Lungomare in Venedig
-
„Der italienische Pavillon wird während der gesamten Dauer der Ausstellung von einem öffentlichen Programm begleitet, das Angelika Burtscher und Daniele Lupo (Lungomare) kuratieren“, hieß es gestern bei der Vorstellung in Rom zum italienischen Pavillon der diesjährigen Biennale in Venedig. Es ist sozusagen der Ritterschlag für die 2003 unter dem Namen Lungomare an der Talstation der Seilbahn Jenesien gegründeten Plattform für Kulturproduktion und Gestaltung.
Themen wie Ökologie, Weiblichkeit, Prozesshaftigkeit, Fürsorge und Zusammenarbeit helfen uns, die Rolle von Kunst neu zu denken...
-
Auf nach Venedig: Daniele Lupo und Angelika Burtscher sprechen zu 20 Jahre Lungomare im SALTO-Video PEOPLE (aus dem Archiv). Im Venedig-Team von Lungomare arbeiteten neben den beiden auch Chiara Bergese, Chiara Cesaretti und Irene Sgarro. Foto: Mauro PodiniSeit über 20 Jahren bringt Lungomare mehrsprachiges Meeresfeeling in Form von Kunst und Kultur in die Alpenstadt Bozen. Und nun eben auch zur 61. Biennale nach Venedig. Burtscher und Lupo – sie haben hier in Bozen bereits die legendäre und von Benno Simma gegründete Akademie für Design besucht – sind mit Lungomare längst zu einem wichtigen Bestandteil nicht nur im lokalen, sondern auch im nationalen und internationalen Kulturbetrieb geworden. Seit jeher brennen sie „für eine aufgeschlossene und hemmungslose Kulturdebatte in Südtirol“, im Gegensatz zum verkrusteten und nach Sprachen und Disziplinen getrennten Fördersystems.
Con te con tuttoVom 9. Mai bis 22. November 2026 wird Con te con tutto von Chiara Camoni die Räume des Italienischen Pavillons auf der 61. Internationalen Kunstausstellung – La Biennale di Venezia beleben. Die 1974 in Piacenza geborene Künstlerin hat sich als eine der führenden Persönlichkeiten der italienischen Kunstszene ihrer Generation etabliert. Die Ausstellung, kuratiert von Cecilia Canziani, ist ein Aufruf zum Zusammenkommen – eine Einladung, eine andere Art des In-der-Welt-Seins zu gestalten, durch Begegnung und Austausch mit anderen Lebensformen. Dabei wird Raum gelassen für das Staunen, das Empfinden, den Dialog, die Kontemplation und für den Fluss der Zeit, „der alles verwandelt“. Canziani und Camoni verbindet eine lange Geschichte der Freundschaft und des Austauschs.
Immer im Austausch: Chiara Camoni und Cecilia Canziani stellten gestern „Con te con tutto“ in Rom vor. Foto: Biennale Venezia„Sie bezieht den gesamten Pavillon ein und denkt ihn als eine sich wandelnde Landschaft neu, in der der Körper der Skulptur und die Körper der Besucher zu einem gegenseitigen Austausch eingeladen sind“, erklärt Canziani. Und sie führt aus: „Themen wie Ökologie, Weiblichkeit, Prozesshaftigkeit, Fürsorge und Zusammenarbeit helfen uns, die Rolle der Kunst neu zu denken – ausgehend von der Beziehung zwischen Künstler und Werk sowie zwischen Werk und Publikum. Gleichzeitig ermöglichen sie es uns, durch die visuelle Vermittlung der Werke eine andere Möglichkeit vorzustellen, die Gegenwart zu leben.“
Das Projekt von Camoni und Canziani rückt das künstlerische Schaffen erneut als gemeinschaftliche Praxis in den Mittelpunkt, in der Handwerk, Beziehung und Verantwortung zu einer zutiefst zeitgenössischen Sprache verflochten sind. „Zum ersten Mal vollständig den Kenntnissen und Sensibilitäten von Frauen anvertraut, schlägt der Pavillon eine Vorstellung von Kunst als Raum der Aufmerksamkeit und des Maßhaltens vor und bietet dem internationalen Kontext einen kohärenten, bewussten und in unserer kulturellen Geschichte verwurzelten Beitrag“, betonte der zuständige Verantwortliche des Ministeriums Angelo Piero Cappello bei der Presskonferenz in Rom.
Der Präsident der Fondazione La Biennale di Venezia, Pietrangelo Buttafuoco meinte zur Ausstellung: „Sie verkörpert eine wesentliche Haltung – eine Rückkehr zu den Ursprüngen, zum Nullpunkt der Menschlichkeit. Der italienische Pavillon 2026 zeigt eine besondere Sensibilität für In Minor Keys, das Thema der 61. Biennale. Es lädt uns ein, unsere Existenz neu zu denken – durch Materie, Beziehung, Zuhören und Zusammenarbeit.“
Alice Rohrwacher mit im Boot: Innerhalb der Ausstellungs-Architektur wird es auch Werke und historischen Bezüge geben, die als eine Reihe von Dialogen zwischen Camonis Werk und anderen künstlerischen Ausdrucksformen zu sehen und zu lesen sind. Zu den Exponaten gehören Künstler wie Fausto Melotti und Marisa Merz sowie antike Objekte wie eine Amphore aus dem späten 7. Jahrhundert v. Chr.. Hinzu kommen zwei neue Auftragsarbeiten, sowie ein Filmprojekt der Regisseurin Alice Rohrwacher (siehe Filmstill). Foto: Biennale VenedigIm Arsenale von Venedig wird sich der italienische Pavillon über zwei Bereiche erstrecken. Einer der Räume wird sich in eine wandelnde Landschaft verwandeln, „in der der Körper der Skulptur und die Körper der Besucher zu einem wechselseitigen Austausch eingeladen sind“. Es geht um ein gemeinsames Gefühl und Erlebnis. Der zweite Raum wird eine Welt im Wandel zeigen. Der Katalog wird von NERO Editions herausgegeben, für das Grafikdesign zeichnet ebenfalls Lungomare verantwortlich. Auch für die Gestaltung des Erscheinungsbildes und der visuellen Identität des Pavillons, die grafische Gestaltung der Ausstellung sowie das Konzept zur Barrierefreiheit.
Und das öffentliche Programm? Es wird die Werke im Pavillon mit der Stadt Venedig verbinden und einen offenen Raum für Begegnung, gemeinsames Denken und neue Perspektiven auf Kunst, Körper und Gemeinschaft schaffen. Man darf gespannt sein.
Reden über Lungomare. Daniele Lupo und Angelika Burtscher zu Gast bei People 2023(c) Mauro PodiniWeitere Artikel zum Thema
Kultur | JubiläumDem Lungomare, noch viele Jahre...
Kultur | PeopleKonversation an der Strandpromenade
Kultur | Arte | MostreAttraverso il prisma dei confini
Stimme zu, um die Kommentare zu lesen - oder auch selbst zu kommentieren. Du kannst Deine Zustimmung jederzeit wieder zurücknehmen.