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Tiroler Kostbarkeiten

Depots, in denen mehrere Millionen Objekte aus Kunst, Kultur und Naturwissenschaften gelagert werden. Das Sammlungs- und Forschungszentrum in Hall ist eine der größten regionalen Sammlungsbestände in Österreich. Und wie sieht es in Südtirol aus?
Hinweis: Dies ist ein Partner-Artikel und spiegelt nicht notwendigerweise die Meinung der SALTO-Redaktion wider.
Einblick ins Sammlungs- und Forschungszentrum
Foto: Tiroler Landesmuseen; Foto Andreas Buchberger
  • Foto: Tiroler Landesmuseen; Foto Andreas Buchberger
  • 8000 m2 groß sind die Depots, in denen mehrere Millionen Objekte aus Kunst, Kultur und Naturwissenschaften gelagert werden. Damit ist das Sammlungs- und Forschungszentrum (SFZ) der Tiroler Landesmuseen einer der größten regionalen Sammlungsbestände in Österreich.

    Jene Kunst- und Kulturschätze, die im Ferdinandeum, im Zeughaus, im Volkskunstmuseum, in der Hofkirche und im TIROL PANORAMA mit Kaiserjägermuseum zu sehen sind, sind nur ein Bruchteil des gesamten Sammlungsbestandes. Insgesamt besitzen die Tiroler Landesmuseen mehrere Millionen Objekte aus 30.000 Jahren: international angesehene Gemälde von Egger-Lienz bis Rembrandt, archäologische Fundstücke von der Mittelsteinzeit bis in die Neuzeit, naturwissenschaftliche Objekte wie Herbarien und Mineralien sowie die weltweite größte Schmetterlingssammlung der Alpen, Musikinstrumente wie Jakob Stainers Geigen, historische Münzen, Uhren, Globen, Fotografien und vieles mehr.

  • Foto: Autonome Provinz Bozen
  • So oder ähnlich ist es nun auch in Südtirol geplant: ein hochmodernes Zuhause für die Kunst- und Kulturschätze des Landes. Vermutlich im Rahmen einer regionalpolitisch motivierten Förderung polit-strategisch in Neumarkt positioniert, jedoch – anders als in Tirol – nicht als Ergebnis eines öffentlichen, europaweiten Architekturwettbewerbs, sondern auf Basis eines neuen Projektfinanzierungsmodells (PPP). Dass dabei ausgerechnet ein Familienmitglied der Bietergemeinschaft als Architekt einbezogen wird, verdeutlicht die unterschiedlichen Herangehensweisen bei der Auswahl der architektonischen Gestaltung wichtiger kultureller Schatzkammern nördlich und südlich des Brenners. Dass es sich dabei zumindest um ein durchaus aufstrebendes Architekturbüro handelt, kann zwar als Glücksfall gewertet werden, lässt sich jedoch bei diesem „innovativen Auswahlverfahren“ künftig wohl kaum verlässlich gewährleisten.

  • Foto: Tiroler Landesmuseen; Foto Andreas Buchberger
  • Bis diese in einem der Häuser ausgestellt oder an andere Museen verliehen werden, werden sie im Sammlungs- und Forschungszentrum konserviert oder sie dienen als Basis für Grundlagen- oder angewandte Forschung. In dem 2017 eröffneten Museumsdepot sind rund 40 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter sowie Ehrenamtliche damit beschäftigt, Objekte – vor allem der Tiroler Geschichte und Identität – sicher aufzubewahren, gegebenenfalls zu restaurieren und interdisziplinär zu erforschen.

  • Foto: Tiroler Landesmuseen; Foto Andreas Buchberger
  • Die Schwachstelle eines Gesamtangebots einer Bietergemeinschaft liegt darin, dass ein noch so finanziell solides aufgestelltes Projekt planerische Schwächen letztlich nicht kaschieren kann. Gleichzeitig vermag auch ein noch so überzeugendes architektonisches Konzept Fehlkalkulationen nicht zu überdecken – insbesondere dann, wenn diese nicht Bau und Realisierung betreffen, sondern die Projektfinanzierung selbst, auf die sich dieses vermeintlich innovative PPP-Modell stützt. Wollen wir wirklich zukünftig auf das bessere Gebäude verzichten, nur weil jener Akteur, der die öffentliche Finanzierung als private Leistung organisiert, einen bestimmten gestalterischen Geschmack vertritt? Selbstverständlich wählt er dann auch jene Planerinnen und Planer aus, mit denen er bevorzugt zusammenarbeitet. Auf diese Weise wird jedoch – unter Berufung auf das öffentliche Entscheidungen – der Markt im Planungswesen verzerrt.

    Warum also miteinander verknüpfen, was nicht zusammengehört?

  • Foto: Tiroler Landesmuseen; Foto Christian Flatscher
  • Die nötigen Bedingungen für die Konservierung der unterschiedlichen Objekte wurden beim Bau geschaffen: eine konstante Raumtemperatur von 19°C und eine relative Luftfeuchte von 50%. Die Stockwerke ragen zum Teil in die Erde, um Heizung und Kühlung zu optimieren, außerdem sind eine Erdwärmepumpe und eine 500 m2 große Photovoltaikanlage im Einsatz. Die außergewöhnliche Architektur des SFZ wurde mit zahlreichen internationalen Preisen ausgezeichnet.

  • Foto: Tiroler Landesmuseen; Foto Andreas Buchberger
  • Es geht also nicht um die Bietergemeinschaft, die in ihrem Angebot die geforderten Leistungen erfüllt, sondern um die grundsätzliche Frage, weshalb ein Land wie Südtirol ein solches PPP-Verfahren bevorzugt, anstatt bewährte Instrumente weiterzuentwickeln. Südtirol war immerhin lange Zeit Vorreiter im Wettbewerbswesen für Architektinnen und Architekten, fällt in diesem Bereich jedoch zunehmend zurück – sowohl in der Durchführung als auch in den inhaltlichen Anforderungen der Verfahren. Stattdessen setzt man trotz eines ausgezeichneten Landesratings bei internationalen Ratingagenturen auf ein System, das ursprünglich dafür konzipiert wurde, Staaten und Organisationen mit niedrigem bis schlechtem Rating Marktvorteile zu verschaffen, indem das Finanzierungsrisiko an private, höher gerankte Unternehmen ausgelagert und entsprechend vergütet wird.

  • Foto: Tiroler Landesmuseen; Foto Christian Flatscher
  • Die Bibliothek der Naturwissenschaftlichen Sammlungen umfasst über 1.000 Zeitschriftenreihen, ca. 10.000 Bücher (davon 500 bibliophile) und Sondersammlungen. Geographischer Sammlungsschwerpunkt ist die Europaregion Tirol bzw. der Alpenraum, Spezialgebiete sind Botanik, Mykologie (Pilzkunde), Wirbeltiere (Vögel, Säugetiere), Insekten (Schmetterlinge, Käfer, Wanzen), Mollusken, Mineralogie, Geologie und Paläontologie. Die Bestände sind im Sammlungs- und Forschungszentrum in Hall untergebracht und können dort nach Voranmeldung im Lesebereich eingesehen werden

  • Foto: Autonome Provinz Bozen
  • Zwar verbindet die Architekturszene Südtirols mit dem Neubau die Hoffnung, endlich auch einen Ort für lokale architektonische Nachlässe zu erhalten; zugleich droht jedoch die Gefahr, dass es diesen Bedarf unter den gegebenen architektonischen Voraussetzungen künftig gar nicht mehr gibt. Es stellt sich daher die Frage, auf welcher Entscheidungsgrundlage das Land Südtirol bei der Wahl von PPP-Verfahren agiert.