Books | Buchvorstellung

Gartenzwerge und Senioren

„Nel Gnome del Padre“ von Matteo Jamunno - alias YOMER - wurde gestern Abend in der „Nuova Libreria Cappelli“ vom Autor gemeinsam mit Greta Marcolongo vorgestellt. Von (verschwundenen) Gartenzwergen und griesgrämigen Senioren.
Nel Gnome del Padre, Matteo Jamuno
Foto: SALTO
  • Gleich zu Beginn, als er vor vollbesetzten Stühlen Platz nahm, legte Jamunno seine Brille ab. „Se no sembro troppo intelettuale.“ Ein alter Trick, Erwartungshaltungen zu senken, um diese dann zu übertreffen. Sein Buch, Gewinnerwerk der 4. Ausgabe von Zoom-Ed, der Erstlingsreihe von Raetia und SAAV, hat dabei durchaus seine Hintergründigkeiten, um die es am Abend mehr als das ging, was sich quasi auf den ersten Blick zwischen den beiden Buchdeckeln findet. Das zwischen den Zeilen und das um die Zeilen herum Unausgesprochene macht ohnehin mehr Lust aufs Lesen als ein trockener Vortrag vor Publikum. Am Ende des Abends hatten alle 50 Exemplare von „Nel Gnome del Padre“, die in der Buchhandlung lagernd waren, eine neue Besitzerin oder einen neuen Besitzer.

    Die junge Greta und der verwitwete Luis sind die beiden Haupt-Protagonisten eines Romans, der vieles anders macht und - so viel wurde von der, mit ihrem Drang zu Spoilern hadernden Marcolongo vorweggenommen - gegen Ende des Romans von der fantastischen Oasi del tempo auf eine Metaebene weiterzieht. Was für eine Ebene das ist und was dort passiert wollen wir dem Leser nicht vorwegnehmen.

    Die Oasi del tempo, Handlungsort der Geschichte ist ein Ort, an dem alte Menschen „geparkt“ (Jamunnos Ausdruck) und unter sich gelassen werden. Veränderungen sind dort nicht gern gesehen, es sei denn das wöchentliche Bingo Turnier wird von Freitagabend auf Samstagvormittag verlegt, damit die Teilnehmer nicht länger vor Spannung einschlafen. Ob dieser Ort für den palermitanisch-boznerisch-wienerischen Autor mit Bozen zu tun hat? Ein klares ja, allein schon, weil er den Schreibprozess während seiner Arbeit im Museion, 2011, lanciert hat. Dieses sei „wunderschön, nur leider besucht es keiner“, meinte Jamunno und stellte gleich klar, dass sich die Situation dort gebessert hat. Während er also auf Besucher wartete, schrieb er an einem PC des Museions erste Kapitel. Das Projekt hatte dann ein paar Jahre auf Eis gelegen, wenngleich Jamunno auch von einem durch die Figuren geleiteten Schreibprozess. Die Figuren, ausnahmslos exzentrisch und nicht immer treibende Kraft der Handlung - „Figuren, die es nicht braucht“, wie es Jamunno formuliert - „besuchten“ den Autor immer wieder.

  • Nel Gnome del Padre: Mit Rückstau auf die Treppe hätten kaum mehr Besucher ins Obergeschoss des Buchladens gepasst. Foto: SALTO

    Mit der Ausschreibung des 4. Zoom-Ed Wettbewerbs, wurde Jamunno dann wieder aktiv. Er dankte dabei auch allen Wienerinnen und Wienern. Hätte er das Buch in Bozen geschrieben, so wäre er zu nichts gekommen, wogegen es in Wien allen egal ist, was wer anderes macht. Der griesgrämige Luis, der niemandem Kummer bereiten möchte, aber bei allen Mitleid weckt, trifft also auf die rastlose Greta, die einen besonders wichtigen Gartenzwerg - einen 83 - von seinem Standort entfernt. Die Unruhestifterin - „fast wie eine gewisse kulturelle Unruhestifterin in Bozen“, so schmeichelt Jamunno der Moderatorin - ist dabei die Triebkraft, welche einen Aufarbeitungs-Prozess und eine Konfrontation mit der eigenen Trauer bei Luis in Gang setzt.

  • Der „junge“ (Zitat) 39-Jährige liebt es dabei in Figuren zu schlüpfen, die anders sind als er, wenngleich auch existenzieller Schmerz und Universelles, mehr als persönlich Autobiographisches, ins Buch eingeflossen sind. 

    Auch für Matteo Jamunno war die Arbeit am Buch eine Art Therapie und es dürfte auch die Beziehung zur, Anfang des Jahres verstorbenen Nonna des Autors - zuletzt hatte er diese Beziehung auch im Poesie-Konzert „Favole della buia Notte“, sowie in der Abschlussfolge seines Podcasts „I diari dell’orso“ thematisiert. Jamunno findet in der Bücherei treffende Worte: „Nel momento in cui lei è morta, io ho smesso di ricordarla malata. Tutti i miei ricordi degli ultimi sette anni di malattia sono stati cancellati. Questo è stato il dono della morte, quello di liberarmi da questo ricordo di malattia e questa ossessione della malattia.“ In etwa so darf auch die Oasi del Tempo als ein Ort unveränderlicher, vielleicht konstruierter, aber jedenfalls tröstlicher Erinnerung verstanden werden.

    Uns hat die Präsentation, auch wenn wenig aus dem Buch selbst gelesen wurde, Lust auf die Lektüre gemacht. Eine Rezension folgt, ebenso wie die nächste Buchvorstellung, gemeinsam mit Mirijam Obwexer und Waltraud Holzner, morgen, 18. Oktober um 18 Uhr bei Kunst Meran.

  • Per info & suggerimenti / Für weitere Fragen & Anregungen: [email protected] 

    Con il supporto di / Mit der Unterstützung von Alte Mühle Meran/o.

  • Foto: Alte Mühle