Drei Männer bleiben am Ball
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In Südtirol und weit darüber hinaus wird der Familienname Pranter mit Handball assoziiert. Zwei Vertreter der Familie aus Meran waren bei der jüngsten EM dabei: Vater Jürgen – Jahrgang 1970 – im Trainerteam und Sohn Leo – 24 Jahre alt – im Kader der Azzurri. „Es war kein so großer Hype wie bei der WM letztes Jahr. In den ersten beiden Spielen mussten wir uns gegen starke Gegner geschlagen geben“, erzählt Jürgen nach der Rückkehr aus Schweden. Aber immerhin: das letzte Spiel gegen Polen konnte gewonnen werden, und das ist wichtig für die Qualifikation zur WM nächstes Jahr.
Der ältere Bruder Max musste bei den Europameisterschaften leider verletzungsbedingt aussetzen. Sein Vater und Bruder hätten ihn natürlich gerne bei den EM-Spielen in Kristianstad dabeigehabt. Max macht noch immer eine Knieverletzung zu schaffen. „Es tut weh, wenn man nur zuschauen kann. Aber es gibt ja immer ein nächstes Turnier“, sagt er.
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Vom Kampfgeist und der weiten Welt
Für den heute 25-jährigen Max war eine halbjährige Verletzungspause vor zehn Jahren wegweisend: In den Monaten nach einer Knie-OP hatte er viel Zeit nachzudenken. „Die Verletzung war letztlich der Auslöser für meine Entscheidung, den sportlichen Weg konsequent zu gehen – und zwar zu 100 Prozent“, sagt Max heute.
Er und sein Bruder sind beim SC Meran groß geworden. Mit siebzehn bekam Leo die Möglichkeit eine Saison in der berühmten Jugend-Akademie der SG Flensburg-Handewitt zu absolvieren. Danach kam er nach Meran zurück, um dort Matura zu machen. Die Corona-Pandemie verlängerte den Aufenthalt in seiner Heimatstadt, aber nach zwei weiteren Saisonen bei den Meraner „Black Devils“ wagte Leo den Sprung zum spanischen Erstligaclub Cuenca. Damit kam seine Profi-Karriere ins Rollen.
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Lives in Motion
Questa serie di SALTO presenta ritratti di sportivi e del loro impegno quotidiano.
In dieser SALTO-Serie präsentieren wir Portraits von Athletinnen und Athleten und ihrem Einsatz. -
Bei einer der besten Mannschaften der Welt
Nach zwei Jahren in Spanien wechselte Leo als erster italienischer Spieler überhaupt zu einem deutschen Erstliga-Club, dem HBW Balingen-Weilstetten. „Ich wollte schon seit langem in der Bundesliga spielen, weil mir die deutsche Handball-Mentalität von Anfang an sehr zugesprochen hat“, meint Leo. Seit nun eineinhalb Jahren spielt Leo bei den Berliner Füchsen und konnte mit dem Hauptstadt-Team letztes Jahr einen veritablen Erfolg verbuchen. „Der Titelgewinn mit Berlin ist mein bisher größtes Karriere-Highlight“, sagt Leo.
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Auch Papa Jürgen zeigt sich beeindruckt von Leos aktuellem Arbeitsgeber: „Leo spielt bei einer der besten Mannschaften der Welt.“ In diesem Jahr wird den Füchsen nach einem mittelmäßigen Saisonstart die Verteidigung der Meisterschaft zwar nicht gelingen, aber in der Champions League ist noch alles offen.
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Das zweite Standbein
Bei Bruder Max lief alles noch nicht ganz so glatt. Mehrere Verletzungen verhinderten für lange Zeit seinen Wechsel ins Ausland: 2023 etwa machte dem Rückraumspieler ein Knorpelschaden im Knie seine Pläne beim Schweizer Club Pfadi Winterthur zunichte. Auch die Eltern litten in dieser Phase mit ihrem Ältesten. „Wir versuchten Max zu unterstützen, wo es ging, weil wir wissen, wie gerne er Handball spielt“, sagt Jürgen. Gerade aufgrund der verletzungsbedingten Pausen wurde Max bewusst, wie wichtig es ist, sich ein zweites Standbein aufzubauen: Parallel zum Handball hat er Mediendesign studiert.
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Papa Jürgen – der selbst seit langem als Physiotherapeut tätig ist – kennt diese Herausforderung: „In Italien zum Beispiel ist es nach wie vor schwierig allein vom Handball zu leben“. Aus sportlicher Perspektive hofft Max jetzt darauf, mit Bietigheim in die erste deutsche Liga aufzusteigen.
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Träume in azurro
Vater Jürgen, der selbst bei der letzten WM-Teilnahme 1997 in Japan dabei war, ist seit 2017 Assistenztrainer der Azurri. In der Nationalmannschaft – und in der Vergangenheit auch beim SC Meran – werden Max und Leo von ihrem Vater trainiert. „Wir konnten das immer gut trennen: Zu Hause sind wir Vater und Söhne, auf dem Feld sind wir Trainer und Spieler“, sagt Max.
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Die Prantner Brüder haben sämtliche Jugendnationalmannschaften durchlaufen und wurden schließlich auch in die italienische Männerauswahl berufen. Nach dem Hauptrundeneinzug letztes Jahr und der Teilnahme an den diesjährigen Europameisterschaften, wollen alle drei diesen Weg fortsetzen. „In ein paar Jahren wollen wir ganz vorne mitspielen“, zeigt sich Leo kämpferisch.
Jetzt peilen die Azurri die Europameisterschaften im nächsten Jahr in Deutschland an, im Frühling geht es mit Qualifikationsspielen weiter. Und in zwei Jahren stehen die nächsten olympischen Sommerspiele an. „Es wird sehr schwer werden, sich dafür zu qualifizieren, aber natürlich ist es ein Traum, mit Italien daran teilnehmen zu dürfen“, meint Jürgen. Am schönsten wäre es sicherlich, sich diesen Traum zu dritt zu erfüllen. Die drei Prantner-Männer bleiben sicher am Ball.
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