Gesellschaft | Soziale Medien

Was eine Politikerin aushalten muss

Ein Facebook-Nutzer wird sich jetzt für seine Aussagen über Brigitte Foppa vor Gericht verantworten. Für die Landtagsabgeordnete ein wichtiger Schritt gegen Hate Speech.
brigitte_foppa.jpg
Foto: Seehauserfoto
Die Staatsanwaltschaft hat im Fall der Bedrohung und üblen Nachrede gegenüber der Grünen Landtagsabgeordneten Brigitte Foppa einen Strafprozess beantragt. Ein Kommentator hatte die Politikerin Anfang 2021 auf Facebook persönlich bedroht und beschimpft. Für Foppa ist das keine Seltenheit. Sexistische Beleidigungen und Bedrohungen scheinen ihre politische Arbeit in den sozialen Netzwerken im Internet zu begleiten: „Je bekannter ich wurde, desto schlimmer wurden die Kommentare.“
Der angekündigte Strafprozess ist für sie deshalb ein wichtiges Zeichen: „Als ich heute in die Zeitungen schaute, konnte ich es kaum fassen. Der Mann, der mir eine Vergewaltigung durch ‚fünf Gutbestückte‘ gewünscht hatte, wird sich nun tatsächlich einem Gerichtsverfahren stellen müssen. Das ist für mich ein Wendepunkt in einer langen Geschichte des Hasses, den ich in den zehn Jahren meiner Zeit als Landtagsabgeordnete erlebt habe“, teilt sie mit.
Hass ist keine Meinung.
Bei dem Tatverdächtigen handelt es sich um einen 40Jährigen aus dem Vinschgau. Über die IP-Adresse seines Computers konnte die Identität des Mannes im August vorigen Jahres erfasst werden. Er beteiligte sich an einer öffentlichen Empörungswelle im Netz, als sich die Grünen-Politikerin 2021 für den Schutz von syrischen Flüchtlingen ausgesprochen hatte: „Die Foppa konn fünfe nemmen, am besten guatbestückte Männer, dass sie amol so richtig hergnuman weard.“
Nachdem sie diesen Kommentar auf Facebook bei der Quästur angezeigt hatte, wurde die Anzeige zweimal archiviert. Foppa rekurrierte bei beiden Malen mit Erfolg und leitete Hinweise über eine mögliche Urheberschaft weiter. „Mein Hater hat seitdem einen Namen. Es scheint ein ganz normaler Bürger unseres Landes zu sein“, stellt sie fest und kündigt an, möglicherweise als Zivilklägerin aufzutreten. „Aus meiner Geschichte habe ich viel gelernt, ich glaube, Südtirol hat viel gelernt. Vor allem eins: Hass ist keine Meinung. Das sagen wir nun auch als Gesellschaft.“