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Wirtschaft | Energie

Russland: noch hohe Energieeinnahmen

Die westlichen Länder versuchten mit Sanktionen die russischen Energieeinnahmen deutlich zu senken, um die Finanzierung des Krieges zu erschweren, doch ihre Erwartungen wurden bis jetzt nicht erfüllt.
Hinweis: Dieser Artikel ist ein Beitrag der Community und spiegelt nicht notwendigerweise die Meinung der SALTO-Redaktion wider.
Raffinerie
Foto: Pixabay
  • Russland ist eines der energiereichsten Länder der Welt. Es hat die weltweit größten Gas Reserven, liegt nach den Vereinigten Staaten bei den Kohle-Reserven an zweiter Stelle und hat nach Venezuela und den ölreichen Staaten im Mittleren Osten Saudi-Arabien, Iran, Iraq, den Vereinigten Arabischen Emiraten und Kuwait die siebtgrößten Erdöl-Reserven der Welt. Im Jahr 2021 war Russland der größte Gas-Exporteur der Welt, das zweitgrößte Erdöl-Exportland nach Saudi-Arabien und das drittgrößte Kohle-Exportland nach Indonesien und Australien. Bis zum Ukraine-Krieg waren die EU-Länder die wichtigsten Importeure von russischer Energie. Im Jahr 2021 gingen fast 50% der russischen Erdölexporte, circa zwei Drittel Viertel der Gasexporte und über 30% der Kohleexporte in die EU-Länder.  

    Die Einnahmen aus den Energieexporten spielen eine sehr wichtige Rolle für die russische Wirtschaft. Im Durchschnitt machten Öl und Gas in den vergangenen Jahrzehnten etwa 45 Prozent der russischen Staatseinnahmen aus, wobei der größte Teil der Einnahmen aus dem Ölsektor stammt. 

    Um die Finanzierung von Russlands Krieg gegen die Ukraine zu erschweren, verhängten die EU und andere westliche Länder Sanktionen gegen die russischen Erdöl- und Kohleexporte. 

  • Russlands Erdöl-Exporte seit der russischen Invasion in die Ukraine

    Die USA, Großbritannien und die EU haben bereits 2022, im ersten Jahr des Ukraine-Krieges die Einfuhr von Erdöl us Russland über den Seeweg verboten und seit dem 5. Februar 2023 sind auch Produkte aus Erdöl (Benzin, Diesel, Flugkerosin etc.) Teil der Sanktionen geworden. Gleichzeitig hat das Bündnis zwischen der EU, den G7 und Norwegen, eine Preisobergrenze von 60 US-Dollar pro Barrel 1/ für russisches Erdöl über den Seeweg für Drittländer und im darauffolgenden Februar eine Obergrenze für Produkte aus Erdöl eingeführt. Westliche Unternehmen und Dienstleister dürfen russisches Öl nur dann transportieren, versichern oder finanziell unterstützen, wenn es zu einem Preis unterhalb der festgelegten Obergrenze gehandelt wird. Dadurch sollen die Einnahmen aus dem Erdölverkauf niedrig gehalten und so die Finanzierung des Krieges gegen die Ukraine erschwert werden. 2/

    Doch Russland fand schnell neue Märkte und hat seine Erdölexporte nach dem Embargo der westlichen Länder in andere Märkte, hauptsächlich nach Indien, China und in die Türkei umgeleitet. Trotz Sanktionen, Preisobergrenzen und anderen Maßnahmen, welche die Erdölausfuhren begrenzen sollten, sind Russlands Erdölexporte nur geringfügig gesenkt worden.

  • Foto: MP
  • Wie aus ober Grafik ersichtlich ist, waren Russlands weltweite Erdöl-Exporte im Jahr 2024 nicht wesentlich geringer, als im Jahr 2021, geändert haben sich nur die Destinationen. Im ersten Kriegsjahr sind Russlands Erdölexporte, verglichen mit dem Vorjahr, sogar gestiegen. Während die Erdölexporte in die EU-Länder und in das Vereinigte Königreich nach 2022 drastisch abnahmen, konnte vor allem Indien seine Erdölimporte aus Russland stark steigern, aber auch China und die Türkei importieren viel mehr Erdöl aus Russland.

    Mit der sogenannten "Schattenflotte" wird immer noch russisches Erdöl nach Europa transportiert. Diese Flotte wurde als Reaktion auf den von den G7-Staaten eingeführten Ölpreisdeckel aufgebaut, um Russland von der Nutzung des legalen globalen Erdölmarktes unabhängig zu machen. Die Flotte besteht aus meist älteren Öltankern, die Russland einsetzt, um westliche Sanktionen und Preisobergrenzen zu umgehen. Die Öltanker haben meist undurchsichtige Eigentumsverhältnisse, eine unzureichende Versicherung und wechseln häufig die Flaggen, unter denen sie fahren. Obwohl die EU und andere westliche Länder die Schattenflotte sanktioniert haben, ist der Erfolg mäßig, da die Eigentümer der Schiffe oft nicht klar zu identifizieren sind und die Rückverfolgung der Ölexporte schwierig oder gar nicht möglich ist.

    Eine beträchtliche Menge russischer Erdölprodukte werden über Zwischenländer in die EU-Länder exportiert und auch so werden die Sanktionen umgangen. Laut einer Analyse von Transport &Environment sind es vor allem China und Indien, in einem geringeren Ausmaß auch die Türkei, Singapur und die Vereinigten Arabischen Emirate, die vermehrt russisches Erdöl importieren, daraus Erdölprodukte (z.B. Diesel, Flugkerosin) herstellen und diese in die EU-Länder exportieren. 

  • Russlands Gasexporte

    Europa war vor dem Ukraine-Krieg die bei weitem wichtigste Importregion von russischem Pipeline-Gas und war stark von russischem Gas abhängig. Der Großteil des Gases wurde über vier Pipelinerouten in die EU-Länder transportiert: die Nord Stream Pipeline, die durch die Ostsee von Russland nach Deutschland verläuft, die Jamal-Pipeline durch Polen, die Transit-Pipeline durch die Ukraine und die Turk Stream-Pipeline, die durch das Schwarze Meer verläuft und über den Balkan Gas in die EU-Länder liefert. Europa importiert schon seit vielen Jahren auch russisches Flüssiggas (LNG).

  • Foto: MP
  • Die Folgen des Ukraine Krieges haben das Exportvolumen von russischem Gas nach Europa stark verringert. Während die russischen Pipeline-Gasimporte in die EU-Länder vor dem Ukrainekrieg nahenzu 50% der gesamten Pipeline-Gasimporte ausmachten, sanken sie im ersten Quartal 2025 auf nur mehr 17%. Obwohl die EU keine Sanktionen gegen russische Pipeline-Gasimporte verhängt hat, haben Vertragsstreitigkeiten die Lieferungen durch die Nord Stream Pipeline 3/, der wichtigsten Gas-Pipeline in die EU, stark eingeschränkt. Am 31. August 2022 wurden die Gaslieferungen durch die Nordstream vom russischen Staatskonzern Gazprom gänzlich eingestellt. Dies erfolgte als Reaktion auf die europäischen Sanktionen nach dem Beginn des russischen Angriffskriegs in der Ukraine, um Druck auf die EU auszuüben. Bereits im April 2022 beschloss Gazprom kein Gas mehr über die Jamal-Pipeline nach Polen zu liefern, als Reaktion auf Polens Sanktionen gegen Russland. Doch die EU baute ihre Flüssiggas-Kapazitäten zügig aus, um die entfallenen Pipelinegas-Lieferungen aus Russland durch LNG-Lieferungen aus den USA, aus Katar, aus Nigeria und aus diversen anderen Ländern zu ersetzen. 

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  • Im Jahr 2022 kam es zu einem massiven Anstieg der Gaspreise, erstens weil nach der Einstellung der Jamal-Pipeline und der Nordstream-Pipeline die Angst vor Gas-Lieferengpässen die Preise in die Höhe trieb und auch, weil Flüssiggas, das nun vermehrt von den EU-Ländern gekauft wurde, wesentlich teurer ist als Pipelinegas. Die hohen Gaspreise im Jahr 2022 bewirkten auch einen starken Anstieg der Strompreise, da es in der EU eine beträchtliche Anzahl von Gaskraftwerken gibt.

    Obwohl Russland in der Lage war, einen Großteil seiner Öl- und Kohleexporte, die aufgrund der Sanktionen nicht mehr nach Europa geliefert werden konnten, auf andere Märkte umzuleiten, konnte es für seine Pipelinegas-Exporte aufgrund fehlender Infrastruktur keine Ersatz-Destinationen finden. Russland versuchte seine Flüssiggaskapazitäten auszubauen, was dazu führte, dass die russischen Flüssiggasexporte seit 2022 leicht zunahmen, doch das Flüssiggas konnte bei weitem nicht die fehlenden Pipeline-Exporte in die EU ersetzen. 

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  • Im Jahr 2021 beliefen sich die gesamten russischen Gasimporte in die EU auf 150 Milliarden Kubikmeter (Mrd. m³) pro Jahr, was über 50% der gesamten EU-Gasimporte ausmachte. Seitdem sind die Gasimporte aus Russland laut der Europäischen Kommission auf 52 Mrd. m³ oder auf einen Anteil weit unter 20% der gesamten Gas-Importe gesunken. Während die Pipeline-Exporte nach Europa nur mehr sehr gering sind, haben die Flüssiggas-Exporte nur wenig abgenommen und haben im ersten Halbjahr 2025 sogar zugenommen. Laut neuesten Daten von Eurostat importierten die EU-Länder im ersten Halbjahr 2025 russisches Flüssiggas (LNG) im Wert von 4,48 Milliarden Euro, im gleichen Zeitraum des Vorjahres waren es 3,47 Milliarden Euro

    Die russischen Gaslieferungen der Transit-Pipeline durch die Ukraine endeten Ende 2024, sodass es seit Anfang 2025 nur noch die Turkstream-Pipeline als funktionierende Route für russisches Pipelinegas gibt.  Aktuell importieren noch Ungarn, die Slowakei und Griechenland russisches Pipelinegas. Laut einem Gesetzesvorschlag der EU-Kommission soll der Import von russischem Pipeline-Gas und Flüssiggas (LNG), sowie von Erdöl bis Ende 2027 beendet werden. 

    Der starke Rückgang der Pipelineexporte nach Europa hat Russland finanziell geschadet. Planung und Bau von Pipelines in andere Länder nimmt einige Jahre in Anspruch, deshalb kann der Export von Pipelinegas nicht so einfach ersetzt werden 4/, während russisches Flüssiggas (LNG) auch in andere Länder exportiert werden kann, doch Russlands Flüssiggas-Kapazitäten sind begrenzt.

  • Russische Kohle-Exporte in die EU-Länder

    Die Europäische Union hat den Import russischer Kohle ab 2022 verboten, wodurch die russischen Kohleimporte laut Eurostat von 50 Millionen Tonnen im Jahr 2021 auf null im Jahr 2023 gesunken sind. Russland exportiert seit den Sanktionen mehr Kohle nach China, Indien, die Türkei, Südkorea und Taiwan. 

  • Entwicklung der Energie-Einnahmen seit Russlands Invasion in die Ukraine

    Laut Schätzungen von CREA (Center for Research on Energy and Clean Air) betrugen die Energie-Einnahmen Russlands in den Jahren 2022 bis 2024 circa 850 Milliarden Euro.

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  • Im Jahr 2022, also im ersten Kriegsjahr, beliefen sich die Einnahmen auf Energieexporten auf 356 Milliarden Euro, was ein Anstieg von 35% gegenüber 2021 ist. Der Grund dafür sind die drastisch gestiegenen Energiepreise 5/. 2023 stabilisierten sich die Energiepreise auf einem niedrigeren Niveau, doch aufgrund der stark gesunkenen Pipelinegas-Exporte in die EU sanken die Einnahmen vom Gasverkauf um mehr als die Hälfte, verglichen mit 2021, während die Erdöl-Einnahmen anstiegen. 2024 verringerten sich die Einnahmen von Erdöl leicht, waren aber immer noch höher als im Jahr 2021, die Einnahmen von Gas blieben, verglichen mit dem Vorjahr, unverändert, während die Kohle-Einnahmen merklich sanken. Nach vorläufigen Schätzungen von CREA, sind sowohl Einnahmen von Erdölexporten, als auch die Einnahmen von Gasexporten im ersten Halbjahr 2025, verglichen mit dem Vorjahr, gefallen.

  • Was haben die Sanktionen auf Russlands Energieexporte bewirkt?

    Die Sanktionen gegen die Energieexporte sollten Russlands Wirtschaft und die militärischen Fähigkeiten des Landes schwächen und die Einnahmen zu schmälern, mit denen der Krieg gegen die Ukraine finanziert wird. Doch trotz Sanktionen und nur mehr geringen Pipelinegas-Exporten in die EU-Länder verdient Russland weiterhin jährlich hunderte Milliarden Euro, vor allem mit seinen Erdölexporten, aber auch mit den Flüssiggasexporten. Die Sanktionen gegen Energieexporte trafen Russland nur mäßig und haben keinen Einfluss auf ein Ende des Ukraine-Krieges. Das Ziel, die russische Kriegswirtschaft entscheidend zu schwächen, wurde nicht erreicht. Russland hat sich an die veränderte Situation angepasst, indem es neue Käufer für seine Energieexporte, wie China, Indien und die Türkei gefunden und Umgehungs-Maßnahmen für die Sanktionen und für die Preisobergrenzen entwickelt hat.

    Ob die neuen Sanktionspakete der EU, sowie Präsident Trumps angekündigte Sanktionen, so sie denn auch in Kraft treten, die russischen Energie-Einnahmen in Zukunft so stark senken werden, dass es zu einer wirksamen Schwächung von Russlands militärisch-industriellem Komplex führen wird, bleibt abzuwarten. Die wünschenswertere Alternative wäre, dass es zu einem baldigen Frieden kommt, dann wird die Frage der Wirksamkeit der Sanktionen belanglos.

  • 1Als Teil des 18. Sanktionspakets der EU gegen Russland soll die Preisobergrenze für russisches Rohöl ab September 2025 von 60 US-Dollar pro Barrel auf 47,60 US-Dollar pro Barrel gesenkt werden. Zudem beinhaltet das Paket ein Einfuhrverbot für Erdölprodukte aus russischem Rohöl.  Diese Anpassung soll die russischen Einnahmen aus Ölexporten weiter beschneiden und Russland in seiner Fähigkeit einschränken, den Krieg in der Ukraine zu führen.

    2/ Die Preisobergrenze sollte den russischen Erdölfluss aufrechterhalten, um einen starken Anstieg der globalen Ölpreise zu verhindern, der durch einen Stopp oder starken Rückgang der russischen Exporte ausgelöst würde. Da die Inflation im Westen nach der Corona-Krise ohnehin sehr hoch war, gab es trotz des Krieges wenig Bereitschaft für sehr harte Maßnahmen gegen Russlands Energie-Exporte. 

    3/ Die beiden Gaspipelines Nord Stream 1 und 2 wurden am 26. September 2022 durch mehrere Sprengungen beschädigt und unterbrochen, wobei drei der vier Leitungen betroffen waren. Zu diesem Zeitpunkt waren die Pipelines nicht mehr in Betrieb, da Russland die Gaslieferungen bereits zuvor ausgesetzt hatte. 

    4/ Seit Ende 2019 gibt es eine Gas-Pipeline („Power of Siberia“) von den Sibirischen Gasfeldern in Jakutien nach China. Die geplante Gaspipeline Power of Siberia 2 (PS-2) mit einer geplanten Kapazität von 50 Milliarden Kubikmetern pro Jahr könnte fast die Hälfte des Rückgangs der russischen Pipeline-Gasexporte in die EU ausgleichen. Obwohl der Kreml das Projekt voranzutreiben versucht, ist China bisher keine entsprechenden Verpflichtungen eingegangen. 

    5/ Neben den massiv angestiegenen Gaspreisen, sind auch die Erdölpreise im Jahr 2022 stark gestiegen. Wegen des Ukraine-Krieges wurde befürchtet, dass es zu einer unterbrochenen Erdölversorgung kommen könnte, gleichzeitig zog die globale Nachfrage an und es kam zu Förderkürzungen der OPEC-Staaten, alles Gründe für hohe Ölpreise. Die Sanktionen führten zu einem EU-Importverbot für russische Kohle, was die globale Versorgung erheblich reduzierte und zu höheren Kohlepreisen führte.