SALTO: Herr Messner, am kommenden Dienstag feiern Sie Ihren 80. Geburtstag. Welchen Moment Ihres Lebens möchten Sie noch einmal erleben?
Reinhold Messner: Ob ich will oder nicht, ich kann keinen Moment meines Lebens ein zweites Mal erleben. Erlebt ist erlebt und das ist dann vorbei. Ich bin nicht jemand, der versucht, auf sein Leben zurückzuschauen, auch wenn es gelungen sein sollte. Ich gestalte im Hier und Jetzt weiter und schaffe ein gelingendes Leben. Ein gelingendes Leben ist etwas ganz anderes als ein gelungenes Leben.
Der große Zacken in der Geislergruppe war der erste Berg, den Sie bestiegen haben. Pflegen Sie eine besondere Beziehung zu diesem Berg?
Nein, ich bin oft auf diesen Berg gestiegen, von Norden, von Süden und über verschiedene Routen. Ich war erst jüngst wieder dort und staune immer noch, dass ich mit nur fünf Jahren die Ausdauer hatte, diesen Berg zu erklimmen und wieder nach Hause zu kommen. Damals war sowohl der Klettersteig als auch die Absicherung sehr primitiv. Aber in den Geislerspitzen ist die Furchetta mein wichtigster Berg. Seine Nordwand hat mich lange beschäftigt, sie ist historisch interessant.
„Die Summe der Achttausender ist mir viel weniger wichtig, als einzelne Wände, die ich dort erklettert habe.“
Während Ihrer Oberschulzeit in Bozen sind Sie regelmäßig nach Jenesien hochgesportelt. Was haben Ihre Klassenkameraden in der Geometerschule dazu gesagt?
Im Turnunterricht habe ich meistens vom Lehrer die Erlaubnis erbeten, die Stunde zu nutzen, um nach Jenesien hochzulaufen, das ist das beste Training für das Klettern und die Ausdauer war. Meine Schulkameraden haben sich aber nicht für meine kletterischen und bergsteigerischen Taten interessiert. Ich habe die Schule und das Bergsteigen immer auseinandergehalten. Ich hatte Schulkameraden, mit denen ich in der Klasse saß und ich hatte Bergsteigerkameraden, mit denen ich an den Wochenenden und im Sommer klettern und auf den Berg ging. Ich hatte damals sehr tiefe Kontakte nach Tirol und Österreich und natürlich auch in Südtirol.
Sie waren eine Zeitlang Mathematiklehrer in Eppan. Was konnten Sie aus dieser Zeit mitnehmen?
Ich stamme aus einer Lehrerfamilie, mein Vater und mein Bruder waren beide Lehrer. Damals zu Zeiten, als man keine Mittelschullehrer fand, konnte jeder, auch wer keine Matura hatte, aber einigermaßen lesen und schreiben konnte, Unterricht geben. Ich habe diese Arbeit gerne getan, aber es war nicht in meiner Lebensplanung, Lehrer zu bleiben.
Kommentare
Schalom! Der Frieden vor…
Schalom!
Der Frieden, vor allem mit sich selbst, ist heilsam - auch für die anderen, in der eigenen Familie ...
Es war Reinhold Messner…
Es war Reinhold Messner selbst, der vor vielen Jahren seiner Heimat den Krieg erklärt hat, nachdem er einen Artikel einer ihm durchaus wohlgesinnten „Dolomiten“-Journalistin wohl absichtlich falsch interpretiert hat. Es ging damals offensichtlich nur um die Form seines Hutes, also nicht um Weltanschauung, obwohl die Ursache des Zwistes natürlich tiefer lag. Nachdem Messner dann auch noch erklärt hat, dass ihm sein Schneuztuch lieber sei als die Tiroler Fahne seiner Heimat, war der Bruch klar. Wenn Messner jetzt den Frieden sucht, dann ist das natürlich sehr zu begrüßen. Wer die Hand zum Frieden reicht, dem muss man diese Hand freudig ergreifen und gemeinsam die Vergangenheit überwinden.
Antwort auf Es war Reinhold Messner… von Hartmuth Staffler
"Nachdem Messner dann auch…
„Nachdem Messner dann auch noch erklärt hat, dass ihm sein Schneuztuch lieber sei als die Tiroler Fahne seiner Heimat, war der Bruch klar.“
Dass auf dem Satz der „Bruch“ kam, spricht wahrlich nicht für die „Heimat“ - aber sehr wohl für Messner. Nach seiner Everest-Besteigung haben Politiker in Villnöß große Sprüche gemacht: „Messner habe das für Südtirol gemacht“, und „die Tiroler Fahne auf das Dach der Welt getragen“. Darauf hat Messner gesagt, seine Fahne bleibe das Taschentuch.
Die Reaktion darauf? Er wurde als Nestbeschmutzer und Heimatverräter hingestellt. Die Wahrheit ist, mit der Aussage hat er mehr Größe als alle anderen bewiesen: Er lässt sich politisch nicht instrumentalisieren, und Nationalismus (auch Lokalpatriotismus!) ist ihm ein Gräuel.
„Bergeerleben“, das Magazin des Alpenvereins Südtirols, hat ihm 05/19 zu dem Spruch nochmal befragt:
[Bergeerleben] „Berge und Politik, man sieht es an ihrer Person, sind schwer zu trennen. Berge wurden immer auch politisiert. Kreuze am Gipfel! Vetta d’Italia! Ihr Spruch: “Das Schneuztuch ist meine Fahne!"
[Messner] „Das stimmt, aber das ist eine vergleichsweise junge Entwicklung. Die Gipfelkreuze entstehen mit den Napoleonischen Kriegen – Gipfelkreuze gegen die Aufklärung. Fahnen am Gipfel sind Kinder des kolonialistischen Geistes und Wettlaufs. Wir Europäer wollten die ganze Welt erobern. Aber erklären Sie mir bitte schön, wie erobert man einen Berg? Das ist dummer Heroismus. Ich gehe nach wie vor für niemanden auf den Berg – nur für mich.“
Antwort auf "Nachdem Messner dann auch… von Christoph Moar
Es fehlt, zumindest…
Es fehlt, zumindest gedanklich, ein wichtiger Nachsatz im letzten Zitat „... - nur für mich UND für meinen Geldbeutel.“ Am Ende ist und war er immer auch ein knallharter Eigenvermarkter, was absolut nichts Verwerfliches ist, aber auch eine Art von Instrumentalisierung der Berge darstellt und in der Konsequenz eben nicht ganz zum Image des sanften, spirituellen Bergverstehers passt.
Antwort auf Es fehlt, zumindest… von Cicero
Es ist keine…
Es ist keine Instrumentalisierung der Berge, sondern wenn schon der eigenen Leistung und die zu vermarkten ist eigentlich nichts Verwerfliches.
Antwort auf Es ist keine… von Manfred Klotz
Absolut nicht verwerflich,…
Absolut nicht verwerflich, im Gegenteil, höchster Respekt vor den unternehmerischen Fähigkeiten von Herrn Messner.
Antwort auf "Nachdem Messner dann auch… von Christoph Moar
So war es wohl nicht. Dass…
So war es wohl nicht. Dass einzelne Leserbriefschreiber Messner zum Teil auch recht übel angegriffen und beleidigt haben, stimmt zwar, aber mehrheitlich wurde immer seine überragende Leistung anerkannt und bewundert. Es war Messner selbst, der von keiner Seite vereinnahmt werden wollte, wobei er sich manchmal wohl auch allzu heftig von seiner Heimat distanzierte. Das ist ja jetzt überwunden, so dass allseits eitel Wonne herrscht. Da ist doch gut so.
Jo Jo der Herr Messner, woas…
Jo Jo der Herr Messner,
woas ollm olls besser und hot zu ollem an pearigen Schmeeh.
Was werden ihm wohl seine Kinder und Ex Frauen zum Geburtstag schenken?
Noch viel Gesundheit und Klarheit im Kopf wuensche ich dem Messner - und weiterhin viel Freude mit seiner jungen Frau.
Neidisch? Herr Stocker?
Neidisch? Herr Stocker?
Hatte mit Messner einmal…
Hatte mit Messner einmal persönlich zu tun,etwas arroganteres als Mensch ist mir vor und nachher NIE begegnet!
Hatte mit Messner einmal…
Hatte mit Messner einmal persönlich zu tun,etwas arroganteres als Mensch ist mir vor und nachher NIE begegnet!
Hatte mit Messner einmal…
Hatte mit Messner einmal persönlich zu tun,etwas arroganteres als Mensch ist mir vor und nachher NIE begegnet!
Hatte mit Messner einmal…
Hatte mit Messner einmal persönlich zu tun,etwas arroganteres als Mensch ist mir vor und nachher NIE begegnet!