Mehr Mädchen und Multikulturalität
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Laut der jüngst erschienenen ASTAT Studie „Bildung in Zahlen 2024/2025“, besuchten 90.591 Kinder und Jugendliche im vergangenen Schuljahr in Südtirol eine Schule oder einen Kindergarten. Es fällt ins Auge, dass in den Schulen mehr Mädchen als Jungs und ein zunehmender Teil an Schülerinnen und Schülern ohne italienische Staatsbürgerschaft die Schulbank drücken.
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Im vergangenen Bildungsjahr besuchten 15.238 Kinder einen Kindergarten, 28.018 die Grundschule und 17.245 die Mittelschule. In den Oberschulen waren 19.879 Jugendliche eingeschrieben, weitere 10.211 absolvieren eine Ausbildung an einer Berufsschule. 72 Prozent der Kindergartenkinder und Schülerinnen und Schüler besuchen deutsche Einrichtungen, 24,8 Prozent italienische und 3,2 Prozent besuchen Kindergärten und Schulen in ladinischen Ortschaften. Keine ungewöhlichen Zahlen in Bezug auf die sprachliche Verteilung in unserem Bildungswesen.
Die Schulbesuchsquote liegt bei rund 102 Prozent. Der Wert übersteigt die Marke von 100, weil die Zahl der Einschreibungen höher ist als jene der ansässigen Bevölkerung im schulpflichtigen Alter zwischen sechs und 18 Jahren, so heißt es vom Statistikamt. Im Kindergarten hingegen beträgt die Besuchsquote 95,9 Prozent.
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Kleine Klassen wegen „Zwergschulen“
Eine Kindergartengruppe umfasst durchschnittlich 20 Kinder. In der Grundschule liegt die mittlere Klassengröße bei 15 Schülerinnen und Schülern, in den Mittelschulen zählt eine Klasse im Schnitt 19 Jugendliche, in den Oberschulen 18.
Das Ergebnis werde jedoch laut ASTAT von den sogenannten „Zwergschulen“ beeinflusst, die zahlreich in peripheren Gebieten vorkommen.
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Extrarunden sind keine Seltenheit
Nicht alle Schülerinnen und Schüler schaffen den Aufstieg in die nächste Klasse auf Anhieb. In der Grundschule wiederholen 108 Kinder das Schuljahr, eine Quote, die sich im Vergleich zum Vorjahr nicht verändert hat. Am höchsten ist sie in den ersten Klassen mit 0,8 Prozent. In der Mittelschule drehen 250 Jugendliche eine „Extrarunde“, was einer Quote von 1,4 Prozent entspricht. Auch hier liegt sie in den ersten Klassen höher, nämlich bei 2,1 Prozent. Deutlich höher fällt der Anteil in der Oberschule aus: 1.132 Jugendliche wiederholen das Schuljahr, was einer Quote von 5,7 Prozent entspricht. In den ersten Klassen liegt sie bei deutlich höheren 10,9 Prozent.
In absoluten Zahlen ausgedrückt, werden an den Mittelschulen 257 Jugendliche nicht versetzt, wobei 72 von ihnen die staatliche Abschlussprüfung nach der dritten Klasse nicht bestehen. In der Oberschule hingegen erreichen 1.614 Schülerinnen und Schüler das Klassenziel nicht. 105 Maturantinnen und Maturanten werden nicht zur Abschlussprüfung zugelassen, zwölf bestehen diese nicht.
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Mädels auf dem Vormarsch
In den Oberschulen setzen sich die Mädchen zahlenmäßig durch: Die Einschreibezahlen betragen 10.708 junge Frauen, gegenüber 9.171 männlichen Jugendlichen. 100 Schülerinnen stehen also 86 Schüler gegenüber.
Die Wahl der Schulrichtung zeigt deutliche geschlechtsspezifische Unterschiede. Während die Wirtschaftsfachoberschulen bei beiden Geschlechtern ähnlich stark nachgefragt sind, dominieren Jungs klar an den technischen Fachoberschulen. Das Verhältnis liegt bei 3.044 Schülern zu 964 Schülerinnen. In den sozialwissenschaftlichen Gymnasien sind hingegen 2.788 Mädchen eingeschrieben – also deutlich mehr als 593 Buben. Auch Sprach-, Kunst- und klassische Gymnasien werden überwiegend von jungen Frauen besucht, während in den Realgymnasien die jungen Männer in der Überzahl sind.
Ähnliche Muster zeigen sich in den Berufsschulen: Vollzeitlehrgänge in Handwerk, Industrie und Landwirtschaft werden häufiger von männlichen Jugendlichen gewählt, während junge Frauen stärker in den Bereichen Gastgewerbe, Sozial- und Gesundheitswesen sowie Hauswirtschaft vertreten sind.
Die Zahlen widerspiegeln damit weniger eine freie Durchmischung der Interessen als vielmehr traditionelle Rollenbilder bei der Bildungswahl, die trotz der offenen Bildungswege fortzubestehen scheinen.
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Mehr als ein Zehntel ohne italienische Staatsbürgerschaft
Auch der Anteil von Kindern und Jugendlichen ohne italienische Staatsbürgerschaft steigt weiter. Im Schuljahr 2024/25 besuchen rund 11.600 von ihnen eine Südtiroler Bildungseinrichtung – das entspricht 12,8 Prozent aller Eingeschriebenen. Im Kindergarten beträgt der Anteil 13,3 Prozent, in der Grundschule 13,1 Prozent. Die Berufsschulen verzeichnen eine Quote von 12,3 Prozent und in der Oberschule liegt sie bei 9,9 Prozent. Am höchsten ist der Anteil in der Mittelschule, wo er auf 15,5 Prozent steigt.
Die Verteilung ist sprachlich unterschiedlich: In Einrichtungen mit italienischer Unterrichtssprache liegt der Anteil deutlich höher. In italienischen Kindergärten besitzen 23,3 Prozent der Kinder keine italienische Staatsbürgerschaft, in italienischen Grund- und Mittelschulen 25,1 beziehungsweise 29,8 Prozent. In deutschsprachigen Einrichtungen liegt der Anteil bei rund zehn Prozent, in ladinischen Tälern bei knapp sieben Prozent.
Auch erwähnenswert: Mehr als die Hälfte der ausländischen Schülerinnen und Schüler hat europäische Wurzeln, 23,1 Prozent stammen aus Asien, 16,8 Prozent aus Afrika.
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Abmeldungen vom Religionsunterricht nehmen zu
Wie ASTAT schreibt, steigt mit dem wachsenden Anteil andersgläubiger oder konfessionsloser Schülerinnen und Schüler auch die Zahl der Abmeldungen vom katholischen Religionsunterricht. Im Schuljahr 2024/25 sind an den Grundschulen 11,5 Prozent vom Religionsunterricht befreit, an den Mittelschulen 9,9 Prozent. Vor 15 Jahren lagen die entsprechenden Quoten noch bei 4,6 und 4,2 Prozent.
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