„Im Endeffekt musste ich barfuß spielen“
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SALTO: Herr Skweres, ein Konzert mit alter und zeitgenössischer Musik, die mit der Region verbunden ist, ist eine schöne Art, die Städtepartnerschaft zwischen zwei Städten zu feiern. Wie ist dieses Projekt entstanden?
Tomasz Skweres: Seit fünf Jahren organisieren wir – der Verein zur Förderung der zeitgenössischen Musik „Unternehmen Gegenwart“ – jährlich ein kleines Festival in Regensburg, bei dem die zeitgenössische Musik in Vordergrund steht, aber oft mit anderen Stilepochen oder anderen Kunstsparten verbunden wird. Da sind wir immer auf der Suche nach interessanten Austauschprojekten, die das Musikleben in Regensburg bereichern. Bei einem Gespräch mit dem Kulturreferenten unserer Stadt, Wolfgang Dersch, sind wir draufgekommen, dass wir beide die wunderbare Komponistin Manuela Kerer, die in Brixen lebt, kennen und sehr schätzen. Dieses Gespräch war die Initialzündung dieses Projektes mit Konzerten in Regensburg und Brixen.
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Der Hintergrund
Das Programm des Trio Skweres aus Regensburg ist Teil der Austauschprojekte zwischen den Partnerstädten Regensburg und Brixen. Das Mittelalter war sowohl für Regensburg als auch für Brixen eine Blütezeit – noch heute prägt die mittelalterliche Architektur das Bild der beiden historischen Stadtzentren. Daher werden zwischen den zeitgenössischen Werken von Komponisten aus beiden Städten „Hoquestus“ aus dem Bamberger Kodex aus dem 12. Jahrhundert aufgeführt.
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Wurden die Kompositionen von Komponisten aus den beiden Städten speziell für diesen Anlass in Auftrag gegeben?
Ja, die meisten Kompositionen wurden speziell für diesen Anlass komponiert, aber nicht alle - mein Werk für Cello solo „Litanei“ ist zum Beispiel schon ein paar Jahre früher entstanden, passt aber hervorragend in die Thematik und Atmosphäre des Mittelalters.
Ihr Repertoire als Solist und im Ensemble konzentriert sich auf zeitgenössische Musik. Wie ist Ihr Verhältnis zur Tradition? Teilen Sie Mahlers Ansicht: „Tradition ist die Weitergabe des Feuers und nicht die Anbetung der Asche“?
Ja, ganz genau! Ich sehe das, was ich selber als Komponist schreibe als eine sehr persönliche, subjektive Weiterentwicklung von dem, was mich aus der Musikgeschichte inspiriert und begeistert – und das sind in jeder Epoche ganz andere Aspekte.
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Schlagen Sie uns fünf Kompositionen aus den letzten 20 Jahren vor, die Sie für „außergewöhnlich“ halten?
Diese Frage kann ich nur als eine Momentaufnahme beantworten. Es gibt so viele Werke, die mich begeistern und welche fünf ich von dieser Vielzahl jetzt benenne, ist eben eine Tagesverfassung:
Daniel Oliver Moser „Kontrapunk“ für großes Ensemble, Johannes Kalitzke „Epiphanimate“ für Schlagwerk solo und Ensmeble, das Klarinettenkonzert „ D’Om le Vrai Sens“ von Kaija Saariaho, „Dark Wood“ für 21 Bass- und Kontrabassklarinetten Von Oskar Jockel und „Brain Fog“ von Grzegorz Pieniek.
Ist Ihnen während oder am Rande eines Ihrer Konzerte eine lustige oder tragikomische Begebenheit passiert, über die Sie heute noch lächeln?
(lacht) Mir passieren ständig komische Situationen.
Einmal habe ich schnell meine Konzertkleidung für eine Konzertreise nach Japan eingepackt, dann kurz vor dem Konzert, beim Umziehen bemerkte ich, dass irgendwas mit den Schuhen nicht passt - ich habe zwei linke Schuhe mitgenommen! Ich hatte damals zwei fast identische Paar Konzertschuhe, deshalb die Verwechslung. Im Endeffekt musste ich barfuß spielen.
Stimmen Sie mit Dostojewski überein, dass „die Schönheit die Welt retten wird“?
Ich würde eher sagen, dass der Glaube an die Schönheit die Welt retten kann. Es geht also mehr um uns, um unsere Einstellung und unseren Willen, die Schönheit zu suchen und überhaupt die Fähigkeit zu haben, sie zu bemerken.
Ein Buch oder ein Film , die Ihr Leben geprägt haben?
Als Teenager habe ich mal die Verfilmung der Novelle „die Mädchen von Wilko“ des polnischen Schriftstellers Jaroslaw Iwaszkiewicz gesehen. Ich war sofort von der melancholischen, retrospektiven Atmosphäre gefesselt, insbesondere wegen der Musik - es waren Fragmente des ersten Violinkonzertes von Karol Szymanowski. genau diese Musik hat mir die Inspiration gegeben, dass ich ernsthaft begonnen habe zu komponieren.
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Dienstag 10.2.2026 - 19.00 Uhr
TRIO SKWERES
Yui Iwata-Skweres, Geige
Matthias Rosenfelder, Viola
Tomasz Skweres, Cello
Alte Musik: Codex Bamberg Hoquetus
Neue Musik, Werke von: Josef Ramsauer, Tomasz Skweres, Rolf Stemmle, Hannes Kerschbaumer, Manuela Kerer, Mathias Johannes Schmidhammer, Juan Riera.Brixen, Musikschule
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