„Abwarten, wir wurden oft hintergangen“
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Beim Austauschtreffen zwischen der Protestinitiativgruppe „Qualitätsmarke Bildung Südtirol“ und einem Publikum von Lehrpersonen und Gewerkschaftsvertreterinnen und -vertretern in Kortsch war die Stimmung gegenüber den stockenden Verhandlungen für die Reallohnerhöhung der Lehrerschaft nicht rosig.
Neben der gängigen Kritik an der Landesregierung, die sich Bildung nichts kosten lassen wolle, wurde auch das Verhältnis zu den Gewerkschaften diskutiert. Aus dem Publikum wurden Stimmen laut, die die mangelhafte Transparenz der Gewerkschaften gegenüber dem Lehrpersonal kritisierten. Der Konsens war: Ein Ende der Vertragsverhandlungen scheint noch lange nicht in Sicht, ebensowenig ein Ende der Protestmaßnahmen.
Die Initiativgruppe hatte in den vergangenen Monaten landesweit 97 Prozent der Schulen mobilisiert und zum Verzicht auf Ausflüge und außerschulische Aktivitäten aufgerufen. Die anwesenden Lehrpersonen sprachen ihr Lob aus: Es handle sich um eine Form des Protests, die sichtbar mache, wie viel zusätzliche Arbeit Lehrpersonen über ihren eigentlichen Auftrag hinaus leisten würden. Das Lehrerpublikum deutete an, dass diese Maßnahmen an vielen Schulen weiterhin umgesetzt werden.
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Kritik an Gehaltsverhandlungen
Im Mittelpunkt der Diskussion standen die laufenden Vertragsverhandlungen zwischen Landesregierung und Gewerkschaften. Laut Initiativgruppe stellt das Land rund 400 Euro pro Vollzeitäquivalent in Aussicht. „Reich wird man damit nicht unbedingt“, so Rebecca Lechthaler, Sprecherin der Initiativgruppe Qualitätsmarke Bildung.
Vor allem kritisiert Lechthaler im Vortrag jedoch das folgende Vorgehen: Immer wenn staatliche Gehaltserhöhungen erfolgen, werden die Landeszulagen auf den Lohnstreifen der Staatslehrer gekürzt. „Aus der linken Hosentasche in die rechte Hosentasche“, wie es Lechthaler pointiert ausdrückte. Die vom Staat vorgesehenen Gehaltserhöhungen würden somit wieder ausgeglichen.
„Der Staatslehrer verdient seit sieben Jahren weniger als der Landeslehrer“
Eine fragliche Vorgangsweise, sei doch der ursprüngliche Sinn der Landeszulage jener, dass die Gehälter von Staatslehrerinnen und -lehrern an jene der landesbediensteten Lehrpersonen angepasst werden. De facto, so Lechthaler, „verdient der Staatslehrer seit sieben Jahren weniger als der Landeslehrer“.
Andrea Perger, Mitinitiatorin und Sprecherin der Qualitätsmarke Bildung, hielt dazu jedoch fest: „Stefano Barbacetto vom CGIL hat sich etwa dafür ausgesprochen, dass über diesen Berechnungsmodus noch gesprochen werden muss.“ Vom Tisch ist das Thema also noch nicht.
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Ziel ist die Zusammenarbeit
Ein großer Teil der Diskussion drehte sich um das Verhältnis zwischen Initiativgruppen und Gewerkschaften. Vertreterinnen der Initiative betonten mehrfach, dass das Ziel der Initiativgruppen eine enge Zusammenarbeit mit den Gewerkschaften sei. Diese seien die legitimen Sozialpartner, die letztlich die Verträge verhandeln.
Einigkeit herrschte aber darüber, dass eine Spaltung der Lehrerschaft die Verhandlungsposition schwäche.
Aus dem Publikum wurde jedoch Kritik geäußert. Einige Teilnehmer bemängelten mangelnde Transparenz. Andere warfen den großen Gewerkschaften vor, zu wenig Druck auf die Politik auszuüben. Einigkeit herrschte aber darüber, dass eine Spaltung der Lehrerschaft die Verhandlungsposition schwäche. Ziel sei es, die Mobilisierung mit der Arbeit der Gewerkschaften zu verbinden. „Wir möchten zusammenarbeiten“, schließt Andrea Perger.
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Kritik am politischen Umgang mit Bildung
Neben den Vertragsverhandlungen wurde der Umgang mit geplanten Reformvorhaben seitens des Landes diskutiert. Aus Sicht der Initiativgruppe müsse die Expertise der Lehrpersonen stärker berücksichtigt werden. Lehrpersonen seien schließlich diejenigen, die täglich im Klassenzimmer arbeiteten und die Realität der Schulen am besten kennen.
Mehrfach wurde daher betont, dass Lehrpersonen als Fachkräfte und Bildungsexperten ernst genommen werden müssten. Entscheidungen über Schule dürften nicht ausschließlich von politischen oder administrativen Strukturen getroffen werden. Perger betont: „Gebt den Leuten die Mittel, dann lösen sie Probleme. Lasst uns Schule gestalten, wir wissen, wie das geht, wir sind Bildungsexperten.“
„Wir als Lehrer müssen für unsere Volkswirtschaft die Stahlarbeiter sein“
Zudem argumentierten mehrere Teilnehmer, darunter auch ein Vertreter der CGIL aus dem Publikum, dass die Frage der Lehrergehälter nicht nur eine berufsständische Angelegenheit sei. In anderen Ländern seien es die Stahlarbeiter und Stahlgewerkschaften, die durch ihre Organisation gesamtgesellschaftlich das Lohnniveau vorgeben. „Wir als Lehrer müssen für unsere Volkswirtschaft die Stahlarbeiter sein“, heißt es vom CGIL-Vertreter. Krankenschwestern, Sanitäter, Kassiererinnen und Kassierer befinden sich ebenso in prekären Lohnsituationen. Wenn das Land als Arbeitgeber angemessene Gehälter zahle, habe dies Auswirkungen auf das gesamte Lohnniveau. Auch die Privatwirtschaft orientiere sich an den Gehältern im öffentlichen Dienst.
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Protestmaßnahmen werden weitergehen
Viele Wortmeldungen aus dem Publikum deuteten darauf hin, dass die Bereitschaft zur Fortsetzung der Protestmaßnahmen weiterhin groß ist. Ein zentraler Faktor sei dabei der Verlauf der Vertragsverhandlungen. Da diese erst begonnen hätten und konkrete Ergebnisse noch nicht absehbar seien, wolle man zunächst den weiteren Verlauf abwarten. Ein Lehrer aus dem Publikum äußerte: „In unserem Kollegium warten wir den 31. März ab. Wir wollen abwarten, weil wir ja schon oftmals hintergangen wurden.“
Ein anderer Lehrer führte aus: „Wir werden uns im Mai im Kollegium absprechen, wie wir es letztes Jahr auch gemacht haben. So wie es aussieht, werden wir aber wahrscheinlich diese sogenannten Protestmaßnahmen fortsetzen. Wenn überhaupt, machen wir in Zukunft vielleicht einen Ausflug. Wir werden in dieser Schiene fortfahren, weil es uns allen so besser geht. Ich sehe nicht ein, warum wir Unterhalter spielen müssen.“
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Zu viel - blah - blah - blah! Herr Achammer!