Politik | Landtagswahlen 2013

Wer meint die richtige... Gemeinwohlökonomie?

Das Konzept der Gemeinwohlökonomie ist bei den Landtagswahlen 2013 auch Wahlkampfthema – im Kolpinghaus diskutierten dazu Kandidaten der SVP, der Grünen, des MoVimento 5 Stelle und der Freiheitlichen. Fazit: Nicht alle meinen dasselbe, wenn sie von GWÖ sprechen.

Der Verein für Gemeinwohlökonomie, den der eloquente Globalisierungskritiker Christian Felber gegründet hatte, lud gemeinsam mit dem Terra Insitut des Günther Reifer zur Diskussion ins Bozner Kolpinghaus. Die Landtagskandidaten, genauer gesagt, die Wirtschaftsvertreter der Parteien sollten zum auch in Südtirol aufkeimenden Wirtschaftsmodell Gemeinwohlökonomie Stellung nehmen.

Elmar Pichler Rolle, SVP-Urbanistiklandesrat, gab dann auch gleich eingangs zu, von der Materie wenig zu wissen und vielleicht auch der falsche Ansprechpartner zu sein. „Ich habe Ihr Buch nicht gelesen,“ sprach Pichler-Rolle Buchautor Felber an, „und weiß auch sonst wenig von Ihrem Modell,“ aber die Landesregierung könnte das Thema schon zu dem ihren machen, meinte der Landesrat. Denn teilweise arbeite man eh' in die Richtung, wie das Landesgesetz zur Einschränkung des Glücksspiels beweise, wo das Recht auf Gesundheit höher als bewertet wurde als der freie Markt.

„Vielleicht ist das Wort 'Anstand' das richtige Wort, um das auszudrücken, was Gemeinwohlökonomie will“, vermutete Pichler-Rolle noch.

Die Gemeinwohlökonomie macht die Runde, es ist eine Prägung, ein Konzept, das gerade mal drei Jahre alt ist und wie eingangs erwähnt, vom Salzburger Christian Felber in die Welt geworfen wurde. Der Mitbegründer von Attac-Österreich wurde im Juli 2013 Unesco-Lehrbeauftragter und ist mit seinen Vorschlägen für eine bessere Welt, vor allem aber mit seinem Wirtschaftsmodell GWÖ sehr erfolgreich unterwegs. In seinem Eingangsreferat erzählte Felber vom Umdenken in einigen Bereichen der Wirtschaft. Beispielsweise unterrichtet er an der Wirtschaftsuni Wien in diesem Semester zum ersten Mal die „Gemeinwohlökonomie“, in Salzburg wird ein neuer Master zur GWÖ eingerichtet und auch die Vereinten Nationen denken daran, einen solchen Lehrgang zu initiieren. Chapeau!

Auch in Südtirol gibt es die Gemeinwohlökonomie, ganz konkret setzen Privatunternehmer wie Michil Costa mit seinem Hotel La Perla in Corvara die Gemeinwohlbilanz um, aber auch Baufirmen wie das Vinschger Unternehmen Schönthaler GmbH und etliche andere. In diesen Köpfen ist das Konzept angekommen, eine Initiative für den Systemwandel in der Wirtschaft, wobei nicht das Profitdenken und die Gewinnmaximierung im Mittelpunkt steht, sondern das Gemeinwohlstreben und die Kooperation. In Salzburg hat die Koaliition ÖVP-Grüne und Team Stronach dieses Konzept in ihr gemeinsames Programm hereingenommen.

Das wollen auch die Südtiroler Grünen: Klaus Egger, Wirtschaftskandidat kennt sich aus und weiß, dass viele heutzutage von der Gemeinwohlökonomie reden und dabei aber von einem schwammigen Begriff ausgehen. „Es ist schon so wie mit der Nachhaltigkeit,“ sagt er am Podium, „der Begriff wird in jeder beliebigen Art verwendet, bis am Ende ein Unwort daraus wird.“

Auf facebook ist ein kleiner Disput dazu zwischen Egger und SVP-Kandidat Dieter Steger nachzulesen. Letzterer sagt nämlich auch, der Wirtschaftsbegriff müssen neu überdacht werden und nennt unter seinen Prioritäten auch die Gemeinwohlökonomie. Doch nicht jene, die Klaus Egger meint, sondern ein nicht genauer definiertes Paradigma. Er, Steger, findet, dass „viele dieser Modelle scheitern, da diese in den Grundannahmen nicht stimmig sind. Ohne eine philosophische Diskussion (...) wird es keine gesellschaftskritische Veränderungen geben, die dies auch ermöglichen wird. Das Ziel kann nicht Öko-Lifestyle für einige Hipster sein.“

Egger meint jedoch eine andere: „ Die GWÖ die ich meine ist sehr genau definiert und im Gegensatz zu dem was du schreibst, finde ich das gut. Es ist ein konkretes Modell über das man diskutieren kann. Konkret finde ich besser, da man nicht in Versuchung gerät in eine, sagen wir mal, rein philosophische Diskussion einzusteige.“

So argumentierten bei der Podiumsdiskussion am 8. Oktober im Bozner Kolpingsaal vor einem gut besetzten Saal auch die Kandidatin des MoVimento 5 Stelle Caterina Pifano und der Freiheitliche Roland Tinkhauser mit ihrem ureigenen Parteiprogramm bzw. zogen mehr oder weniger aufschlussreich Folgerungen zu diesem neuen Wirtschaftsmodell, das eben gleichzeitig Lebensmodell sein soll. Denn, „die Politik ist sowieso dem Gemeinwohl verpflichtet,“ meinte Tinkhauser, „ein besserer Mensch sei er deswegen aber trotzdem nicht.“ Zum Schluss gab es dann doch ganz konkrete Vorschläge von den 4 Politikern: die Instrumente der direkten Demokratie seien zu stärken, meinte Pifano unter anderem. Tinkhauser versprach sich dafür einzusetzen, dass es Landesunterstützung für die Erstellung der Gemeinwohlbilanz gibt, Klaus Egger möchte das Denkmodell über weitere Studien und Einbeziehung der größeren Wirtschaftslobbys implementieren und Elmar Pichler Rolle will sicherstellen, dass weitere Gespräche mit Vertretern der Gemeinwohlökonomie stattfinden.