„Finanzieren die mit Ferrari in Garage“
-
Landeshauptmann und Finanzlandesrat Arno Kompatscher nimmt im Fall der Seniorenwohnheime kein Blatt vor den Mund: „Wir haben in Europa die einzigartige Situation, dass die öffentliche Hand für rund zwei Drittel der Heimkosten aufkommt. Nur ein Drittel müssen Heimbewohner und Angehörige bezahlen“, sagt Kompatscher.
Tony Tschenett, Vorsitzender des Autonomen Südtiroler Gewerkschaftsbundes (ASGB), und Martina Ladurner, Präsidentin der Seniorenwohnheime, kritisierten in den letzten Tagen öffentlich die Mehrbelastung für Familien. Der Grundtarif für einen Heimplatz mit Einzelzimmer beträgt durchschnittlich 66,63 Euro pro Tag, die tatsächlichen Kosten belaufen sich allerdings auf rund 190 Euro.
„Eine Reihe von Pflegeheimen scheut sich vor der Kostenwahrheit in der eigenen Struktur und will den Grundtarif nicht anheben.“
„Eine Reihe von Pflegeheimen scheut sich vor der Kostenwahrheit in der eigenen Struktur und will den Grundtarif nicht anheben. So finanzieren wir aber auch den Heimplatz für jene, die einen Ferrari in der Garage stehen haben“, sagt Kompatscher. Deshalb sei die Position der Landesregierung klar, wie Soziallandesrätin Rosmarie Pamer auf Nachfrage bestätigt: Für die erhöhten Personalkosten durch den letztes Jahr erfolgten Inflationsausgleich trägt das Land 90 Prozent bei, die übrigen zehn Prozent sollen über den Grundtarif abgedeckt werden.
Besonders glücklich scheint der Landeshauptmann aber auch nicht mit dieser Lösung und das aus einem einfachen Grund: „So ist die Hauspflege mit einer sogenannten Badante in Südtirol teurer geworden als der Grundtarif für Heime. Dabei würden die meisten Menschen im hohen Alter lieber so lange wie möglich zuhause leben wollen. Es ist auch wissenschaftlich bestätigt, dass sie im Heim mit einer 24-Stunden-Betreuung ihre Fähigkeiten schneller abbauen und somit langsam ihre Autonomie verlieren“, sagt Kompatscher. Doch daran wird sich wohl so schnell nichts ändern.
-
Hubert Messner verteidigt neue Rechtslage
Auch die geänderte Rechtslage in der dualen Ausbildung für Pflegehilfe verteidigt die Landesregierung. Wie alle Berufsbilder des Gesundheits- und Sozialbereichs wird dieses Berufsbild auf staatlicher Ebene geregelt. „Das Land Südtirol hat hier keine direkte Zuständigkeit“, erklärt Gesundheitslandesrat Hubert Messner. Die neue Rechtslage hat die Staat-Regionen-Konferenz bereits am 3. Oktober 2024 beschlossen, die von Südtirol mit Beschluss Nr. 15 Anfang Jänner übernommen wurde.
Der Beschluss schließt die Regelung mit ein, dass von den 450 Praktikumsstunden nur mehr bis zu maximal 30 Prozent in derselben Einrichtung absolviert werden können. Für die Seniorenwohnheime ist diese Vorgabe nur schwer nachvollziehbar, da die Auszubildenden so weniger Arbeitsstunden im Heim vor Ort verrichten können, nämlich nur 135 Stunden. Messner hingegen verweist auf die steigende Komplexität im Sanitätswesen: Deshalb sei es wichtig, dass auch angehende Pflegehelferinnen und Pflegehelfer verschiedene Einrichtungen kennenlernten.
-
Weitere Artikel zum Thema
Wirtschaft | AlterSüdtirols Seniorenheime in Bedrängnis
Politik | Pflegeeinstufung“Menschen sterben vor ihrer Einstufung”
Gesellschaft | Erfahrungsberichte„Wir machen nicht nur Hintern sauber“
Stimme zu, um die Kommentare zu lesen - oder auch selbst zu kommentieren. Du kannst Deine Zustimmung jederzeit wieder zurücknehmen.