Im Haus von Werner und Klaus
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„Ja, auch ein Gedicht von Werner ist dabei“, erzählt Josefine Maier Menapace gegenüber SALTO zur bevorstehenden Ausstellung zu Siegfried Höllrigl, der Arbeiten aus seiner typografischen Werkstatt Offizin S. in Tramin ausstellt.
Unter dem Titel Blei Holz Poesie stellt der Autor, Schriftsetzer, Maschinensetzer und Korrektor ab morgen (und bis 7. Februar) in den Räumen am Traminer Dorfplatz aus, wo einst die Eltern von Klaus Menapace (1954-1990) und Werner Menapace (1950-2023) noch Haushaltsartikel an die Traminer und Traminerinnen verkauften. Die beiden Kulturrebellen haben mit Musik und Literatur in den 1970/80ern einen neuen frischen Wind ins Unterland gebracht, der bis heute nach- und nebenwirkt.
Papier und Schrift wurden für jedes Gedicht individuell ausgewählt und zugeordnet.
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Es waren auch die 1980er Jahre, als Siegfried Höllrigl mit seinem Lebensabenteuer startete, seinen Betrieb auf Fotosatz umsattelte. Er erwarb Teile einer obsolet gewordenen Setzerei und übersiedelte, nach kurzer Unterbringung in einem Keller bei den Kapuzinern in Bozen, mit einer ausgemusterten Handdruckpresse und eineinhalb Tonnen Schrift- und Blindmaterial in sein Elternhaus nach Meran, in die Hallergasse. Dort eröffnete Höllrigl sein eigenes Reich. Arbeiten aus diesem Reich zeigt er nun im Haus Menapace, das sich langsam aber sicher zu einem fixen Treffpunkt für Kultur im Weindorf Tramin etablietert – wenige Tage nach dem 36. Todestag von Klaus und wenige Wochen nach dem 3. Todestag von Werner.
Mit seinen hochwertigen Handdrucken hat sich Siegfried Höllrigl weit über Südtirol hinaus einem Namen gemacht. Der Vorlass des Künstlers befindet sich im Forschungsarchiv der Universität Innsbruck. Besuche in seiner Werkstatt waren immer von einer poetischen Besonderheit geprägt, ein Eintreten in eine andere Realität. Seine Werkstatt ist immer noch ein Ruhepol und steht für schnellstmögliche Entschleunigung. Auf den schweren Eisentischen und in den Regalen stapelt sich Papier, es riecht nach Druckerschwärze, Eisen und Holz. „An den Wänden hängen Graphiken und Druckfahnen mit Gedichten in verschiedenen Lettern, dazwischen überall Fotos, die von den zahlreichen Begegnungen mit Autorinnen und Autoren, Künstlerinnen und Künstlern in seiner Werkstatt erzählen“ – unter anderem von Bettina Galvagni, Friederike Mayröcker, Anita Pichler, Ilma Rakusa, Andreas Neeser, Michael Donhauser, Josef Zoderer oder Markus Vallazza.
Aus der Edition „101 Gedichtplakate“: Die Ausstellung zeigt eine Auswahl von Plakaten. Eröffnet wird am morgigen Samstag um 17 Uhr. Foto: Blei Holz PoesieIn den Jahren zwischen 2003 bis 2024 sind in Höllrigls Werkstatt 101 Gedichtplakate entstanden, die er nun ausstellt. Die Gedichte wurden von Blei-und Holzbuchstaben gesetzt und von Hand gedruckt. Papier und Schrift wurden für jedes Gedicht individuell ausgewählt und zugeordnet. Insgesamt haben 86 Autorinnen und Autoren ihre Gedichte zur Verfügung gestellt und signiert. Sie wurden zu vier Mappen (A/B/C/D) zusammengetragen und erschienen in einer nummerierten Auflage von je 10 Exemplaren.
Die Mappen und die Innenmappen für die Gedichtplakate hat Brigitte Widner angefertigt. Im Jahr 2018 wurde die Mappe A bei der Österreichischen Gesellschaft für Literatur in Wien, im Beisein von Friederike Mayröcker und 2019 in den Räumen des Literaturhauses am Inn und im Brenner Archiv in Innsbruck vorgestellt. Vor sechs Jahren wurden die Gedichtplakate aus der Mappe B im Literaturhaus in Liechtenstein gezeigt. Und im vergangegen Jahr wurden einige Exponate, die nun in der Traminer Ausstellung gezeigt werden, in den Räumen der Österreichischen Gesellschaft für Literatur in Wien vor- und ausgestellt. Im selben Jahr hat die Liechtensteinische Landesbibliothek eine Edition der Mappen A/B/C/D erworben.
Blei Holz PoesieDie Ausstellung Blei Holz Poesie in Tramin zeigt eine Auswahl von Plakaten aus der Edition „101 Gedichtplakate“. Eröffnet wird am Samstag, 24. Jänner um 17 Uhr.
Im Rahmenprogramm zur Ausstellung, gestaltet von ZeLT. Europäisches Zentrum für Literatur und Übersetzung, diskutieren am Freitag, 30. Jänner ab 19 Uhr die Autorin Greta Maria Pichler, die Übersetzerin Donatella Trevisan und die Kulturvermittlerin und Übersetzerin Alma Vallazza in memoriam von Werner Menapace über die Herausforderungen beim Übersetzen von Gedichten.
Am Donnerstag, 5. Februar, ab 14 Uhr findet unter dem Titel Flauschen, Filzen und Fabulieren unter Anleitung einer Künstlerin eine offene Textil- und Sprachwerkstatt für Kinder und Jugendliche statt. Der Eintritt ist frei.
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