Groove im Blut, Senf im Namen
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Was macht man, wenn man im Probelokal der Bürgerkapelle Gries sitzt und Lust auf mehr Groove hat? Man gründet eine Band, gibt ihr einen Namen, für den man sich jahrelang rechtfertigen muss, und landet zehn Jahre später bei einem Jubiläumsalbum. Ein Gespräch mit Gabriel Höller und Valentin Gasser über „Gigi“, Hochzeits-Abenteuer und die befreiende Kraft der Blasmusik. Wer „Die Seltsamen Senfsamen“ zum ersten Mal hört, stutzt kurz. Der Name ist Programm: ein bisschen schräg, sehr einprägsam und am Ende bleibt ein würziger Nachgeschmack. „Für den Namen müssen wir uns regelmäßig rechtfertigen“, geben Gabriel Höller und Valentin Gasser schmunzelnd zu. Entstanden aus der Not und unter Zeitdruck (nachdem man ein halbes Jahr lang als „Die 3 Lustigen 4“ unterwegs war), ist er heute das Markenzeichen für erstklassigen Brass-Sound aus Südtirol
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(c) Mauro Podini
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Das Jubiläums-Manifest: „10“
Zum zehnjährigen Bestehen im Jahr 2025 macht sich die Band selbst das größte Geschenk: Ein Album, das schlicht „10“ heißt. „Relativ früh haben wir uns auf den Titel geeinigt und beschlossen, dass auch genau 10 Songs drauf müssen“, erklären die Musiker. Dabei ist das Album eine bewusste Mischung aus den beiden Seelen der Band. Während das erste Album rein aus Eigenkompositionen von Saxophonist Valentin Gasser bestand (wie etwa „Arancino Siciliano“), öffnet „10“ die Tür zur Party-Welt. „Wir wollten unbedingt auch einige Covers präsentieren, nicht zuletzt, um zu unterstreichen, dass wir eine kompetente Party-Formation bilden.“
Doch die Sehnsucht nach Rock, Funk und Soul war größer.
Der Weg dorthin war eine Evolution. Begonnen als klassisches Blechbläserquartett, das durch ein Schlagzeug zum Quintett ergänzt wurde, schlich sich der Groove schnell in die DNA der Band. „Bei den ersten Auftritten hatten wir noch ein paar böhmische Klassiker wie die Fuchsgrabenpolka im Programm“, erinnern sie sich. Doch die Sehnsucht nach Rock, Funk und Soul war größer. Heute ist das absolute Highlight ihrer Konzerte ein Song, den man nicht unbedingt von einer Brass-Band erwartet: der „Gigi d’Agostino-Mix“. Arrangiert vom versierten Peter Oberkofler, ist dieses Medley das emotionale Zentrum ihrer Shows. „Inklusive Sitdown des Publikums“, betonen sie – ein Moment, in dem die Grenze zwischen Bühne und Tanzfläche komplett verschwindet.
Fragt man sie nach dem Unterschied zu ihren ersten Aufnahmen, bleiben die Senfsamen bescheiden. Sie hoffen, dass der Kern gleichgeblieben ist „Natürlich spielen wir heute hoffentlich besser als vor zehn Jahren. Aber an unserem Konzept, mit viel Freude an die Sache heranzugehen, hat sich wenig geändert. Es ist einfach alles noch etwas ‚runder‘ geworden.“ Es ist diese Bodenständigkeit, die die Band auch in private Momente ihrer Fans geführt hat. Obwohl sie sich nie aktiv als Hochzeitsband vermarktet haben, sind sie heute gefragte Gäste auf Trauungen. Das erste Lied auf dem Album heißt folgerichtig „Dankeschön“ – ein Gruß an alle, die beim „Gigi“ in die Knie gingen oder den fünf Musikern ihren wichtigsten Tag im Leben anvertraut haben.
Durch die Senfsamen sind und bleiben wir auch musikalisch vereint.
In einer Zeit, in der Bands oft schneller Mitglieder wechseln als ihre Instrumente, sind die Senfsamen ein Phänomen: Seit 2015 spielen sie in derselben Besetzung. Der Ursprung in der Bürgerkapelle Gries verbindet sie bis heute, auch wenn mittlerweile nicht mehr alle dort aktiv sind. „Durch die Senfsamen sind und bleiben wir auch musikalisch vereint“, sagen sie. Dass das Album auch physisch als CD und Vinyl erscheint, war für die Musiker keine Frage der Wirtschaftlichkeit, sondern der Ehre. „Wir sind alle noch mit CDs aufgewachsen. Wenn es nur digital wäre, würde in unseren Augen etwas fehlen. So fühlt es sich einfach richtig an.“
Die Vision für 2036Und wo geht die Reise hin? Werden die Senfsamen irgendwann die ganze Welt „besenfen“? Die Jungs bleiben entspannt. Ein Land oder eine bestimmte Bühne haben sie nicht im Visier. „Das Wichtigste ist, dass es die Senfsamen 2036 noch geben wird. Daran haben wir nicht die geringsten Zweifel.“ Wenn man ihnen zuhört, glaubt man das sofort. Denn am Ende geht es nicht um die Größe der Bühne, sondern um das Gefühl, wenn jemand zum ersten Mal sagt „Ich wusste gar nicht, dass Blasmusik so grooven kann.“
- Das Album „10“: Erhältlich auf CD, Vinyl und allen Streaming-Portalen.
- Der Sound: „Groovy Brass Sound“ – von Pop bis Jazz.
- Die Botschaft: Blasmusik ist Freiheit, keine Zeltfest-Pflicht.
- instagram.com/dieseltsamensenfsamen
- facebook.com/dieseltsamensenfsamen
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