Chronik | Reaktionen

"Nur der Schnee war weiß"

11. März, 11 Uhr: Nach dem Lawinenunglück im Tauferer Ahrntal suchen viele Menschen nach Worten, um Trauer und Beileid zum Ausdruck zu bringen.

Sechs Tote und eine Verletzte. Das ist die traurige Bilanz des Lawinenunglücks im Tauferer Ahrntal vom Samstag. Gegen 11 Uhr war am 11. März an der Nordwestseite des Schneebigen Nock in der Riesenfernergruppe eine Lawine abgegangen und hatte 15 Personen unter sich begraben. Sechs Menschen, darunter fünf Südtiroler – allesamt aus dem Pustertal – und ein Nordtiroler, konnten nur mehr tot geborgen werden. Nach einem Lokalaugenschein am Sonntag steht inzwischen fest: Die Lawine wurde durch die Schicht an Neuschnee, die sich über die älteren Schneemassen gelegt hat und von den Skitourengehern in Bewegung gebracht wurde, ausgelöst. Der Lawinenfachmann des Landes, Fabio Gheser, erklärt: “Auch für den erfahrensten Alpinisten ist es unter diesen Umständen fast unmöglich, das Risiko einzuschätzen, weil es nicht sichtbar ist, sondern sich in der Tiefe versteckt.”

 


Die Lage des Schneebigen Nock, an dessen Nordwestseite sich die Schneemassen lösten und 15 Menschen unter sich begruben.

Die Naturkatastrophe und ihre Folgen haben über die Landesgrenzen hinaus für tiefe Betroffenheit gesorgt. Sämtliche lokale Medien, aber auch die großen italienischen Pressehäuser sowie jene im deutschsprachigen Raum berichteten über das Unglück im hinteren Ahrntal. Darunter La Repubblica, Il Corriere della Sera, Spiegel Online, BILD, der Bayerische Rundfunk, der ORF, die Neue Zürcher Zeitung. Die Tiroler Tageszeitung schreibt ausführlich über das Unglück, handelt es sich bei dem Toten aus Nordtirol doch um den Direktor der Tiroler Wirtschaftskammer, Horst Wallner. Ebenso schaffte es das tragische Ereignis in die Medien Großbritanniens – BBC, The Guardian und The Mirror berichteten – und gar bis nach Australien.


The Guardian

Nach den umgehenden Reaktionen und Beileidsbekundungen durch Landeshauptmann Arno Kompatscher und Zivilschutzlandesrat Arnold Schuler haben mittlerweile unzählige weitere Menschen ihre Anteilnahme zum Ausdruck gebracht. “Meine große Anteilnahme gilt den Familien, den Angehörigen und Freunden der Verstorbenen. Gerade solche unerwartete und plötzliche Ereignisse sollen uns dazu führen, zusammen zu stehen und zusammen zu halten”, schreibt Bischof Ivo Muser. Sein Beileid drückt auch Hans Berger aus. Der bergerfahrene SVP-Senator kennt die Stelle, wo die Lawine abgegangen ist gut: “Wenn sich dort Schneemassen lösen, gibt es kein Entkommen für jene, die sich weiter unten aufhalten.” Die PD-Sekretärin Liliana Di Fede schreibt auf Facebook: “Una notizia dolorosa e molto triste, che ci accomuna, tutte e tutti, nella partecipazione e nel cordoglio.

Zwei der getöteten Verschütteten gehörten der Schützenkompanie Niederdorf an. Diese erinnert auf ihrer Homepage an die beiden jungen Verstorbenen: “Mit dem Tode eines Menschen verliert man vieles – aber niemals, die mit ihm verbrachte Zeit. Ruhet in Frieden Kameraden, Pfiat enk!” Auch der jüngste Tote, gerade einmal 16 Jahre alt, war ein Schütze bei der Kompanie Unteres Ahrntal. Landeskommandant Elmar Thaler gedenkt der drei Kameraden: “Der Tod schlägt Abgründe des Schweigens, wo sonst eine Antwort war und nun kein Echo mehr ist; Er schafft schmerzliche Leere in unseren Reihen, wo seit dem Lawinenunglück vom Samstag nun gleich drei Mann fehlen.” Zahlreiche Trauerbekundungen haben vor allem Menschen aus dem Pustertal in das Kondolenzbuch von stol.it geschrieben. Gleichzeitig bedanken sich viele auch bei den Rettungskräften. Beispielhaft dafür steht der Eintrag von Familie Aichner aus Bruneck: “Grauenhafter Himmel, ein schwarzer Tag, nur der Schnee war weiß, was diese Menschen zu dieser Freizeitgestaltung suchten, die Naturgewalt war stärker, grausam, schrecklich für alle Hinterbliebenen, tiefes Entsetzen, einfach nur traurig, in Gedanken bei den Angehörigen, (…) . Den ganzen freiwilligen Helfern ein großer Dank, was sie alle durchmachen, immer wieder schreckliche Bilder zu verarbeiten, viel Glück und Erfolg weiterhin. Danke Danke.”

“Es war ein immenses und tragisches Verhängnis, das jeden hätte treffen können”, meint Hans Kammerlander. Der Extrembergsteiger betreibt eine Alpin-Schule in Sand in Taufers. Zur Tatsache, dass sich die Skitourengeher bei Lawinenwarnstufe 2 auf den Weg gemacht hatten, sagt er: “Ich hätte keinerlei Zweifel gehabt, wäre ebenfalls gegangen und hätte auch Kunden mitgenommen. Wer sagt, dass man bei Stufe 2 hätte zu Hause bleiben sollen, kennt die Berge nicht und ehrt die Toten nicht.”