„Jede fünfte Familie armutsgefährdet“
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Vom Schüler bis zur Renterin – mittlerweile dürfte Südtirols Rekordhaushalt allen ein Begriff sein, um den uns auch unsere Nachbarn beneiden. Gleichzeitig wächst der Druck auf viele Menschen, wie kann das sein? Wohnen wird immer teurer, Löhne halten mit den Lebenshaltungskosten immer öfter nicht Schritt und wir sehen uns mit wachsenden Armutsrisiken konfrontiert.
Dabei trifft die Armut unsere Gesellschaft an ihren verletzlichsten Stellen: Betroffen sind meist Familien, unsere Jungen sowie unsere Alten und Symptome zeigen sich vermehrt im Bildungs- und Pflegesektor. Ist das noch sozial gerecht im reichen Land Südtirol oder sehen wir hier ein bröckelndes System?
Im Podcast diskutieren Soziallandesrätin Rosmarie Pamer, Caritas-Direktorin Beatrix Mairhofer und Landessekretärin des Allgemeinen Gewerkschaftsbunds CGIL Angelika Hofer darüber, wo das System trägt und wo es brüchig wird.
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Auf die Frage hin, ob Südtirol ein Problem in Bezug auf soziale Gerechtigkeit hat, warnt Soziallandesrätin Rosmarie Pamer vor pauschalen Urteilen, erkennt aber Handlungsbedarf. Sozialpolitik müsse alle Lebensbereiche zusammendenken — von Wohnen über Arbeit bis Pflege und Familie. Beim Thema Altersarmut von Frauen sieht sie strukturelle Schwächen im beitragsbezogenen Rentensystem Italiens.
„Wir können uns nicht erwarten, dass die Öffentlichkeit schon alles machen wird. Wir brauchen hier wirklich die gesamte Gesellschaft, die mithilft.“
Pamer spricht über konkrete politische Maßnahmen, wie Unterstützungsleistungen für Seniorinnen und Senioren, von der Reform der finanziellen Sozialhilfe sowie vom Ausbau von Pflege- und Betreuungsangeboten. Dennoch sei soziale Gerechtigkeit ein Gesamtgesellschaftliches Projekt.
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Für Gewerkschafterin Angelika Hofer zeigt sich die soziale Frage immer stärker in der Arbeitswelt. Armut trotz Arbeit sei längst Realität, weil Einkommen vielfach nicht mehr ausreichen, um steigende Wohn- und Lebenshaltungskosten abzufedern.
„Tarifverträge halten einfach nicht mehr mit, mit den Preissteigerungen, die wir haben.“
Sorgen bereiten ihr zudem prekäre Beschäftigung, unfreiwillige Teilzeit und die wachsende Gefahr von Altersarmut – vor allem bei Frauen. Hofer macht sich für bessere Kollektivverträge, höhere Löhne, verlässlichere Arbeitsbedingungen und mehr Investitionen in Betreuung und Pflege.
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Caritas-Direktorin Beatrix Mairhofer beschreibt eine soziale Realität, in der immer mehr Familien unter Druck geraten. Jede fünfte Familie in Südtirol sei armutsgefährdet, viele könnten trotz Arbeit nicht mehr am gesellschaftlichen Leben teilhaben.
„Es gibt viele Familien, die versuchen, mit einem Bruttoeinkommen von 10.000 Euro jährlich über die Runden zu kommen.“
Besonders betroffen seien Alleinerziehende, ältere Menschen, kinderreiche Familien und Menschen in prekären Arbeitsverhältnissen. Mairhofer plädiert deshalb für mehr Prävention, aufsuchende Sozialarbeit und einen stärkeren Blick auf jene, die von bestehenden Hilfen oft gar nicht erreicht werden.
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Südtirol steht vor der Frage, wie viel soziale Ungleichheit es sich leisten kann. Wie immer sind die Folgekosten noch höher, als die strukturelle Problembekämpfung. Die Antworten darauf werden nicht nur politisch, sondern auch gesellschaftlich entschieden. Wo gilt es also anzusetzen, um gesellschaftlich soziale Gerechtigkeit gestalten zu können?
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Es diskutieren in der Streitergasse:
- Angelika Hofer: Landessekretärin des Allgemeinen Gewerkschaftsbunds AGB/CGIL
- Beatrix Mairhofer: Direktorin Caritas Diozöse Bozen-Brixen (erste Frau in diesem Amt)
- Rosmarie Pamer: Landeshauptmannstellvertreterin und Landesrätin für Sozialen Zusammenhalt, Familien, Senioren, Genossenschaften und Ehrenamt.
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