Gesellschaft | Bäuerinnen

Mehr als Krapfen und Küche

Zum Auftakt des Internationalen Jahres der Bäuerin 2026 feiert das Frauenmuseum Meran eine neue Gastvitrine. Ein Abend über starke Wurzeln und eine mutige Zukunft.
Internationales Jahr der Bäuerinnen, Frauenmuseum
Foto: Seehauserfoto
  • Wenn die „Riffianer Soatnmusig“ den Abend mit einem „Hochheitslandler“ eröffnet, dann ist das keine bloße Folklore, sondern Programm. „Werte Hoheiten, ihr seid es würdig“, verkündete die Dame am Hackbrett mit einem Augenzwinkern – und sie behielt Recht. Von jung bis alt waren sie gekommen, die Bäuerinnen, um den Startschuss für ein Jahr zu feiern, das weltweit und lokal eine Berufsgruppe ins Zentrum rückt, die oft im Stillen wirkt: die Bäuerinnen. 

    Es war ein Abend der weiblichen Solidarität und der sichtbaren Aufmerksamkeit; immer wieder ging ein zustimmendes Nicken durch die Reihen, wenn die Rednerinnen die täglichen Herausforderungen und die wachsende Verantwortung von Bäuerinnen thematisierten.

  • Julia Aufderklamm, Direktorin des Frauenmuseums und Antonia Egger, Landesbäuerin: Foto: Seehauserfoto
  • Die tragenden Säulen – damals wie heute

    Das Frauenmuseum hat es sich zur Aufgabe gemacht, die oft unsichtbare Arbeit von Frauen sichtbar zu machen – ganz egal, ob sie Jahrhunderte zurückliegt oder im Hier und Jetzt stattfindet. Die neue Gastvitrine dient nun als Schaufenster in eine Lebenswelt, die weit über das Postkartenidyll hinausgeht und zeigen will, dass bäuerliche Frauenarbeit heute so relevant ist wie eh und je. Julia Aufderklamm, Direktorin des Frauenmuseums, eröffnete den Abend mit einem Blick auf die enorme tägliche Last:

     

    „Schon im Mittelalter waren die Frauen die tragenden Säulen in der Landwirtschaft.“

     

    „Wir vom Frauenmuseum haben gemeinsam mit der Südtiroler Bäuerinnenorganisation diese Gastvitrine gestaltet, um die Arbeit der Bäuerinnen sichtbar zu machen, aber vor allem auch die Verantwortung, die sie tagtäglich tragen. Auf ihren Schultern lastet sehr viel. Sie kümmern sich um die Familie, den Hof, die Tiere und um die Natur. Schon im Mittelalter waren die Frauen die tragenden Säulen in der Landwirtschaft. Sie pflügten, säten, ernteten und verarbeiteten die Ernte weiter.“ 

    Diese Kontinuität zieht sich durch die Jahrhunderte. Besonders in Krisenzeiten, etwa während der Weltkriege, waren es die Frauen, die das Überleben der Höfe sicherten, während die Männer an der Front waren. Doch die Rückkehr der Männer bedeutete oft einen schmerzhaften Rückzug in die Unsichtbarkeit – ein strukturelles Problem, das bis heute nachwirkt.

  • Die Emanzipation der „K-Wörter“

    Landesbäuerin Antonia Egger lieferte in ihrer Ansprache beeindruckende Zahlen, aber auch eine scharfsinnige Analyse des Rollenbildes. Weltweit leisten Frauen, laut Angaben der Vereinten Nationen, etwa 36 % bis 39 % der Arbeit im Agrar- und Ernährungssystem und tragen somit wesentlich zur Ernährungssicherheit bei. In Südtirol führen sie etwa 17 % der rund 16.300 Betriebe. Doch in den Entscheidungsgremien, in denen die Weichen für die Zukunft gestellt werden, sind sie mit nur 5 % in den Verwaltungsräten der Genossenschaften massiv unterrepräsentiert.  

    Egger sezierte das Klischee der „3 K“ – Kinder, Küche, Kirche – und das später dazugekommene „K“ für Krapfen mit viel Scharfsinn. Diese Liste sei heute längst überholt. Unter dem Applaus der Anwesenden präsentierte sie das moderne „Update“ der K-Wörter:

     

    „Sie beweisen Kreativität, Kühnheit, Klarheit, Kulturpflege und Kommunikation.“

     

     „Die K haben sich verändert und erweitert und zeigen die angepassten Seiten der Bäuerinnen. Heute stehen sie für Kompetenz, Koordination, Kraft, Know-how und Kenntnisreichtum. Sie beweisen Kreativität, Kühnheit, Klarheit, Kulturpflege und Kommunikation. Sie sind Profis in Kundenorientierung, Kontinuität, Krisenmanagement und Kalkulation. Sie führen das Konto, die Kartei, Kurse und beweisen Kammergeschick sowie Kreislaufdenken. Diese vier K von früher sind viel zu wenige.“

  • Bäuerin des Jahres 2025, Petra Weger und Landesbäuerin Antonia Egger.: Foto: Seehauserfoto
  • Wie viel „K“ wie Kraft und Krisenmanagement in der Praxis bedeuten, verkörpert Petra Weger, die Bäuerin des Jahres 2025. Ihr Weg auf dem „Baumgartnerhof“ in Graun war geprägt von Schicksalsschlägen, die jeden Betrieb an den Abgrund hätten führen können. Nach dem Unfalltod ihres Vaters übernahm sie den Hof, musste sich gegen finanzielle Widerstände bei Banken behaupten und erlebte, wie ein Erdrutsch das gerade neu aufgebaute Haus zerstörte. Ihr Motto: „Ich bin lernfähig und stark. Mit Mut und Freude zur Landwirtschaft funktioniert es.“

    Die Ausstellung in Meran ist erst der Anfang eines dichten Jahresprogramms. Es geht darum, Fragen zu stellen: Wie leben Bäuerinnen heute? Welche sozialen Rahmenbedingungen brauchen sie? Während des Abends feierte zudem das dritte Video der neuen Bäuerinnen-Porträtreihe Premiere, das Ulrike Laimer vom Goldbichlhof in Lana zeigt und einen weiteren Einblick in die Vielfalt dieses Berufsstandes gibt.

  • Hintergrund: Das Internationale Jahr der Bäuerin

    Die Vereinten Nationen haben 2026 zum Internationalen Jahr der Bäuerin erklärt, um die weltweite Sichtbarkeit von Frauen in der Landwirtschaft zu stärken und ihre Rahmenbedingungen zu verbessern. In Südtirol werden aktuell rund 17 % der 16.300 Höfe von Frauen geführt, während ihr Anteil in den Entscheidungsgremien der Genossenschaften lediglich bei 5 % liegt. Ein Höhepunkt des Gedenkjahres wird der 22. März 2026 sein, an dem im Rahmen des Landesbäuerinnentages die neue Bäuerin des Jahres gekürt wird.

    SALTO widmet sich der wichtigen Rolle von Frauen in der Landwirtschaft auch anlässlich des Internationalen Frauentages, am Sonntag, 8. März.

  • Dass die Zukunft der Landwirtschaft auch durch den Magen geht, bewies zum Abschluss des Abends die Fachschule für Hauswirtschaft und Ernährung Tisens (Frankenberg). Die Schülergenossenschaft „hondgmocht & hausgmocht“ servierte regionale Köstlichkeiten, die zeigten, dass bäuerliches Wissen und moderne Ausbildung Hand in Hand gehen. Das Jahr 2026 bietet die Chance, die Stimme der Frauen in der Landwirtschaft zu stärken. In Meran wurde an diesem Abend deutlich: Wer die Bäuerinnen unterstützt, investiert in eine nachhaltige und gerechte Zukunft für alle.