Ausflug | Wandertipp

Frühlingserwachen im Trentino

Die Forra di Calavino im Valle dei Laghi begeistert mit wilden Schluchten, Wasserfällen und einer beeindruckenden Blütenpracht.
Calavino
Foto: Oswald Stimpfl
  • Die Südtiroler haben das Frühlingstal, einen klassischen und einfachen Frühlingsspazierweg, bekannt wegen der Blütenpacht von tausenden von Schneeglöckchen. Im Trentino hingegen gibt es die „Forra di Calavino“, gegen diesen spektakulären Spazierweg sieht das Frühlingstal blass aus, da wollen wir heute hin! Dieser Ausflug ist eine interessante natur- und volkskundliche Route im Gebiet des Valle dei Laghi, dem Tal der Seen, etwa auf halbem Weg zwischen Trient und Riva am Gardasee.

  • Infos in Kürze

    Ein Highlight unter den Frühlingsspazierwegen, für Blumenliebhaber eine Wanderung der Spitzenklasse! Kurz, aber sehr lohnend.

    Startpunkt: Der Ausgangspunkt befindet sich in der Nähe des Sees Santa Massenza, hinter der Pizzeria Il Giardino delle Spezie.

    Parken: An der Staatsstraße SS45bis, von Trient kommend an der linken Straßenseite, liegt die Pizzeria „Il Giardino delle Spezie“. Hinter der Pizzeria, an der alten Stadtstraße (Via Nazionale) gebührenfreien Parkplätze. Vorsicht! Parken Sie nicht innerhalb der Pizzeria, denn außerhalb der Öffnungszeiten wird das Tor zum Parkplatz geschlossen und Sie könnten mit Ihrem PKW darin eingeschlossen sein.

    Charakteristik: Mittel, kurze Steilstücke, Treppen

    Gehzeit: 1:30 h

    Höhenleistung: 163 Höhenmeter

    Länge: 4,8 km

    Beste Zeit: Im zeitigen Frühling 

    Öffis: Etwas umständlich, es gibt ein Buslinie B204 - Riva del Garda - Vigo Cavedine - Trento. Betreiber Trentino Trasporti, www.trentinotrasporti.it

  • Dieser Weg erzählt die Geschichte des Dorfes Calavino anhand seiner untrennbaren Verbindung mit der „Roggia“, einem Wasserlauf, der aus dem Cavedine-Tal und dem Gebiet von Lasino ins Dorf Calavino am Westabhang des Monte Bondone kommt und ab dem Dorf den Charakter eines kleinen, ungestümen Wildbachs annimmt. 

    Dieser Wasserreichtum begünstigte in alten Zeiten die Ansiedlung von Dutzenden von Schmieden, Sägewerken, Stampfen, Mühlen und in neuerer Zeit von E-Werken, deren Spuren noch heute sichtbar sind. Der Bach hat sich tief in den weichen Kalkfels gegraben und eindrucksvolle Schluchten, Wasserfälle und Becken geformt. Ein abwechslungsreicher Wanderweg begleitet das Bächlein, ebene Stellen wechseln mit kurzen Steilstücken und Stufen ab. 

    Die Bäume tragen jetzt im Frühjahr noch kein Laub, die Sonne dringt bis zum Waldboden durch, wo sich ganze Teppiche von gelben Primeln, hellblauen Leberblümchen und dunklen, duftenden Veilchen abwechseln. In der Umgebung des Bachgrabens breiten sich sorgfältig bepflanzte Weinberge von Nosiola aus, einer Rebsorte, die für dieses Gebiet charakteristisch ist und aus der der Vino Santo, ein kostbarer Passito, eine Trockenbeerenauslese, gewonnen wird. 

    Der Wanderweg durch die Weinberge ist als Giro Nosiola di Calavino ausgeschildert, die Kombination von diesem Themenweg und dem Lehrpfad „Calavino e la sua roggia“ (Calavino und sein Bewässerungskanal) den Bach entlang haben wir zu einem einfachen Rundweg kombiniert, und das Beste kommt noch: Das Restaurant Cipriano in Calavino, wo trefflich gespeist werden kann.

  • Zum Wegverlauf

    Der Ausgangspunkt befindet sich in der Nähe des Sees Santa Massenza, hinter der Pizzeria Il Giardino delle Spezie. Der Weg beginnt direkt hinter der Pizzeria, daran anschließend liegen die Becken einer Forellenzucht, die das klare Bachwasser nutzt. Kurz nach der Forellenzucht finden wir eine Info-Tafel mit einer Landkarte. Bei der Weggabelung bleiben wir nicht am Bachweg – auf diesem kommen wir zurück – sondern halten uns rechts, wir folgen den Schildern mit Weg Nr. 6 Giro Nosiola di Calavino, Calavino. 

    Auf dem kaum befahren asphaltierten Güterweg geht es gemächlich bergauf, der Asphalt wechselt mit einem Feldweg ab und wir gelangen zur einsam auf einem Hügel gelegenen Kirche San Mauro mit einem Brunnen. Von dort haben wir einen schönen Blick zum Dorf Calavino, auf den Monte Boden, die Burg Madruzzo die etwas erhöht das Dorf bewacht und das weite Tal von Lasino gegen Südosten. Noch 10 Minuten Gehzeit, und wir sind in Calavino mit seinen schönen alten, verschachtelten Häusern angelangt. Das Restaurant Cipriani liegt an der Hauptstraße, die durchs Dorf führt. 

    Nach der Einkehr sollten wir es nicht versäumen, zum Dorfplatz mit der schönen Kirche zugehen, es lohnt sich! Für den Rückweg gehen wir kurz zurück, zum Dorf hinaus, bei einem Brunnen biegen wir rechts ab erkunden jetzt den schönsten Teil der Wanderung, eben die Forra dei Canevai, wie die Schlucht auch genannt wird. 

    Der Weg ist gut ausgebaut und besonders im mittleren und unteren Teil gepflegt und mit Geländern gesichert, neben dem Weg gurgelt, plätschert, spritzt und rauscht das Wasser, schießt über kleine Wasserfälle und füllt klare Becken, in denen Fische herumflitzen. Die Wegränder sind mit einer unglaublichen Fülle von Blumen übersät. Leider ist nach einer halben Stunde der Zauber zu Ende und wir sind wieder bei der Forellenzucht gelandet.

  • Palazzo Travaglia De Negri di San Pietro

    An der nördlichen Dorfeinfahrt von Calavino fällt der massige Palazzo Travaglia De Negri di San Pietro auf, er wurde im 16. Jahrhundert von der Familie Madruzzo erbaut und dominiert mit seiner imposanten Größe die Ortschaft Calavino. Nach den Madruzzo gehörte er den Travaglia und dann den Negri di San Pietro, einer sehr alten Trentiner Adelsfamilie. Er ist in Privatbesitz nicht öffentlich zugänglich.

  • Castel Madruzzo

    Das Castel Madruzzo, namengebend für die Verwaltungsgemeinde Madruzzo, der auch Calavino angehört, thront auf einem Felsvorsprung oberhalb des Valle dei Laghi und war über Jahrhunderte der Stammsitz der mächtigen Familie Madruzzo, die während des Konzils von Trient und im darauffolgenden Jahrhundert das Fürstbistum Trient dominierte. 

    Nach dem Aussterben der Madruzzo im 17. Jahrhundert verfiel die Burg teilweise, bevor sie im 19. Jahrhundert von verschiedenen Besitzern ausgebaut und restauriert wurde. Kürzlich wurde das Schloss für ca. 4,5 Millionen Euro an eine private Investorengruppe verkauft, die dort ein Luxushotel plant und im umliegenden Park einen botanischen Garten anlegen möchte.

    Es lohnt, den Dorfkern und die Dorfkirche von Calavino zu besichtigen. Die Kirche wurde von den Herren von Madruzzo reich ausgestattet. 

  • Einkehrtipp

    Da Cipriano

    Traditionsreiches Trentiner Restaurant, ganz der lokalen Küche verpflichtet, mit allen typischen Trentiner Gerichten, darunter Carne salada -gepökeltes Rindfleisch- und Forellen aus den nahen Zuchtbetrieben. Via Graziadei 3, 38076 Calavino, Tel. 0461 564720. Mo - Sa nur am Abend geöffnet, So auch über Mittag. Vorbestellung angeraten. Di Ruhetag.