Die Polka-Party von LaBrassBanda
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SALTO: Herr Dettl, wie entscheiden Sie im Songwriting, ob ein Track eher traditionell, akustisch oder Richtung Techno-Rave tendiert?
Stefan Dettl: Das hängt stark von unserer Besetzung ab, da wir ja Tuba, Trompete und Posaune haben. Es sind nicht alle Genres, Tempi und Arrangements möglich, aber manchmal kommt dann was raus, das funktioniert und dann wissen wir auch, dass es die richtige Richtung ist.
Wie schaffen Sie es rein analog diesen massiven elektronischen Druck in großen Hallen ohne Backing-Tracks zu erzeugen?
Ja, da kommen uns die Blechblasinstrumente wirklich sehr entgegen. Dadurch, dass wir mit Luft und Energie so eine Schwingung erzeugen können, die ja so produzierte Tracks oft nicht machen können. Und wir können uns halt immer auf die Halle, die Stimmung der Menschen, die Situation gerade einstellen und dadurch schafft man es, bei jedem Konzert einen eigenen Sound, eine eigene Energie zu erzeugen. Und das ist eigentlich die größte Stärke, die wir haben, dadurch, dass wir analog spielen.
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Inwiefern beeinflusst die enorme körperliche Belastung beim Spielen eure musikalische Präzision während einer langen Show?
Das ist ein wichtiger Punkt, je älter wir werden, müssen wir schauen, dass der Kopf einfach fit bleibt und die Beweglichkeit da ist. Man hat natürlich auch an Erfahrung dazu gewonnen und kann manche Sachen, bei denen man sich früher, als Jugendlicher vielleicht zu sehr verausgabt hat, jetzt eleganter lösen, um das ganze Konzert durchzustehen. Aber die Konzerte sind momentan am längsten. Als wir angefangen haben, in den ersten Jahren haben wir ungefähr eine Stunde lang gespielt und dann eineinhalb. Mittlerweile, auch gestern, beim Konzert in Innsbruck, haben wir zwei Stunden und 20 Minuten gespielt. Also irgendwie ist Cleverness dann doch ganz gut, um die Energie zu halten.
Worin unterscheidet sich das musikalische Arrangement für eine intime Clubshow von einem Aufftritt im Bierzelt oder Open Air?
Ja, genauso wie Sie es beschreiben. Eine Clubshow ist intim. Du bist direkt bei den Menschen und hast eine wahnsinnig spannende direkte Möglichkeit, Musik auch zu interagieren mit den Personen.
La Brassbanda: Ohne SchuahHintergrundLaBrassBanda startet mit ihrer „Polka Party“-Tour 2026 europaweit durch. Die Chiemgauer haben mit ihrem Mix aus Brass, Techno und Ska längst ein eigenes Genre etabliert. Ihr Markenzeichen bleibt die kompromisslose Live-Präsenz: barfuß, laut und technisch brillant. Den massiven Druck erzeugen sie dabei rein analog durch Lungenkraft und Rhythmusgefühl. Ein Highlight im Sommer 2026 sind die Auftritte als Gäste der Toten Hosen, bevor 2027 das 20-jährige Bandjubiläum ansteht. Heute, am 25. Februar, bringt die „Naturgewalt der Blasmusik-Moderne“ ihre grenzenlose Spielfreude um 20 Uhr live in den Kasino Kulturclub (BASIS Vinschgau) nach Schlanders.
Gibt es bei einer gemeinsamen Show mit den Toten Hosen musikalische Schnittmengen, die ihr in einem Jam auslotet?
Schnittmengen eigentlich nicht, weil die Toten Hosen einen komplett anderen Sound und ein komplett anderes Genre bedienen. Aber natürlich, ich bin ein großer Fan von Campino, weil er eine unfassbare Energieleistung als Frontsänger auf der Bühne hat. Und das ist, glaube ich, schon eine Schnittmenge. Ich versuche auch, wahnsinnig viel Energie als Frontsänger in die Show zu bringen. Und ich glaube, das ist fast eine Schnittmenge. Die Leidenschaft und die Kraft, die man auf der Bühne spürt, dass die Band wirklich Bock hat, ein Konzert zu spielen.
Wie viel Raum für Improvisation bleibt bei euren hochgetakteten Live-Sets zwischen Polka und Ska noch?
Wir improvisieren jedes Mal dazu. Es gibt auch immer Parts, wo es wirklich Solo-Stücke für einzelne Instrumente gibt. Da wir komplett ohne Klick-Tracks oder Vorproduktionen arbeiten, spielt Improvisation bei uns eine zentrale Rolle. Das macht jedes Konzert auch für uns selbst so spannend
Welches Instrument oder welcher Stil hat den Sound von La Brassbanda in den letzten 20 Jahren am stärksten geprägt?
Es ist bestimmt die Tuba. Die Tuba bildet unser Fundament: Sie vereint Rhythmus, Bass und Melodie in einem. Dass dieses Instrument zusammen mit den anderen Blechbläsern eine solche Wucht entwickelt, ist in der Popmusik wohl einzigartig
Wer steckt hinter LaBrassBanda?Stefan Dettl (Trompete, Gesang) | Manuel Winbeck (Posaune, Gesang) | Manuel da Coll (Schlagzeug, Gesang) | Jörg Hartl (Trompete) | Korbinian Weber (Trompete) | Fabian Jungreithmayr (E-Bass) | Matthias Hoffmann (Tuba) | Michael Wagner (E-Gitarre)
Wie viel Inspiration bezieht ihr heute noch aus der traditionellen Blasmusikkultur des Alpenraums, etwa hier in Südtirol?
Ja, die Wurzeln, die Berge, das Gefühl für die Natur. Da kriegt man natürlich sehr, sehr viel Energie mit. Und diese Energie spiegelt sich bestimmt auch im Konzert wider. Also, für uns ist das sehr, sehr wichtig, die Natur und im Einklang mit der Natur zu leben und diese Lebensfreude auch auf der Bühne zu zeigen.
Was ist das gemeinsame Geheimnis, um nach zwei Jahrzehnten immer noch diese enorme Live-Energie auf Knopfdruck abzurufen?
Es ist die Kombination, glaube ich. Jeder von uns ist gern Musiker, jeder von uns reist gern und sieht gern verschiedene Kulturen, verschiedene Menschen und lernt gern dazu. Und das ist das Geheimnis, warum wir so viel Spaß haben und immer noch gern auf der Bühne stehen und immer noch nicht satt sind. Wir möchten die Welt bereisen, möchten Sachen dazu lernen. Es ist ein Geschenk, wenn du diesen Beruf machen darfst.
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