Auch die Psyche gerät in den Krisenmodus
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Laut dem 2025 veröffentlichten OECD-Bericht zu psychischer Gesundheit gehören Depressionen und Angststörungen zu den häufigsten psychischen Erkrankungen in Italien: Fast jeder fünfte Erwachsene weist leichte oder mittelschwere depressive Symptome auf, die oft nicht erkannt werden. Die Rate ist im OECD-EU-Raum mit 19 Prozent ähnlich hoch. „Zwischen 2021 und 2024 stieg die Prävalenz in der Altersgruppe der 18- bis 34-Jährigen um über 30 Prozent“, erklärt der Grüne Abgeordnete Zeno Oberkofler diese Woche im Landtag.
Die psychische Belastung habe in den letzten Jahren objektiv zugenommen. „Das hat sicher mit einer gewissen Überforderung in der Gesellschaft zu tun: Klimakrise, Krieg, Pandemie und Zukunftsängste, das belastet“, sagt der Jungpolitiker. „Gleichzeitig haben wir es als Gesellschaft geschafft, das Thema psychische Gesundheit zu enttabuisieren, gerade junge Menschen haben dazu beigetragen.“ Aus beiden Gründen müsse deshalb nicht nur in psychische Gesundheit investiert, sondern auch die Klimakrise und soziale Ungerechtigkeiten angegangen werden. Ein wichtiges Ziel sei dabei die flächendeckende Grundversorgung der Basispsychologie.
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Gemeinschaftshäuser als Lösung?
Im italienischen öffentlichen Gesundheitswesen stehen etwa drei Psychologen pro 10.000 Einwohnerinnen zur Verfügung, der europäische Durchschnitt liegt hier bei zehn bis zwölf. Nach Angaben der OECD sollten etwa 11 Prozent der Gesundheitsausgaben für die psychische Gesundheit aufgewendet werden. Oberkofler forderte deshalb von Gesundheitslandesrat Hubert Messner (SVP) detaillierte Zahlen zur Situation in Südtirol.
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Messner erklärte im Landtag, dass im Jahr 2024 im Sanitätsbetrieb 99 Millionen Euro für die psychische Gesundheit ausgegeben wurden, davon 25,1 Millionen Euro für den psychologischen Dienst, der nicht mit der Psychiatrie zu verwechseln sei. Insgesamt beschäftigt die öffentliche Hand 202,45 Vollzeitäquivalente an Psychologinnen und Psychologen. Heute machten die Gesamtkosten für Psychiatrie und psychologischen Dienst 5,5 Prozent des Budgets des Sanitätsbetriebs aus. „Dieser Prozentsatz hat sich klarerweise in den letzten 10 Jahren gesteigert“, so Messner.
Für 10.000 Menschen stehen in Südtirol 3,75 ausgebildete Fachkräfte für Psychologie zur Verfügung, des entspreche dem Verhältnis in Italien und anderen Ländern. Außerdem plant der Landesrat, nicht nur in jedem der zwölf neuen Gemeinschaftshäuser einen basispsychologischen Dienst mit zwei Vollzeit-Stellen anzubieten, sondern den Dienst auch in den Gesundheitssprengeln auszuweiten. Dafür brauche es 30 zusätzliche Fachkräfte, die schrittweise eingestellt werden sollen – aus Sicht von Zeno Oberkofler noch viel zu wenig.
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