Musik | Indie-Ikonen

Kollektive Freude mit The Notwist

Ein spannender Abend zwischen den Mauern des Castello Estense in Ferrara: irgendwo zwischen Elektro-Rythmen, Rock-Instrumente, Bassklarinette und Tuba. Eine fantastische Atmosphäre, ähnlich der Welt ihres letzten Album, begleitete das Konzert.

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Giacomo Adamo Ritucci

Der Einstieg

„Tu vas kiffer, pleurer et rire“ - du wirst es lieben, weinen und lachen. So hatte mir mein Freund, der französische Singer-Songwriter Julien Gasc, das Konzert der legendären deutschen Indie-Band The Notwist angekündigt. Er hatte recht. Ich war aber noch nicht darauf vorbereitet, so einen kollektiven Moment der Freude zu erleben.

30 Jahre Ferrara Sotto le Stelle

Ferrara Sotto le Stelle feierte dieses Jahr die 30 Jahre seit dem Beginn seines Festivals. Schon ab dem ersten Moment, das heißt mit der Eröffnung der Show durch Banadisa, das perkussiv-elektronische Projekt des talentierten Diego Franchini, der auch im lokalen Dialekt singt, als es noch Licht gab in der Szenerie des Innenhofs des Castello Estense von Ferrara, war klar, dass jener 23. Juli ein besonderer Abend für alle sein würde. Das Ritual, das vom schamanischen Banadisa zwischen Perkussion, Stimme und Elektronik zelebriert wurde, konnte als Einziges auf würdige Weise die Reise in die Musik des bayerischen Ensembles ankündigen, die um die Welt des Planet Zombie herum modelliert wurde, bezogen auf ihr inspiriertes Album dieses Jahres, News from Planet Zombie.

Experiment und Erinnerung

Effektiv sind wir, ich denke, ich kann auch im Namen eines großen Teils des Publikums sprechen, verblüfft geblieben von den unerwarteten experimentellen Abdriftungen, gut gemischt zusammen mit Passagen für die bekanntesten Titel ihres Repertoires, wie „Pick up the Phone“ und „Consequence“, die nur in den richtigen Momenten wieder auftauchen konnten, wie alte wiedergefundene Freunde, und nach gut zwanzig Jahren sehr schön gewachsen. Die Wahl des instrumentalen Organikums ist aber immer einer der Faktoren mit der größten Wirkung der Gruppe, bei der die Musiker sehr oft die Instrumente wechseln, die sie gerade spielen, und das scheint ein genereller, ja sogar totaler Ansatz zu sein, denn die Beispiele sind sehr zahlreich, und um vielleicht das kurioseste zu zitieren, erstreckt er sich auf die Figur von Enid Valu, vorgestellt als Gastmusikerin vom Frontmann Markus Acher, die sich zwischen Gesangsparts und den Foto-/Video-Aufnahmen der Gruppe gewandt bewegt hat. 

Ihr Stil wurde als „Indietronica“ definiert. Er ist sehr verbunden mit dem Berliner Label Morr Music, gegründet von Thomas Morr im Jahr 1991. In seinem Roster weist es Künstler wie die Isländer múm auf, die übrigens am 23. Juni in Bologna beim Bologneser Festival BOtanique gespielt haben und die ein ähnliches Interesse an der Kontamination zwischen meisterhaft programmierten elektronischen Rhythmen, Schlagzeug und typischeren Instrumenten des Rock-Instrumentariums teilen.

Von Planet Zombie geträumt

In der Luft von Ferrara war diese Freude am Spielen, daran, sich zu amüsieren, indem man zusammen Musik macht, greifbar, fühlbar, ebenso wie das einzigartige Bewusstsein, dass man in ein und derselben Show Experiment und Songs in traditionellerer Form machen kann, wenn auch immer auf geniale Weise architektonisch aufgebaut, denn die Inspiration für diese Gruppe scheint niemals zu enden, und wir haben effektiv geliebt, geweint und gelacht, und ich sage auch, wir haben von anderen Welten geträumt, zu denen man mittels Starships Zugang hat, sogar davon, im Traum Röntgenstrahlen zu bauen, wie es der Text des kraftvollen Songs X-Ray andeutet, eine Hymne an den Traum, an die Fähigkeit, die wir alle im Traum haben, zu erfinden, fast als wären wir alle große Regisseure und Drehbuchautoren, neue Welten, tatsächlich mit dem Raumschiff dorthin zu gehen und sie zu genießen.