Politik | Sozialer Wohnbau

„Areal eignet sich für ein Pilotprojekt“

In Meran warten viele Menschen auf eine WOBI-Wohnung. 460 Anträge sind noch nicht beantwortet. Bietet das 4.000 Quadratmeter große Ex-Edyna-Gelände Platz für sozialen Wohnbau? Bislang wusste das WOBI nicht, dass das Gelände nutzbar ist.
Ex-Edyna Areal Meran
Foto: Madeleine Rohrer
  • Laut Wohnbaulandesrätin Ulli Mair liegen derzeit 464 Anträge auf Wohnungen mit sozialem Mietzins vor. Gleichzeitig ist in der Stadt eine 4.000 Quadratmeter große Fläche des Energieverteilers Edyna frei geworden, die nun verkauft werden soll. Die grüne Landtagsabgeordnete Madeleine Rohrer betont die Chance, dringend benötigten leistbaren Wohnraum zu schaffen und kritisiert, dass das WOBI bislang nicht einmal von der möglichen Verfügbarkeit des Grundstücks wusste. 

    Entschiedener Widerspruch kommt jedoch von Merans Bürgermeisterin Katharina Zeller: „Die grüne Landtagsabgeordnete Madeleine Rohrer stellt die Situation so dar, als hätte die Gemeinde geschlafen und würde sich nicht ernsthaft um das Problem des leistbaren Wohnraums kümmern. Das können wir so nicht stehen lassen.“ Wohnbaulandesrätin Ulli Mair sieht die Gemeinde am Zug: Wenn entschieden ist, wie die Fläche umgewidmet wird, kann das WOBI tätig werden.

  • Gemeinde Meran am Zug

    Ulli Mair: „Der Besitzer hätte im Moment keinen Grund sich direkt ans WOBI zu wenden.“ Foto: LPA

    Auf die Landtagsanfrage der Grünen antwortet Ulli Mair, dass derzeit 464 Anträge auf „Wohnungen mit sozialem Mietzins“ sowie drei Anträge auf „Wohnungen zum bezahlbaren Mietzins“ in Meran noch offen sind. Es scheint also gelegen zu kommen, dass in Meran mit dem Ex-Edyna Areal ein rund 4.000 Quadratmeter großes Grundstück zur Verfügung steht, das man für den Wohnbau nutzen könnte.

     

    „Das öffentliche Institut, das den sozialen Wohnbau in Südtirol verwaltet – also jenes, das als erstes informiert sein sollte – wusste nicht einmal, dass diese Fläche existiert“

     

    Auf die Anfrage der Grünen-Landtagsfraktion, welche Schritte das Institut unternommen habe, um das Grundstück zu erwerben, fiel Mairs Antwort knapp aus: Dem Wohnbauinstitut lägen bislang „keine direkten Informationen darüber vor, dass die betreffende Fläche zur Verfügung stehen würde“.

  • Madeleine Rohrer: „Das Areal eignet sich für ein Pilotprojekt.“ Foto: Grüne/Verdi

    Für Rohrer ist das ein deutliches Signal für mangelhafte Abstimmung. „Das öffentliche Institut, das den sozialen Wohnbau in Südtirol verwaltet – also jenes, das als erstes informiert sein sollte – wusste nicht einmal, dass diese Fläche existiert“, schreibt die Abgeordnete in einem Facebook-Post.

    Ulli Mair entgegnet jedoch, dass die Umwandlung der Fläche von Gewerbegebiet in Wohnbauzone bereits beantragt wurde und es derzeit an der Gemeinde Meran liege, darüber zu entscheiden: „Sollte die Gemeinde Meran einen Teil der Zone für den sozialen Wohnbau bestimmen, kann das WOBI direkt tätig werden, sollte ein Teil für Wohnen mit Preisbindung bestimmt werden, ergibt sich für das WOBI die Möglichkeit eines Vorkaufsrechts für einen Teil der realisierten Wohnungen.“

  • Vorkaufsrecht des WOBI

    In Gemeinden mit Wohnungsnot kann das WOBI bis zu 30 % neuer Wohnungen per Vorkaufsrecht erstehen und als günstige Mietwohnungen vergeben. 

  • Madeleine Rohrer äußert Bedenken, dass ein Vorkaufsrecht für Wohnungen durch das WOBI in der Praxis umsetzbar ist. In solchen Fällen würde das Institut gemeinsam mit privaten Eigentümern Teil eines großen Kondominiums werden, was aus ihrer Sicht verwaltungstechnisch schwierig sei. Als Beispiel nennt sie die Antonius-Siedlung in Meran, wo eine gemischte Eigentümerstruktur aus öffentlichen und privaten Wohnungen dazu führe, dass das WOBI nicht autonom über Sanierungen und Erweiterungen entscheiden könne, solange es keine Einigung mit den Privaten gibt. Modelle, die sich bis dato als kompliziert erwiesen haben.

  • Kritik der Meraner Stadtregierung

    Katharina Zeller: „Ratschläge von außen sind schnell gegeben.“ Foto: Presseamt Gemeinde Meran

    Merans Bürgermeisterin Katharina Zeller weist Rohrers Darstellungen zurück. „Der Gemeindeausschuss befasst sich derzeit intensiv mit dieser Problematik“, heißt es von ihr.

    Bereits im Oktober habe es ein Treffen mit dem WOBI gegeben. Dabei habe die Stadt verbindliche Zusagen zu Umsetzungszeiten sowie Mietwohnungen für den Mittelstand, im Sinne des sogenannten bezahlbaren Mietzins, eingefordert. „In beiden Punkten konnte uns das WOBI leider keine klaren Zusicherungen geben“, so Zeller. Die Stadtregierung könne es nicht riskieren, Grundstücke für leistbare Mietwohnungen abzugeben, ohne die Sicherheit zu haben, dass die Projekte zeitnah umgesetzt werden. Eine weitere sensible Frage betreffe die Baudichte. Zeller schildert: „Wir müssen abwägen, welche Dichte notwendig und vertretbar ist, um einerseits leistbare Quadratmeterpreise zu ermöglichen und andererseits eine qualitativ hochwertige Stadtentwicklung zu gewährleisten.“

    Seit Dezember stehe die Gemeinde mit Alperia in Bezug auf das Edyna-Areal im Austausch. Ziel sei es, das Grundstück dem leistbaren Wohnen zu widmen und die Rahmenbedingungen gemeinsam festzulegen, bevor das Areal versteigert werde. Der Fokus liege dabei vor allem auf Mietwohnungen. Mietwohnungen zum Landesmietzins und eventuell auch zum sozialen Mietzins könnten zudem auf dem gemeindeeigenen Areal in der Erste-Mai-Straße entstehen, erklärt die Bürgermeisterin. 

     

    „Das Areal eignet sich für ein Pilotprojekt des leistbaren Wohnens, das Wohnungen für den Mittelstand, Sozialwohnungen, Wohnraum für Alperia-Mitarbeitende und Gemeindewohnungsbau vereint.“

     

    Offen ist laut Zeller allerdings noch, wer künftig Verwaltung, Instandhaltung und Zuweisung solcher Wohnungen übernehmen soll. Dafür prüfe die Gemeinde derzeit neue Modelle, etwa eine Stiftung oder Genossenschaft. „Gleichzeitig arbeiten wir daran, innerhalb der Gemeindeverwaltung ein Kompetenzzentrum für das Thema Wohnen einzurichten“, so Zeller. 

    Fragen, die laut Bürgermeisterin Zeller zurzeit in den zuständigen Gemeindegremien behandelt werden lauten: „Wie soll sich unsere Stadt weiterentwickeln? Wie viel Verdichtung verträgt eine Stadt wie Meran, in der noch mehrere Entwicklungsflächen zur Verfügung stehen?“ Um auf diese Fragen Antworten zu finden, würden derzeit aber noch die nötigen belastbaren Daten fehlen.

    Zeller führt aus: „Ratschläge von außen sind schnell gegeben. Deutlich schwieriger ist es, realistische Lösungen zu erarbeiten und sie bis zum Ende durchzudenken – mit dem Ziel, das Angebot an leistbarem Wohnraum möglichst rasch auszuweiten und gleichzeitig qualitätsvolle neue Wohnorte und Quartiere zu entwickeln.“

    Rohrer plädiert indes dafür, dass WOBI, Alperia und Gemeinde gemeinsam an einem Tisch eine Lösung erarbeiten. „Das Areal eignet sich für ein Pilotprojekt des leistbaren Wohnens, das Wohnungen für den Mittelstand, Sozialwohnungen, Wohnraum für Alperia-Mitarbeitende und Gemeindewohnungsbau vereint“.