Gesellschaft | Jugendarbeit

Queere Jugend: Sensibel und stark

Jugendarbeit unterstützt queere junge Menschen
Hinweis: Dies ist ein Partner-Artikel und spiegelt nicht notwendigerweise die Meinung der SALTO-Redaktion wider.
Länderübergreifender Fachtag: Queersensible Jugendarbeit
Foto: netz | Offene Jugendarbeit
  • „Der letzte Punkt, der letzte Schliff, der letzte Strich auf meinen Nägeln mit buntem Lack und es ist getan. Er gefällt mir nicht. Oh nein. Und wie er es tut. Aber ich mache es nicht für mich. Ich mache es für sie, für die, die es nicht selbst tun können. Weil ich weiß, wie es sich anfühlt, wenn der Vater von der Stallarbeit die Stiegen hochkommt und den 'Gestank' der Farben unter seinen Augen riecht, in mein kleines Zimmer kommt und angewidert sagt: 'Wenn i du weret, tet i mi schemen.' Es ist alles gesagt, denn er. Er hat das gesagt. Doch dieses Mal nicht, sagte ich: 'Zumindest was i, wer i bin und brauch net die Bestätigung fa die ondern.'“

    Mit diesen Zeilen beginnt ein Text von Andreas Kofler, den er mit „Was ich bin“ betitelt hat. Der 20-jährige queere junge Mann aus Deutschnofen hat damit den zweiten Platz beim diesjährigen Südtiroler Jugendredewettbewerb in der Kategorie „Klassische Rede Oberschule“ belegt. "Queer" ist ein politischer Sammelbegriff für Personen, die aufgrund ihrer geschlechtlichen Identität und/oder sexuellen Orientierung nicht der akzeptierten gesellschaftlichen Norm entsprechen. Da die Lebensrealitäten von queeren Menschen in unserer Gesellschaft häufig unsichtbar sind und sie nach wie vor diskriminiert werden, bedarf es in der Jugendarbeit einer besonderen Sensibilität für solche Erfahrungen.

  • Der Fachtag, der im Rahmen des Pride Monats Juni stattfand, wurde von Andreas Kofler, dem Gewinner des diesjährigen Südtiroler Jugendredewettbewerbs, eröffnet. In einer bewegenden Rede teilte er seine persönlichen Erfahrungen und betonte die Bedeutung von Akzeptanz und Unterstützung queerer Jugendlicher. Foto: netz | Offene Jugendarbeit
  • „Doch brauchen die anderen die Bestätigung von mir, immer dann, wenn Leute die anderen aus der Reihe fragen, ob ich, ihr wisst schon, was ich meine, bin. Sie schütteln den Kopf, eher unsicher als überzeugend und mit lauter stechenden Fragezeichen in ihren Augen. Muss ich etwa in die zusammengesackte und von morgen mit Leichen besetzte, altbekannte Kirche zum Beichten? Für das, was ich bin?“

    Andreas Kofler beeindruckte mit seinem Text nicht nur die Jury des Redewettbewerbs, sondern auch die mehr als 70 Teilnehmenden am länderübergreifenden Fachtag "Queersensible Jugendarbeit" in der Festung Franzensfeste in Südtirol. Die Dachverbände POJAT – Dachverband Offene Jugendarbeit Tirol und netz | Offene Jugendarbeit, Dachverband für Offene Jugendarbeit Südtirol haben zu Beginn des Pride-Monats Juni Fachkräfte der Offenen Jugendarbeit kurz OJA, Sexualpädagog*innen, Jugendcoaches und Schulsozialpädagog*innen aus Tirol und Südtirol dazu eingeladen. Drei Referent*innen – Anton Cornelia Wittmann, Michael Peintner und Conny Felice – beschäftigten sich mit geschlechtlicher, sexueller, und amouröser Vielfalt, mit den Herausforderungen, denen junge queere Menschen begegnen und damit, wie die Jugendarbeit sie unterstützen kann.

  • Vielfalt und Selbstakzeptanz

    Anton Cornelia Wittmann, früher in der Baubranche als Frau gelesene Person beschäftigt, ist inzwischen in der queeren Bildungsarbeit an der HOSI Salzburg tätig. HOSI Salzburg ist eine Menschenrechtsorganisation und ein Kompetenzzentrum für sexuelle, geschlechtliche und romantische Vielfalt in Stadt und Land Salzburg sowie dem angrenzenden Bayern und Oberösterreich: „Als Teil der queeren Community engagieren wir uns für Respekt gegenüber und Akzeptanz von vielfältigen Lebensweisen“, sagte Wittmann. Die Organisation fördert die gesellschaftliche Sichtbarkeit von Lesben, Schwulen, Bisexuellen, trans*, inter*, queeren, asexuellen und nicht-binären Menschen und setzt sich für den rechtlichen Schutz und die Grundrechte aller Menschen ein, unabhängig von Geschlecht, sexueller und/oder romantischer Orientierung, Geschlechtsidentität oder Geschlechtsmerkmalen. Anton Cornelia Wittmann beleuchtete die Probleme, die Heteronormativität für queere Menschen mit sich bringt. In unserer Gesellschaft gebe es tief verankerte Normen, wie ein Mensch zu sein habe: nämlich sich als Mann oder Frau zu identifizieren und heterosexuell zu lieben. Diese Normen zu hinterfragen und zu durchbrechen, sei ein notwendiger Schritt hin zu einer vielfältigeren und inklusiveren Gesellschaft. Wittman erzählt: „Ich habe mich bereits als Kind sehr burschikos gekleidet und während der Schulzeit sowohl zu den Mädchen als auch zu den Burschen zugehörig gefühlt. Ich habe mich zwischenzeitlich damit abgefunden, dass ich als Mädchen gesehen werde, mich aber nicht so fühle. Erst mit Anfang 30 ist es mir richtig bewusst geworden, dass ich trans bin und dazu auch stehen will. Die Jahre davor waren durch Ängste, Überforderung, schwere Depressionen und Suizidgedanken geprägt. Gefühle, mit denen ein großer Teil der trans*Menschen konfrontiert ist.“ Wittmann betonte in der Franzensfeste die Notwendigkeit, Vielfalt von der persönlichen Ebene her zu denken und unterstrich, dass es nicht nur um Sexualität und Geschlecht gehe, sondern genauso um den sozialen Hintergrund, um Religion und mögliche Beeinträchtigungen. "Es geht darum, wie ich mein eigenes Geschlecht erlebe und ob ich meinen Körper akzeptieren kann," erklärte Wittmann und beleuchtete den Coming-Out-Prozess und die damit verbundenen Herausforderungen für junge queere Menschen. Sie hätten ständig mit der Notwendigkeit zu kämpfen, ihre Identität erklären zu müssen. Dieser Prozess könne ein lebenslanger sein, besonders dann, wenn es darum geht, neue Menschen kennenzulernen oder medizinische Unterstützung zu suchen.

  • Anton Cornelia Wittmann von der HOSI Salzburg Foto: netz | Offene Jugendarbeit
  • Andreas Kofler schreibt in seinem Text: „Lasst mich kurz überlegen, ich tu mich nämlich noch etwas schwer und brauch ein bisschen länger, um mit meinen mit Glitzer und Bling-Bling beklecksten Regenbogen-Schuhen auf dem Steg zu gehen. Claro! Für euch sollte ich jetzt gleich homosexuell sein (was, wenn wir ehrlich sind, mehr nach einer Diagnose als einer Sexualität klingt), weil Nagellack und ein gewürzter Kleidungsstil nicht zusammenpassen mit einem typischen Bauernsohn-Männer-Schein. Und weil es eben neben “gut” und „normal“, also heterosexuell sein, nichts anderes gibt, bleibt nur noch eines übrig und das ist dann eben schwul. Doch damit bleibt es nicht, meine Lieben. Das wäre doch zu einfach, außerdem aus der Mode und deshalb schon längst uncool. Eine größere Auswahl und damit bessere Chancen auf Glück und ein romantisches Beziehungsleben würden sich ergeben, wenn ich bisexuell wäre. Mir würden nämlich Männer und Frauen gleichermaßen gefallen und eine Affäre nach der anderen haben. Doch da bin ich doch glatt lieber pansexuell, wo Geschlecht und Geschlechtsidentität keinerlei Rollen spielen, weil sich einfach alle lieben.“

  • Die Rolle der Jugendarbeit

    Psychotherapeut Michael Peintner sprach über die besonderen Herausforderungen, denen sich Jugendliche gegenübersehen, die sich in ihrer Geschlechtsidentität unsicher fühlen oder diese gerade entdecken. Er betonte Offenheit als wichtige Haltung in der Jugendarbeit und die Schaffung von Schutzräumen für junge Menschen: "Die Offene Jugendarbeit muss überlegen, wie sie Vielseitigkeit in ihre Programme, Sprache und Tätigkeit integriert." Jugendarbeiter*innen seien oft die ersten, denen sich junge queere Menschen öffnen. „Das ist ein großer Bonus und hängt mit Vertrauen zusammen." Auf die Frage, welche Behandlung sich queere Menschen wünschen, sagte Michael Peintner: „Queere Jugendliche sind keine Aliens.“ Er ermutigte die Jugendarbeiter*innen, die jungen Menschen einfach zu fragen, was sie brauchen, welche Unterstützung sie sich wünschen. Fragen seien zentral, um die Bedürfnisse und Wünsche der Jugendlichen besser zu verstehen und gezielt darauf einzugehen: „Stützt die queeren Jugendlichen in ihrem Sein. Sagt ihnen, dass sie ok sind, wie sie sind und dass sie bleiben sollen, wie sie sind. Gebt ihnen die Sicherheit, dass ihr da seid, wenn sie euch brauchen.“ 

  • Michael Peintner, Psychotherapeut und Mitarbeiter der Beratungsstelle COURAGE sowie Mitglied der österreichischen Trans*- und Inter*-Expert*innenkommission. Foto: netz | Offene Jugendarbeit
  • Resilienz und Unterstützung

    Der Aufbau von Resilienz ist für junge queere Menschen besonders wichtig, da sie oft auf Ablehnung und Diskriminierung stoßen. In ländlichen Gebieten fehlt es häufig an unterstützenden Personen, weshalb viele Jugendliche auf Social Media ausweichen. Doch virtuelle Unterstützung kann den persönlichen und physischen Kontakt nicht ersetzen. Da kann Jugendarbeit eine entscheidende Ressource sein, um queere Jugendliche zu stärken. "Offenheit und Wertschätzung als Haltung ist eine wichtige Grundlage, aber es braucht mehr als das," erklärte der Psychotherapeut weiter. "Menschen, die Ansprechpersonen haben, fühlen sich bei Diskriminierung weniger einsam und sind resilienter."

    Weiter im Text von Andreas Kofler: „Geschlechterrollen gilt es hier nämlich noch zu wahren. Also nichts da, um mit einzigartiger Persönlichkeit oder noch nie dagewesener Individualität im halb-versoffenen Kaff zu erstrahlen und als eiserner Mann provokanten Nagellack zu tragen. Es heißt, am steinernen Boden zu bleiben und nicht abzuheben. Wer also leben will, muss gehen. Und wer bleibt, 'muss' sich anzupassen wissen. Denn hinter der harmonischen Gemeinschaft-Fassade wimmelt und wütet es nur vor lauter Geschwätz und vielversprechender Dorfgespräche, die nicht selten klingen, wie klassische Märchen; das Dorf beleben und den Ratsch-Tanten etwas zum Kritisieren, Plaudern und Staunen geben.“

    Conny Felice ist Geschäftsführerin der HOSI Salzburg und als Mediatorin, Konfliktlöserin und Trainerin tätig. Sie betonte die Bedeutung queerer Haltungen in der Gesellschaft und die Notwendigkeit, aufeinander zuzugehen. Die Geschichte zeige, dass Veränderungen möglich seien, wie beispielsweise die Abschaffung der Todesstrafe für Homosexualität 1787 in Österreich und 1889 in Italien. Italien hat erst im Mai 2016 das Gesetz zur Einführung eingetragener Lebenspartnerschaften für schwule und lesbische Menschen verabschiedet. Ein Adoptionsrecht ist nicht vorgesehen. Italien war auch das letzte westeuropäische EU-Land, in dem homosexuelle Partnerschaften noch keine rechtliche Grundlage hatten. Allerdings stellten homosexuelle Handlungen in Italien seit 1887 keinen Strafbestand mehr dar. Von den ersten Filmen über schwule Menschen in den 1920er-Jahren bis zu den bedeutenden Ereignissen wie dem Stonewall-Aufstand 1969 in New York City und der Entkriminalisierung der Homosexualität 1971 in Österreich, gab es viele Fortschritte in Mitteleuropa. Trotz dieser Erfolge erleben queere Menschen aber weiterhin Diskriminierung, besonders im persönlichen Umfeld.

    Conny Felice hob hervor, dass Medien und Politik zu Angst und Verunsicherung beitragen, wobei Parteien wie AfD und FPÖ aktiv gegen queere Themen arbeiten. Es gebe eine große träge Masse, die noch überzeugt werden müsse, dass unsere rechtlichen Errungenschaften nicht selbstverständlich sind. HOSI Salzburg arbeitet daran, Dialogräume zu schaffen und gesellschaftliche Kooperationen zu fördern. Queere Aktivist*innen leisten durch Veranstaltungen und künstlerische Aktionen einen wichtigen Beitrag für die Gesellschaft. Nur in einer funktionierenden Demokratie sei queeres Leben möglich, und es ist unsere Verantwortung, respektvoll und angstfrei miteinander umzugehen, sagte sie.

    Andreas Kofler schließt seinen Text mit: „Nun möchte ich aber eure Zeit nicht länger vergeuden und mein Secret euch anvertrauen. Wer ich bin, sollt ihr wissen. Ganz einfach: Der Andreas, einfach nur Andreas.“

  • Conny Maxima Felice, Geschäftsführerin der HOSI Salzburg und Mediatorin Foto: netz | Offene Jugendarbeit
  • Der Weg in eine vielfältige Zukunft

    Der Fachtag der Offenen Jugendarbeit Anfang Juni 2024 zeigte, dass es für eine queersensible Jugendarbeit nicht nur um Wissen, sondern vor allem um Haltung und Sensibilität geht. Jugendliche verdienen einen Raum, in dem sie sich sicher und akzeptiert fühlen können, unabhängig von ihrer sexuellen oder romantischen Orientierung, Geschlechtsidentität oder Geschlechtsmerkmalen. 

  • Die Bedeutung eines akzeptierenden Umfelds

    Konrad Pamer, der Direktor des Amtes für Jugendarbeit, unterstrich die Bedeutung eines akzeptierenden Umfelds, das nicht nur in der Jugendarbeit, sondern auch im gesamten gesellschaftlichen Kontext essenziell ist. Er hob hervor, dass es entscheidend sei, sensibel und neugierig zu bleiben, sowie sich kontinuierlich weiterzubilden. „Menschen spüren Sensibilität und eine offene Haltung", betonte Pamer. Er bedankte sich für die wertvolle unabdingbare Arbeit, die die OJA bereits leistet und in Zukunft leisten wird. "Wir müssen unsere Jugend auf ihrem Weg ins Erwachsenenleben begleiten und ihnen die volle Aufmerksamkeit und Unterstützung zukommen lassen. Geschlechtliche, sexuelle und amouröse Vielfalt sind zentrale Themen, die unsere volle Aufmerksamkeit verdienen." Auch die für die inhaltliche Organisation dieses Fachtages zuständige Mitarbeiterin Christiane Kofler von netz | Offene Jugendarbeit betonte die Bedeutung einer queersensiblen Jugendarbeit. Diese sei ein wichtiger Schritt hin zu einer offeneren, inklusiveren und unterstützenden Gesellschaft. Der Dachverband netz führt unter anderem den Schwerpunktbereich Gender & Sexualpädagogik. Dieser Bereich begleitet, vernetzt und unterstützt ehrenamtlich und beruflich Tätige der Jugendeinrichtungen in der Entwicklung und Umsetzung einer geschlechterreflektierten und gendersensiblen Jugendarbeit. Regelmäßig finden Genderfachkreise statt, die den Jugendarbeiter*innen die Möglichkeit zur Vernetzung und Reflexion in Bezug auf gendersensible Jugendarbeit bieten.

    Maria Lobis

  • Die Referent*innen und ihre Organisationen

    • Anton Cornelia Wittmann von HOSI Salzburg ist erfahrene*r Sozialarbeiter*in und Sexualpädagog*in mit langjähriger Erfahrung in der queeren Bildungsarbeit und Peerberatung. 
    • Conny Maxima Felice ist Geschäftsführerin der HOSI Salzburg und als Mediatorin, Konfliktlöserin und Trainerin tätig. HOSI Salzburg ist eine Menschenrechtsorganisation und das Kompetenzzentrum für sexuelle, geschlechtliche und romantische Vielfalt in Stadt und Land Salzburg sowie dem angrenzenden Bayern und Oberösterreich.
    • Michael Peintner aus Innsbruck und Bruneck ist Psychotherapeut und Teil des Teams der COURAGE* Beratungsstelle Innsbruck. Er ist Mitglied der österreichischen Trans*- und Inter*-Expert*innenkommission. COURAGE bietet in Wien, Graz, Salzburg, Linz, Klagenfurt, St. Pölten und Innsbruck kostenlos und anonym Beratung vor allem für Lesben, Schwule, Bisexuelle, TransGender- und Inter*-Personen und ihre Angehörigen an. COURAGE versteht sich als Partner*innen-, Familien- und Sexualberatungsstelle und unterstützt Ratsuchende in den Bereichen Beziehungen und Sexualität sowie Gewalt und sexuelle Übergriffe.
    • Simone Allenspach-Jost ist Leiterin der Fachgruppe Queer des DOJ (Dachverband Offene Kinder- und Jugendarbeit Schweiz), Mit-Autorin vom Grundlagenpapier „Queere Vielfalt in der OKJA (Offene Kinder- und Jugendarbeit) sowie Jugendbeauftragte der Gemeinde Steinhausen.
  • Begriffe und Bedeutungen

    • Der Begriff queer stammt aus dem Englischen (sonderbar, suspekt, komisch) und wurde ursprünglich als Abwertung von homosexuellen und trans Menschen verwendet. In den 1990erJahren hat sich die LGBTQIA+-Community die Bezeichnung queer jedoch angeeignet und benutzt sie seither emanzipatorisch als Selbstbezeichnung für alle Personen, die nicht traditionell heteronormativ und/oder cisgeschlechtlich sind. Mit der Verwendung des Ausdrucks queer wird die vorherrschende Heteronormativität hinterfragt. Diese soll aufgelöst werden, damit alle Menschen ihr Leben mit vielfältigen Formen von Geschlechtsidentitäten und sexuellen Orientierungen frei von Normen und Vorurteilen leben können. Queer wird mittlerweile als Sammelbegriff für Menschen benutzt, die sich nicht der cis-heteronormativen Gesellschaft zugehörig fühlen.
    • Heteronormativität ist das Konzept zur Beschreibung einer gesellschaftlichen Norm, bei der von einem binären hierarchischen Geschlechtersystem (Mann und Frau) und einer heterosexuellen Anziehung ausgegangen wird.
    • Cisnormativität ist das Konzept zur Beschreibung einer gesellschaftlichen Norm, bei der von einem binären hierarchischen Geschlechtersystem (Mann und Frau) ausgegangen wird und davon, dass sich alle Menschen mit dem Geschlecht identifizieren, welches ihnen bei der Geburt zugewiesen wurde. 
    • Mit dem Begriff "Cisgender" werden Menschen bezeichnet, die sich mit dem bei der Geburt eingetragenen Geschlecht identifizieren. Der Begriff "cis" stammt aus dem Lateinischen und heißt übersetzt diesseitig. Demgegenüber bedeutet "trans" jenseits, hindurch oder hinüber. Cisgender ist der wertungsfreie Gegenbegriff zu Transgender. Wichtig: Dass das eigene Geschlecht und die eigene Identität übereinstimmen, bezieht sich ausdrücklich nicht auf die sexuelle Identität oder Orientierung. Cis-Menschen können eine heterosexuelle, homosexuelle, bisexuelle, oder asexuelle Orientierung haben.
    • Geschlechtsidentität ist das innere Gefühl und Wissen einer Person über das eigene, zugehörige Geschlecht. Die Geschlechtsidentität passt nicht bei allen Menschen mit dem Geschlechtseintrag überein, der im Geburtenregister vorgenommen wird. Dort erfolgt die Beurteilung anhand der körperlichen und biologisch eindeutigen Geschlechtsmerkmale. 
    • Gender ist ein englisches Wort für Geschlecht, genauer für das soziale, das gelebte und gefühlte Geschlecht und steht in Abgrenzung zum biologischen Geschlecht (engl. sex). Im Englischen gibt es zwei Worte: „gender“ und „sex“. Im Deutschen gibt es nur eines (Geschlecht). Der Begriff „Gender“ beschreibt die Geschlechterrollen über die biologischen Merkmale hinaus und sieht diese als Ergebnis gesellschaftlicher Sozialisationsprozesse, die je nach Zeit, unterschiedlicher Kultur und Bildung erheblich variieren können. Es wird damit sozial konstruiert, was in der jeweiligen Gesellschaft als typisch „weiblich“ oder „männlich“ gilt. Das heißt, dass die sozialen und kulturellen Geschlechterrollen über die Zeit veränderbar sind, da sie nicht auf unveränderlichen biologischen Merkmalen basieren.
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Herta Abram Mi., 26.06.2024 - 14:55

Sie sind wunderbar Andreas Kofler!
Lassen Sie sich von nichts und niemanden davon abhalten Ihre Persönlichkeit zu leben!
Und Komplimente den JugendarbeiterInnen!!

Mi., 26.06.2024 - 14:55 Permalink