photovoltaik
Foto: SALTO / Alin Sellemond
  • Die Investition in eine klimafreundliche Wärmequelle sei – Stand heute – nicht immer die beste Lösung, erklärt Philip Kleewein, Bauingenieur vom Planungsbüro Kyklos in Bozen. Der Experte hat deshalb nichts gegen das Urteil des Verwaltungsgerichts zum Dekret des Landeshauptmanns einzuwenden. Die Kläger Selgas GmbH und Südtirolgas AG haben das Dekret erfolgreich vor Gericht angefochten. 

  • Philip Kleewein: Seit einigen Jahren besitzt er selbst eine Wärmepumpe zuhause. Foto: Kyklos

    Auf Vorschlag von Energielandesrat Peter Brunner (SVP) hatte der Landeshauptmann im vergangenen Frühling ein teilweises Verbot von Öl- und Gasheizungen erlassen, das nun überarbeitet wird. „Kernpunkt ist, neben der technischen auch die wirtschaftliche Machbarkeit klar zu berücksichtigen“, erklärt Brunner gegenüber SALTO.  „Diese Entscheidung ist im Moment der richtige Weg. Wenn in zehn Jahren 90 Prozent aller Gebäude energetisch saniert sind, kann man auch an eine radikalere Lösung denken“, sagt Kleewein. 

    Der Umstieg ist auch deshalb schwierig, weil eine elektrisch betriebene Wärmepumpe und ein Öl- oder Gaskessel gänzlich anders funktionieren: Eine Wärmepumpe sorgt bei Heizkörpern mit rund 30 Grad Celsius für eine niedrigere Temperatur als ein Gaskessel mit 50 oder 55 Grad Celsius. Grundsätzlich eigne sich eine Wärmepumpe deshalb eher für eine Bodenheizung mit größerer Heizkörperfläche und ein Gaskessel wird für Heizkörper an der Wand genutzt, erklärt der Bauexperte. In den meisten Altbauten sind Kessel installiert und die Gebäudehülle ist nicht ausreichend abgedichtet: Ist es draußen kalt oder brütend heiß, hat das einen höheren Einfluss auf die Raumtemperatur des Gebäudes als bei einem sanierten oder neu gebauten Haus. 

  • Bei Umbau mitdenken

    Sanierung, Wärmepumpe und Photovoltaik kosten einiges – der beste Zeitpunkt für den Umstieg sei bei Altbauten deshalb ein größerer Umbau mit einer größeren Investitionssumme. „Bei mir zuhause haben wir beim Umbau eines Stockwerks entschieden, die 40 Jahre alte Heizung mit einer Wärmepumpe und einer Photovoltaik-Anlage auszutauschen“, sagt Kleewein. Da ein komplettes Wärmepumpensystem im Haus nicht umsetzbar war, verwendet die Familie beide Systeme mit Bodenheizung. Von April bis Ende Oktober kommen sie mit der Wärmepumpe aus, in den kalten Wintermonaten wird auch der Gaskessel genutzt.

    Das Bürogebäude von Kyklos wird hingegen ausschließlich mit einer Wärmepumpe geheizt. Das energetisch sanierte Haus in der Altstadt besitzt keinen Kamin mehr. Bei der Energieversorgung ist das Planungsbüro damit komplett vom Strompreis abhängig – was zu höheren Stromkosten führt. Da das Haus in der Gerbergasse unter Ensembleschutz steht, war bis vor kurzem keine Photovoltaik-Anlage möglich. Außerdem muss für eine Anlage auf Gebäuden innerhalb des historischen Ortskerns ein positives Gutachten der Gemeindekommission für Landschaft eingeholt werden. 

    Philip Kleewein ist trotz der großen Herausforderungen überzeugt, dass elektrisch produzierte Energie in Kombination mit Wärmepumpen in den nächsten Jahren an Bedeutung gewinnt – und damit auch in größerer Menge produziert werden muss. Wärmequellen aus Biomasse wie Gülle, Holzpellets oder Abfall seien beim Umstieg auf Erneuerbare zwar hilfreich, aber auch in Südtirol nicht ausreichend vorhanden.