Musik | Singer/Songwriter

Intuition im Vinschger Dialekt

Nichts ist konstruiert, alles fließt: Dominik Plangger bringt seine intuitive Musik zurück nach Schlanders. Von klaren Worten bis „Mai Maadele“ – Lieder, die nachhallen.
Dominik Plangger, Singer Songwriter Vinschgau
Foto: Gabriel Höllrigl
  • SALTO: Herr Plangger, ist ein Auftritt im „Basis Kasino“ in Schlanders für Sie eher ein entspanntes Heimspiel oder spüren Sie dort einen besonderen Druck?

    Dominik Plangger: Es ist tatsächlich etwas anderes. Vor allem bin ich dort immer ein bisschen nervöser, weil eben Leute kommen, die man persönlich kennt – und das oft schon sehr lange. Da sitzen Menschen im Publikum, die beispielsweise noch meine ganzen „Jugendsünden“ kennen. Im Ausland ist das anders, da kann man etwas relaxter auf die Bühne gehen. Aber natürlich ist es immer toll, zu Hause zu spielen.

    Wie lange ist es her, dass Sie das letzte Mal im Vinschgau aufgetreten sind?

    Das war im März letzten Jahres. Wir versuchen gerade, das zu etablieren: Die Konzerte in der „Basis“ in Schlanders sollen zu einer Tradition werden, ein fixes Konzert einmal im Jahr. Damit einen die Leute hier nicht vergessen.

  • Seine Musik – mal im Vinschger Dialekt, mal auf Hochdeutsch – ist ehrlich und tiefgründig.: Foto: Gabriel Höllrigl

    Sie singen im Vinschger Dialekt. Empfinden Sie diesen eher als ein hartes, perkussives Instrument oder ist es für Sie eine weiche Klangfarbe?

    Ich finde, im Dialekt zu singen ist deutlich weicher als im Schriftdeutschen. Gerade in Südtirol und speziell im Vinschgau nutzen wir viele Endungen auf „-le“ – diese Verniedlichungsformen passen beim Singen oft einfach besser. Der Dialekt ist für mich geschmeidiger. Das Schriftdeutsche ist dagegen sehr stark „in Form gegossen“, was es beim Singen manchmal schwieriger macht.

    Wie entsteht ein neuer Song bei Ihnen? Passiert das intuitiv an der Gitarre oder folgen Sie einem festen kompositorischen Plan?

    Einen Plan hatte ich noch nie. Wenn es eine Konstante gibt, dann die, dass Text und Musik zeitgleich entstehen. Wenn ich versuche, ein bereits fertiges Gedicht zu vertonen – was ich schon öfter probiert habe –, fällt mir das schwer. Ein Gedicht hat bereits seine eigene Rhythmik, da bin ich in der Melodieführung nicht mehr so frei. Ich mache es eher so, dass ich ein, zwei Zeilen schreibe und dann direkt nach dem passenden Melodiebogen suche. Ich habe einige Gedichte geschrieben, die ich genau aus diesem Grund nie vertont habe.

  • Zur Person

    Der gebürtige Schlanderser Dominik Plangger zählt heute zu den wichtigsten Stimmen der deutschsprachigen Liedermacherszene. Seine Musik – mal im Vinschger Dialekt, mal auf Hochdeutsch – ist ehrlich und tiefgründig. Seine künstlerische Qualität zeigt sich in der Zusammenarbeit mit Größen wie Konstantin Wecker, Reinhard Mey, Allan Taylor oder Gaby Moreno, mit denen er bereits gemeinsam auf der Bühne stand. Besonders seine Heimspiele gelten als intensiv: Neben eigenen Songs darf seine Interpretation des Korrnrliads „Mai Maadele, mai Tschurale“ von Luis Stefan Stecher nie fehlen. Musikalisch wie privat bildet er mit der Geigerin Claudia Fenzl ein eingespieltes Duo, das Südtiroler Wurzeln mit urbaner Klangästhetik verbindet.

    www.dominikplangger.at 

  • Dominik Plangger-Heimatland
    (c) Dominik Plangger

  • Ihre Frau Claudia Fenzl spielt die Geige. Wie werden die Arrangements erarbeitet, damit die Geige den Text unterstützt, ohne ihn zu überlagern?

    Claudia macht das ganz intuitiv. Sie spielt immer genau das, was das Lied braucht. Ich kann mich da vollkommen auf sie verlassen. Wenn sie etwas dazu spielt, dann passt das, weil sie ein instinktives Gespür dafür hat, was einem Song guttut.

    Verlassen Sie sich inzwischen komplett auf diese Intuition oder steckt in der gemeinsamen Arbeit trotzdem noch ein Stück harte Arbeit?

    Gerade wenn wir zweistimmig singen, checken wir die Stimmen schon genau aus. Meistens bin ich derjenige, der etwas mehr an den Tönen arbeiten muss – meine Frau kann da einfach mehr als ich. Aber insgesamt ist das gemeinsame Erarbeiten kein großer Aufwand; es passiert viel aus dem Gefühl heraus und wir improvisieren auch mal darüber.

    Sie haben bereits mit Größen wie Allan Taylor oder Reinhard Mey zusammengearbeitet – beides Meister darin, mit wenig Mitteln viel zu sagen. Haben diese Begegnungen Ihre Sichtweise darauf verändert, wie schlicht ein guter Song sein kann?

    Auf jeden Fall. Reinhard Mey steht zwei Stunden lang ganz allein mit der Gitarre vor 2.000 Menschen, und man hört währenddessen keine Stecknadel zu Boden fallen. Es ist Wahnsinn, so eine Konzentration zu schaffen und das Publikum so in den Bann zu ziehen.

     

    Die Zeit, in der man sich ausruhen kann, kommt nie.

     

    Bei Allan Taylor ist es ähnlich; zu ihm habe ich etwas mehr Kontakt. Wir haben gerade erst gemeinsam ein Lied von ihm aufgenommen, das ich ins Deutsche übersetzt habe. Er ist jetzt 82 und hat die großen Europatourneen mittlerweile aufgegeben. Aber was ich von ihm gelernt habe, ist dieses „Durchbeißen“. Als ich ihn vor ein paar Jahren kennenlernte, war er Mitte 70 und fuhr noch alleine mit dem Auto von England nach Deutschland auf Tournee. Da dachte ich mir: Respekt, das in diesem Alter so durchzuziehen. Er ist eine große Inspiration. Man lernt: Die Zeit, in der man sich ausruhen kann, kommt nie. Man muss immer weiterarbeiten. Außer man ist ein totaler Weltstar, aber in dem Stil, in dem wir uns bewegen, kann man sich nie auf den Lorbeeren ausruhen.

  • Dominik Plangger und seine Frau Claudia Fenzl.: Foto: Gabriel Höllrigl
  • Mit welchem Gefühl sollte das Publikum nach einem Ihrer Konzerte nach Hause gehen?

    Das ist eine sehr gute Frage. Ich habe mein Programm bewusst etwas umgestellt. Früher waren meine Texte viel politischer und kritischer. Das bin ich im Kern heute zwar auch noch, aber vor 15 Jahren habe ich gemerkt, dass die Leute aus dem Konzert gingen und sagten: „Es war schön, aber doch ziemlich harter Tobak.“ Das war eine ehrliche Rückmeldung, aber ich wollte nicht, dass die Leute mit diesem schweren Gefühl gehen. Heute baue ich das Programm so auf, dass der gesellschaftskritische Teil am Anfang steht und der zweite Teil etwas lockerer wird. Da kann das Publikum mitwippen und wird mit einem guten Gefühl entlassen. Im besten Fall summen sie das letzte Lied auf dem Heimweg noch mit.

  • Live in Südtirol

    • 12.03. Brixen: Astra
    • 13.03. Bozen: Carambolage
    • 14.03. Schlanders: KASINO @ BASIS

    Eröffnet wird der Abend von Robin’s Huat, dem Musikprojekt des Schlanderser Singer-Songwriters Robin Diana.

    Vorverkaufstickets:
    https://www.diyticket.it/events/Musica/28602/kasino-live-dominik-plangger