Die Lehren der Pandemie
-
Mit den ersten Anhörungen hat der Corona-Untersuchungsausschuss des Südtiroler Landtags heute seine Arbeit aufgenommen. Der Auftakt habe dabei bewusst nicht im Zeichen der Anklage, sondern der Orientierung gestanden, erklärt Brigitte Foppa im Gespräch mit SALTO. Die Vorsitzende des Ausschusses betont: „Wir haben beschlossen, als Lernende anzufangen“. Ziel sei es, das damalige Geschehen im Land zu rekapitulieren und abzustecken, wie andere Ausschüsse und Gremien die Pandemie aufgearbeitet haben, welche Schlüsse sich daraus ziehen und welche Fehler sich hätten vermeiden lassen. So wurden am Vormittag Franz Ploner, der Vorsitzende des Untersuchungsausschusses zu den Corona-Masken sowie die Vorsitzenden der Corona-Untersuchungsausschüsse Thüringen und Niederösterreich angehört.
Am Nachmittag erfolgten dann die Anhörungen von Gesundheitslandesrat Hubert Messner und des damaligen Sanitätsdirektors Joseph Widmann.
Für das nächste Treffen in der letzten Jännerwoche ist unter anderem eine Anhörung von Franziska Hoppermann der Vorsitzenden der Enquete-Kommission des Deutschen Bundestags vorgesehen.
-
Pandemie-Boom und Maskenskandal
Ausschussvorsitzende Brigitte Foppa: „Heute stehen wir vor einer deutlich breiteren Fragestellung als damals mit den Corona-Masken" Foto: SeehauserfotoZum Auftakt wurde jedoch zunächst auf Erfahrungen im eigenen Land zurückgegriffen. Franz Ploner leitete den Untersuchungsausschuss zu den Corona-Schutzmasken, der von Mai 2020 bis Juni 2021 aktiv war, also mitten in der akuten Phase der Pandemie. „Thema war damals die Beschaffung von Schutzmasken, insbesondere einer zweiten Lieferung, die nicht offiziell beauftragt worden war, aber dennoch bezahlt werden musste, sowie der Umgang mit Masken, die den Normen nicht entsprachen und dennoch im Sanitätsbetrieb verwendet wurden“, berichtet Foppa, die selbst im besagten Untersuchungsausschuss mitgearbeitet hat.
Rund 70 Personen seien damals angehört worden. Die Arbeit sei geprägt gewesen von großem Zeitdruck, politischen Spannungen und parallelen Gerichtsverfahren. Zugleich sei das Thema, im Vergleich zum aktuellen Mandat, klar eingegrenzt gewesen. „Heute stehen wir vor einer deutlich breiteren Fragestellung“, so Foppa.
Was sagen die Nachbarn?Auf das Monitoring des damaligen Geschehens in Südtirol folgten die Modelle der Untersuchungsausschüsse Thüringen und Niederösterreich. Die Vergleiche zeigten, so Foppa, dass, trotz unterschiedlicher Aufarbeitung, inhaltlich ein roter Faden hervortritt: „Vergleichbar ist die Diagnose der Spaltung innerhalb der Gesellschaft, entstanden durch unterschiedliche Wahrnehmungen der Maßnahmen als Schutz und Weg zur Freiheit oder als Freiheitsentzug. Entzündet hat sich dies nochmals insbesondere an den Impfungen“.
Auch Fragen der Schulschließungen spielten hier eine zentrale Rolle. In Niederösterreich seien Schulen insgesamt rund 80 Tage geschlossen gewesen, mit spürbaren Folgen für Kinder und Jugendliche. Ebenso hätten die Experten eingeräumt, dass großflächige Teststrategien, wie sie Niederösterreich und Südtirol praktizierten, nicht sinnvoll waren. Sinnvoller wäre es gewesen, Risikogruppen zu testen.
Ein weiterer Schwerpunkt betraf die Rolle der Demokratie während der Pandemie. In mehreren Beiträgen wurde von den externen Expertinnen und Experten thematisiert, dass es sich um eine Phase starker Exekutivmacht gehandelt habe, in der Parlamente und Mitbestimmung aufgrund der Notlage zeitweise geschwächt gewesen seien.
Anhörungen von Messner und WidmannAm Nachmittag verlagerte sich der Fokus stärker auf Selbstkritik, die aus dem Südtiroler System selbst formuliert worden sei. Ein zentrales Thema, das sich durch mehrere Beiträge zog, sei die Kommunikation gewesen. Sowohl Landesrat Hubert Messner als auch Josef Widmann, der ab 2021 Sanitätsdirektor war, betonten, dass nicht alles verständlich und klar kommuniziert worden sei. Kommunikation müsse so gestaltet sein, dass Menschen die Maßnahmen nachvollziehen können und nicht zusätzlich verunsichert werden. Auch die Notwendigkeit besserer Vorbereitung, etwa durch einen aktualisierten Pandemieplan, wurde mehrfach hervorgehoben.
Aus technischer Sicht verwies Elisabetta Pagani auf die Bedeutung funktionierender Datenbanken und belastbarer technischer Infrastruktur. In Krisensituationen müsse das System auch auf dieser Ebene leistungsfähig sein.
Auch das Rundschreiben zur Einstufung von Todesfällen bei infizierten Personen wurde am Nachmittag diskutiert. Die Vorsitzende Foppa erklärt, dass Landesrat Messner klarstellte: Dieses Schreiben habe keinen Einfluss auf die Sterbestatistik. Es gehe nicht darum, Todesursachen statistisch umzudeuten, sondern um organisatorische Abläufe, insbesondere im Hinblick auf Bestattungen und besondere Vorsichtsmaßnahmen. Die Einstufung als „infektiös“ diene rein praktischen Zwecken und habe die Sterbestatistik also nicht beeinflusst.
Weitere Artikel zum Thema
Gesellschaft | Corona-PandemieAufarbeitung wirft noch immer Fragen auf
Gesellschaft | CoronaCorona-U-Ausschuss nimmt Arbeit auf
Gesellschaft | Gastbeitrag„Wir haben Fehler gemacht“
Auch hier nochmals für Frau…
Auch hier nochmals für Frau Foppa als Vorsitzende und die anderen Mitglieder des Untersuchungsausschusses Ausschnitte aus der Enquete-Kommission in Deutschland, zusammengefasst vom Sachverständigen und selbst Mitglied der Kommission Prof. Dr. Stefan Homburg:
https://www.youtube.com/watch?v=lWNxWjEhfOE&t=238s
Zentrale Fragen wurden hier gestellt. Herausragend die Anhörung von Jens Spahn ehem. Gesundheitsminister Deutschlands zum (von WHO und Herstellern ) nie behaupteten Fremdschutz der Corona-Impfung, wobei die Frage auch in Südtirol vom Sanitätsbetrieb zu beantworten wäre, warum diese Tatsache nicht beizeiten öffentlich kommuniziert wurde und somit viele Ausgrenzungen und Grundrechts- und Menschenwürde-verletzenden Maßnahmen begangen oft an den Schwächsten, als obsolet erkannt worden wären.
Stattdessen hat man zu offensichtlich falschen Narrativen geschwiegen , die fatale Verwerfungen in der Gesellschaft zur Folge hatten.
Dazu auch die Frage nach dem Ärzte- Ethos ( primum nil nocere).
Diese Frage würden viele Betroffene und auch andere gern beantwortet wissen.