„Dem Klappentext...“
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Jetzt S+ abonnierenSALTO: Welches Buch hat Sie in Ihrer Kindheit nachhaltiger geprägt, als Sie damals je geglaubt hätten?
Doris Akrap: „Der kleine Vampir“ von Angela Sommer Bodenburg. Diese Reihe habe ich gebinged und erkenne mich bis heute trotz Geschlechterunterschied in Anton Bohnsack, dem nichtvampirischen Freund von Rüdiger von Schlotterstein. Ich wollte zwar immer viel lieber auch so ein lustiger und listiger Vampir Rüdiger sein.
Mit dem Abstand von einigen Jahrzehnten muss ich aber einsehen, dass ich höcshtens zur Hälfte ein Rüdiger von Schlotterstein, zur anderen viel eher ein Anton Bohnsack bin. Also einer, der immer zwischen allen Stühlen sitzt und sich nicht entscheiden kann, ob er Vampir werden will oder lieber nicht.
Welcher letzte Satz eines Romans ist und bleibt für Sie ganz großes Kopfkino?
Es ist der letzte Satz aus „Die Pest“. Es ist allerdings nicht der letzte Satz des Romans, sondern der letzte Satz, den ich gelesen habe, bevor ich das Buch zugeklappt und nie weitergelesen habe: „Aber als die Tore auf einmal geschlossen waren, merkten sie, dass sie alle, auch der Erzähler, in derselben Falle saßen und sich damit abfinden mussten.“ Stehe ich vor einer ausweglosen Situation, lässt meine Erinnerung immer diesen Satz auf mich los. Er verschafft mir einerseits Beklemmung, andererseits Zuversicht: Wenn der absolute Horror vor der Tür steht, führt kein Weg daran vorbei als irgendeinen Umgang mit ihm zu finden.
Es ist allerdings nicht der letzte Satz des Romans, sondern der letzte Satz, den ich gelesen habe, bevor ich das Buch zugeklappt und nie weitergelesen habe
Reimen ist doof, Schleimen ist noch doofer… Auf welches – anscheinend gute – Buch konnten Sie sich nie wirklich einen Reim machen?
Wo das Schelmige im als „Meisterwerk der Spätromantik“ gefeierten „Schelmenroman“ „Aus dem Leben eines Taugenichts“ von Joseph von Eichendorff liegt, erschließt sich mir nicht. Vielleicht, weil ich die Reverenzen nicht mehr verstehe. In dem fast 200 Jahre später verfassten „Faserland“ (1995) von Christian Kracht verstehe ich zwar die Reverenzen noch, fand es aber zumindest bei Erstlektüre ähnlich unschelmig oder jedenfalls unschelmiger als viele meiner mitlesenden Fans dieser „Stilbibel“.
Ein Fall für Commissario Vernatschio. Wie erklären Sie einem Außerirdischen die geheimnisvolle Banalität von Lokalkrimis?
Was gibt es banaleres als Außerirdische? Das wissen Sie, lieber Außerirdischer doch besser als wir. Erinnern Sie sich noch an Ihren Landsmann Gordon Shumway, von den Menschen liebvoll Alf genannt? Der ist weder in New York noch in San Francisco gelandet, wo er sich auch nur unter anderen Aliens wiedergefunden hätte. Nein, Alf landete und bliebe in einem Vorort, also da, wo das echte menschliche Leben mit all seinen liebevollen und hässlichen Abgründen spielt.
Gewichtig! Welchen Buch-Tipps schenken Sie noch uneingeschränkt Vertrauen?
Dem Klappentext. Der ist meist verräterischer als ihm selbst lieb ist.
Was für ein Fehlschlag! Welches Buch würden Sie auf einer einsamen Insel zurücklassen?
„Das schlechtverkaufte Buch“ von Hauck und Bauer. Da wird sich garantiert jemand drüber amüsieren, der es nicht gekauft hat.
Das Rauschen des Blätterns. Welches Buch würden Sie auf keinen Fall am E-Book-Reader lesen?
Das Parfum. Der Geruch in diesem Buch ist derart aufdringlich, dass man auf jeden Fall den Gegengeruch von bedrucktem Papier braucht, um den Gestank aus dem Buch zu vertreiben.
Welches Buch zu Südtirol oder eines/einer Autors/Autorin aus Südtirol würden Sie unbedingt weiterempfehlen?
Alles, was ich über Südtirol weiß, weiß ich vom Folio-Verlag und empfehle deswegen einen Blick in deren Verlagsprogramm.