Gesellschaft | Aktion und Forderung

Rauschfreier Neustart

Bei zwei Pressekonferenzen heute ging es um die Droge Alkohol und Drug Checking. SALTO hat sich ein nüchternes Bild gemacht.
Foto
Foto: SALTO/HM
  • Die dritte Ausgabe von C0,0l – Dry January Challenge 2026 wurde heute in Bozen vorgestellt. Sie will animieren, „die Beziehung zu Alkohol zu überdenken“ und „positive Effekte eines alkoholfreien Lebensstils“ in den Vordergrund zu stellen, heißt es in der Aussendung des Landespresseamtes.

  • Null-Komma-Null - cool!: Die Aktion soll die Akzeptanz des Nicht-Trinkens in der Gesellschaft fördern. Gerade das Wein- Bier- und Schnapsland Südtirol promotet sich ansonsten gerne als sehr trinkfreudige Gegend. Foto: SALTO/HM

    Gesundheitslandesrat Hubert Messner machte den Anfang des Redereigens. Er betonte, dass anstatt auf Verbote auf Information, Aufklärung und Beratung gesetzt werde, hob Unterstützungsangebote hervor, Prävention, die Arbeit an den Schulen und sprach über Selbstverantwortung, Gesundheitskompetenz und den gesunden Lebensstil. Die C0,0l-Kampagne solle zur aktiven Teilnahme motivieren.

    Nach ihm war Sanitätsdirektor Josef Widmann an der Reihe, der erklärte, dass es bei der Kampagne, die der Sanitätsbetrieb seit Jahren unterstütze, vor allem auch darum gehe, das eigene Verhalten kritisch zu hinterfragen und gegebenenfalls – auch wenn nur kurzfristig – zu verändern. Man wolle die wichtige Botschaft weitergeben, dass im Alltag, bei der Arbeit, in der Freizeit oder beim Sport – auch im Zusammenhang mit großen und demnächst anstehenden Sportereignissen – das Zellgift Alkohol für das persönliche Wohlbefinden nicht notwendig sei. Widmann zeigte sich überzeugt, dass die Initiative auch in diesem Jahr viele Teilnehmer finden werde.

  • Einfach statt doppelt: Mit klarem Blick auf die Statistik. Das Forum Prävention führt die landesweite Aktion gemeinsam mit dem Südtiroler Sanitätsbetrieb, dem Gesundheitsressort des Landes und Partnern aus Bildungs-, Sozial- Handel- und Sportbereich (AVS, USSA, VSS, CAI) und dem Hoteliers- und Gastwirteverband (HGV) und dem Katholischen Verband der Werktätigen (KVW) durch. Foto: SALTO/HM

    Die Direktorin des Dienstes für Abhängigkeitserkrankungen Bettina Meraner betonte, dass besonders Erwachsene Verantwortung tragen, da sie im Umgang mit Alkohol eine wichtige Vorbildrolle für Kinder und Jugendliche haben. Die Kampagne will aufzeigen, wie konkrete Lebenssituationen ohne Alkohol gemeistert werden, wie Gewohnheiten unterbrochen und neue Erfahrungen gemacht werden können. Der Januar werde dabei als geeigneter Zeitpunkt gesehen, um innezuhalten, das vergangene Jahr zu reflektieren und neue Vorsätze zu fassen. Sie wünschte der Kampagne viel Erfolg.

    Der Direktor des Forum Prävention, Peter Koler, meinte, dass die Aktion klare Ziele setze und sich an die gesamte Bevölkerung richte. Besonders betont werde die Freiwilligkeit von Entscheidungen. Koler meinte auch, dass man den Monat Januar bewusst gewählt habe, um religiöse oder stigmatisierende Assoziationen zur Fastenzeit zu vermeiden. 

  • Halb leere oder halb volle Gläser?: Lieber ganz leer! Die Challenge legt Wert darauf, gemeinschaftliche Genussmomente ohne Alkohol zu schaffen und alternative Genussräume aufzuzeigen, in denen alkoholfreier Lifestyle erlebbar wird. Erwachsene können dabei Vorbilder sein, zum Beispiel beim Feiern. Im Bild: Peter Koler. Foto: SALTO/HM
  • Wer allerdings möchte, so Koler, könne den Verzicht auch über einen längeren Zeitraum weiterführen – also bis zur Fastenzeit oder bis Ostern ausdehnen. Es gehe darum, Menschen zu unterstützen, ohne zu belehren oder zu verurteilen. Er sprach über gemachte Statistiken und freute sich über die produzierten Radiospots mit den Skigrößen Gustav Thöni und Isolde Kostner. Zusätzlich werden lokale Influencer und soziale Medien miteinbezogen, um möglichst viele Menschen für die gute und promillefreie Sache zu erreichen. Ziel sei es, einen bewussteren und gesünderen Umgang mit Alkohol im Alltag zu fördern.

    Die Projektverantwortliche Anna Maria Anstein – sie betreut C0,0l bereits zum zweiten Mal – erläuterte die Plakat- und Postkartenaktionen sowie Werbemaßnahmen in Landesämtern, Krankenhäusern, Apotheken, Schulen oder Jugendzentren. 

    Zentraler Bestandteil seien die an die Zahl eines Kegelspiels angepassten neun Gründe, die an die Kampagnenziele anknüpfen.

  • Zeno Oberkofler: Mit einem Beschlussantrag greift die Grüne Fraktion eine zunehmend dringliche gesundheitspolitische Herausforderung auf: den wachsenden Konsum synthetischer Drogen und die damit verbundenen schwer kalkulierbaren Risiken. Gesprochen wurde bei der Pressekonferenz auch über ein wünschenswertes "Nachhaltigkeits-Checking" zu den nahenden Olympischen Spielen in Antholz. Angesichts der enormen Investitionen in Infrastruktur und Sportanlagen fordern sie eine umfassende Bewertung der sozialen, wirtschaftlichen und ökologischen Folgen der Großveranstaltung. SALTO wird dazu berichten. Foto: SALTO/HM

    Nur einen Steinwurf von der Dry January Challenge 2026 entfernt fand beinahe zeitgleich eine weitere Pressekonferenz statt. Dort forderte der Grünen-Abgeordnete Zeno Oberkofler, dass das Thema Drug Checking im Januar aufgegriffen werden solle, da 2026 der Landespräventionsplan erneuert werde. Drug Checking soll darin als wichtiger Bestandteil moderner Präventionsarbeit eingebracht werden. 

    Die Maßnahme zur Risiko- und Schadensminimierung ermöglicht es Konsumierenden, Substanzen auf gefährliche Beimengungen oder hohe Wirkstoffkonzentrationen prüfen zu lassen. In vielen europäischen Ländern wie Österreich oder Slowenien ist dies bereits etabliert. 

    Das Piemont spielt in Sachen Drug Checking in Italien eine Vorreiterrolle.

    Trotz rechtlicher Herausforderungen zeigen Best-Practices, dass Drug Checking anonym und wirksam umgesetzt werden kann. 

    Angesichts der realen Situation dürfe Südtirol nicht länger wegschauen, sondern müsse lösungsorientiert handeln. Bei allen Drogen. Auch bei Alkohol.