Gesellschaft | Gesundheitswesen

Berufskammer steht hinter Protestgruppe

Die Präsidentin der Psychologenkammer Francesca Schir stellt sich hinter junge deutschsprachige Psychotherapeutinnen: Die Hürden bei der Titelanerkennung seien zu groß.
Francesca Schir, Maria Antonietta Gulino
Foto: Seehauserfoto
  • Nach der Kritik von jungen Psychotherapeutinnen wendet sich die Präsidentin der Südtiroler Psychologenkammer, Francesca Schir, an die Öffentlichkeit. Eine Betroffene berichtete gegenüber SALTO von der schwierigen Anerkennung ihrer Berufsbefähigung in Italien. „Gerade weil wir als Psychologenkammer diese Stimme ernst nehmen, möchte ich einige Klarstellungen machen, um aufzuzeigen, wo das Problem wirklich liegt und wo wir gemeinsam etwas bewegen können“, erklärt Schir. 

    Die betroffene Psychotherapeutin Andrea Gufler, die ihre Ausbildung in Deutschland absolvierte, wird nun Teil der Arbeitsgruppe für junge Fachkräfte der Psychologenkammer. Außerdem unterstützt die Berufskammer die Initiative der Protestgruppe und will das Anliegen bei den zuständigen Stellen auf lokaler und nationaler Ebene zur Sprache bringen. 

  • Zu lange Wartezeiten bei Anerkennung

    Austauschtreffen: v.l. Andrea Gufler, Francesca Schir: Foto: privat

    Das Anerkennungsverfahren für im Ausland erworbene Berufsqualifikationen liegt nicht in der Zuständigkeit der Psychologenkammer der Provinz Bozen, sondern es wird vollständig vom Gesundheitsministerium in Rom gemäß dem Gesetzesdekret 206/2007 abgewickelt. Dasselbe Verfahren gilt für Gesundheitsberufe wie Ärzte, Pflegepersonal oder Apotheker. Beim Anerkennungsverfahren für Psychotherapie schreibt der italienische Gesetzgeber eine formale Bearbeitungsfrist von drei bis vier Monaten ab Einreichung der vollständigen Unterlagen vor. „In der Praxis sind Verzögerungen ein systemisches, nationales Problem, das alle Berufsgruppen betrifft“, sagt die Präsidentin der Südtiroler Psychologenkammer. „Wenn ein Titel nicht als direkt gleichwertig anerkannt wird, kann das Ministerium eine Eignungsprüfung oder andere Ausgleichsmaßnahmen verlangen – Sitzungen, die etwa zweimal jährlich stattfinden und die Wartezeiten für alle weiter verlängern“, so Schir. 

    In Italien sieht die vom Bildungsministerium anerkannte Psychotherapieausbildung bereits einen vierjährigen Weg mit mindestens 500 Jahresstunden zwischen Theorie und supervidierter klinischer Praxis vor. Dieser Ausbildungsweg ähnle jener in Deutschland oder Österreich. „Die Anerkennung dient nicht dazu, den ausländischen Abschluss abzuwerten: Sie dient dazu, im Einzelfall die inhaltliche Gleichwertigkeit zu überprüfen – zum Schutz der Bürgerinnen und Bürger, die sich diesen Fachleuten anvertrauen“, erklärt Schir. Allerdings seien die Wartezeiten für die Anerkennung übermäßig lang. 

    Deshalb unterstütze die Psychologenkammer Südtirols jede Initiative, um eine bessere Lösung dafür zu finden, und wünscht sich einen Dialog mit der Protestgruppe. „Die Gruppe hat sich bisher leider nur an die Presse gewandt und nicht an uns“, so Schir.