Wirtschaft | Gadertal

Wengen: Hotel mit 20 Betten geplant

Grüne Co-Chefin Elide Mussner fordert, Weiler als Wohnraum für Familien zu erhalten, anstatt dort Hotels zu bauen. Bürgermeister Felix Nagler verteidigt das Bauprojekt.
Dlijia Vedla, Wengen
Foto: Archiv Piccolruaz
  • Im Südtiroler Landtag sorgt eine 2020 genehmigte Tourismuszone in der Gadertaler Gemeinde Wengen für heiße Luft: Das Team K und die Grünen befürchten, dass vor der Bettenstopp-Frist im September 2026 noch schnell ein Chaletdorf auf der grünen Wiese genehmigt wird. Die Grüne Co-Vorsitzende und Gemeinderätin von Abtei, Elide Mussner, ist vor allem wegen der historisch gewachsenen Weiler des Gadertals besorgt.

  • Felix Nagler: „Wir wollen auch in Zukunft keine Tourismushochburg werden, aber eine positive Entwicklung muss zugelassen werden.“ Foto: Gemeinde Wengen
  • Der Bürgermeister von Wengen, Felix Nagler (SVP), bestätigt Baupläne des Inhabers – allerdings in weit weniger großem Ausmaß als befürchtet. „In der bereits 2020 genehmigten Tourismuszone von 0,138 Hektar soll ein Hotelbetrieb mit 20 Betten entstehen. Wir hoffen, dass das Bauprojekt noch vor der Verfallsfrist für Tourismuszonen genehmigt wird“, erklärt Nagler. Derzeit befindet sich der Durchführungsplan für die noch unbebaute Fläche in der Genehmigungsphase. Dabei soll auch das besondere Landschaftsbild mit der Kirche des alten Dorfes 150 Meter entfernt berücksichtigt werden. 

  • Foto: ASTAT / SALTO / Alin Sellemond

    Wengen ist eine der fünf Gadertaler Gemeinden. Im Vergleich zu Corvara mit mehr als 8.000 Gästebetten oder Abtei mit 9.500 haben die 60 gastgewerblichen Betriebe in Wengen gerade einmal 884 Betten gemeldet. Das schlägt sich auch in den registrierten Ankünften und Nächtigungszahlen nieder. 

    „Ich würde unsere Gemeinde auf jeden Fall als strukturschwach bezeichnen. Wir haben traditionell einen starken Handwerks- und Landwirtschaftssektor, bei uns gibt es aber keine Aufstiegsanlagen und die Beherbergungskapazität ist nie so stark gewachsen wie zum Beispiel in Corvara mit ähnlicher Bevölkerungsgröße. Wir wollen auch in Zukunft keine Tourismushochburg werden, aber eine positive Entwicklung muss zugelassen werden“, so Nagler. 

  • Die Zukunft der Weiler in Gefahr?

    Die Gemeinderätin von Abtei, Elide Mussner, kann das nachvollziehen, aber dann müsse das Baurecht in Weilern im Umkehrschluss auch für Wohnraum der ansässigen Bevölkerung gelten. „Wir haben diesen Punkt bereits im Gemeinderat diskutiert, da sich Weiler außerhalb des Ortskerns befinden. Wenn sie aus den Siedlungsgrenzen fallen, können dort Familien nicht mehr bauen, die dort seit Generationen leben“, so Mussner. 

    Das könnte zur Folge haben, dass noch mehr alte Höfe von wohlhabenden, ausländischen Investoren gekauft anstatt von einheimischen jungen Menschen weitergeführt werden. Diesen Trend beobachtet auch die Gadertaler Architektin Sigrid Piccolruaz im Gespräch mit SALTO.

  • Elide Mussner: „Wenn jetzt in einem Weiler ein neues Hotel gebaut werden darf, können das die Menschen hier im Tal nicht nachvollziehen.“ Foto: SALTO/Andy Odierno
  • „Das Gadertal hat diese typischen Weiler, Viles wie man sie nennt. Beim Festlegen der Siedlungsgrenzen sollten wir darauf achten, dieses Kulturgut zu erhalten“, erklärt Mussner. Laut dem Raumordnungsgesetz müssen alle Südtiroler Gemeinden in ihrem Gemeindeentwicklungsprogramm die Siedlungsgrenzen festlegen. 

    „Wenn jetzt in einem Weiler ein neues Hotel gebaut werden darf, können das die Menschen hier im Tal nicht nachvollziehen“, sagt Mussner. Die Grüne Co-Vorsitzende fordert deshalb eine differenzierte Herangehensweise beim Baurecht in Weilern. Wie das schlussendlich in Zukunft geregelt werden soll, müssen nun Ausschuss und Gemeinderat von Abtei und Wengen entscheiden.