„Lebendige Ortszentren statt Leerstand“

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SALTO: Herr Kasal, was hat Sie bewogen, als Bürgermeisterkandidat für die Liste „Bündnis“ in Neumarkt anzutreten?
Peter Kasal: Ich will etwas Sinnvolles für unser Dorf bewirken. Ich möchte, dass Neumarkt eine positive Weiterentwicklung erlebt – sei es bei der Siedlungsentwicklung, im Tourismus oder bei der Sicherstellung einer funktionierenden Nahversorgung. Ich setze mich für Visionen ein, die dem Ort langfristig neue Impulse geben. Vor allem will ich mich darum bemühen, dass das Dorfzentrum lebendig bleibt und die Geschäfte sowie kleinen Läden erhalten bleiben. Dann gibt es natürlich auch noch einige große Themen.
Welche?
Die Leerstandsnutzung zum Beispiel. Wir haben in unserer Gemeinde einige Gebäude, die schon seit sehr langer Zeit leer stehen und früher als Industrie- und Gewerbehallen genutzt wurden. Ein weiteres wichtiges Thema ist der Hochwasserschutz. Meiner Meinung nach sollten sich die Gemeinden des Unterlandes stärker als bisher dafür einsetzen. Das Amt für Wildbachverbauung leistet wertvolle Arbeit. Das Problem ist aber oft, dass die Flüsse heute viel schneller anschwellen als noch vor Jahrzehnten oder Jahrhunderten. Der Grund dafür ist, dass sehr viele Auwälder abgeholzt, Flächen versiegelt und die Gewässer in enge Kanäle gezwängt wurden.
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Zur Person
Peter Kasal, geboren 1965, ist Diplomingenieur der Agrarwissenschaften und seit April 2024 Direktor der Landesabteilung für Grundbuch, Grund- und Gebäudekataster. Zuvor leitete er das Amt für Landschaftsplanung sowie das Amt für Landschaftsökologie. Politisch engagierte er sich 2020 auf der Liste „Bündnis“ und wurde in den Gemeinderat von Neumarkt gewählt, wo er unter anderem Mitglied der Raumordnungskommission ist. Bereits 2018 kandidierte er für das Team K bei den Landtagswahlen.
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Was würden Sie als Lösung vorschlagen? Flussaufweitungen bzw. Enteignung landwirtschaftlicher Flächen?
Flussaufweitungen sind in Südtirol nur sehr schwer umsetzbar, weil die Grundstückspreise sehr hoch sind. Es gibt einige Beispiele, wie an der Ahr oder der Rienz, wo solche Projekte realisiert wurden. Ein anderes Thema, das bereits seit einiger Zeit diskutiert wird, sind Rückhaltebecken – also Flächen, die im Falle eines Hochwassers geflutet werden können.
Sie haben von der Belebung des Dorfzentrums gesprochen. Gibt es dort ein konkretes Projekt, das Sie gerne umsetzen würden?
Mitten im Dorfzentrum steht das Laubenhaus, das von der Firma Würth vor rund 20 Jahren zu einem verhältnismäßig geringen Preis erworben wurde. Geplant war die Errichtung eines Kunstmuseums, aber in all den Jahren hat sich nichts getan. Ich und meine Mitstreiter fordern schon lange, dass das Haus wieder in den Besitz der Gemeinde zurückkehrt. Auf Gemeindeebene gibt es sicher bessere Lösungen, als das Gebäude nur leer stehen zu lassen.
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Wie lautet Ihr Vorschlag?
Wir haben in unserer Gemeinde Bedarf an Kursräumen. Auch der Tourismus-Info-Point könnte hier untergebracht werden. Sogar für Kleinkunst und Theater gäbe es Platz im Laubenhaus. Es ist immens schade, dass diese Kubatur bereits so lange ungenutzt bleibt.
Ist der große Leerstand ein grundsätzliches Problem in der Gemeinde Neumarkt? Bzw. was soll mit den ehemaligen Betriebsgebäuden geschehen?
Das riesige Areal der ehemaligen Firmen Vinexport bzw. Züst-Ambrosetti, das bereits seit Jahren leer steht und nur noch als Material- oder Kompostlager genutzt wird, eignet sich bestens als neues Zivilschutzzentrum. Die alte Struktur platzt bereits aus allen Nähten und benötigt dringend eine Erweiterung. Zwar ist im Bauleitplan bereits ein Zubau vorgesehen, dieser liegt aus meiner Sicht allerdings viel zu nahe an den Wohnhäusern. Was das Zivilschutzzentrum betrifft, wäre also jetzt der richtige Zeitpunkt für eine mutige Entscheidung.
„Was das Zivilschutzzentrum betrifft, wäre also jetzt der richtige Zeitpunkt für eine mutige Entscheidung.“
Im Zuge dessen sollte auch die Verlegung des Bauhofs angedacht werden, denn das Gelände am jetzigen Standort ist viel zu schade dafür. Zwar soll auf dem Firmengelände auch ein Schaudepot für Kulturgüter errichtet werden – und das halte ich grundsätzlich für eine gute Idee –, aber das Areal ist groß genug, um dort auch das Zivilschutzzentrum und den Bauhof unterzubringen. Meiner Meinung nach könnten damit mehrere Probleme auf einen Schlag gelöst werden.
Sie wurden bereits bei den letzten Wahlen als Vertreter des „Bündnis“ in den Neumarkter Gemeinderat gewählt. Haben Sie in diesen fünf Jahren gemerkt, dass bei den genannten Themen Handlungsbedarf besteht?
Genau! Natürlich hat die Verwaltung ihr Programm abgearbeitet, aber bei den großen visionären Entscheidungen, die wirklich zukunftsweisend sind, ist mir zu wenig passiert. Man muss hier in größeren Dimensionen denken. Die Verwaltung und die Politik haben in erster Linie die Aufgabe, die Voraussetzungen für Wachstum und Entwicklung zu schaffen, damit sich die Kreativität der Bürger entfalten kann und ihre Vorschläge auf fruchtbaren Boden fallen.
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Peter Kasal: „Mir schwebt ein Tourismus vor, der sich im Einklang und im Gleichgewicht mit dem örtlichen Leben abspielt – Qualität statt Masse, kurz gesagt.“ Foto: Seehauserfoto
Im Zuge der Ausschreibung der A22 ist ein weiteres Großprojekt in der Gemeinde Neumarkt geplant – ein Lkw-Parkplatz. Wie stehen Sie dazu, bzw. wie steht die Bevölkerung dazu?
Wir vom Bündnis sind entschieden gegen diesen Parkplatz, der das Flair einer Autobahnraststätte haben wird. Direkt an der Ausfahrt gelegen, wäre er eine sehr schlechte Visitenkarte für Neumarkt und das Unterland. Am geplanten Standort sollte stattdessen ein Parkplatz für Pendler errichtet werden – und zwar in einem wesentlich kleineren Ausmaß. Bereits jetzt wird diese Fläche zum Parken genutzt, allerdings handelt es sich dabei um eine Schotterfläche, die nicht ordentlich hergerichtet ist. Der Lkw-Parkplatz sollte hingegen – wenn überhaupt – zwischen Auer und Neumarkt errichtet werden, wo sich bereits Autobahnraststätten befinden und die notwendige Infrastruktur vorhanden ist. Dadurch müssten die Lkw nicht von der Autobahn abfahren. Sehr kritisch sehe ich auch den Plan, direkt bei diesem Parkplatz einen Tourismus-Info-Point einzurichten. Unserer Meinung nach ist das der vollkommen falsche Standort. Deshalb: Wenn es einen Info-Point braucht, dann soll er im Laubenhaus untergebracht werden.
Apropos Tourismus: In den Dolomiten-Gemeinden wird über Overtourism geschimpft. Gilt das auch für das Unterland? Oder könnte es hier ruhig ein paar Gäste mehr geben?
Im Unterland könnten es tatsächlich ein paar Gäste mehr sein. Allerdings haben wir auch die Chance – und diese Meinung habe ich auch im Gemeinderat vertreten –, jene Fehler zu vermeiden, die andernorts zur Tourismus-Verdrossenheit führen. Ich möchte nicht, dass die Bürger und Bürgerinnen während der Hochsaison an Lebensqualität einbüßen und in der Nebensaison im ganzen Ort nicht einmal einen Kaffee bekommen. Das wird in Neumarkt zwar nie passieren, weil die Aktivitäten über das gesamte Jahr ziemlich gleichmäßig verteilt sind. Mir schwebt ein Tourismus vor, der sich im Einklang und im Gleichgewicht mit dem örtlichen Leben abspielt – Qualität statt Masse, kurz gesagt.
Was möchten Sie anders machen als die amtierende Bürgermeisterin Karin Jost?
Ich möchte mit zukunftsweisenden, langfristigen Ideen für den Ort etwas umsetzen und versuchen, mehr direkt mit den Leuten ins Gespräch zu kommen. Auch innerhalb der Gemeindeverwaltung soll ein Betriebsklima herrschen, das den Mitarbeitern das Gefühl gibt, dass die Verantwortlichen ihnen den Rücken stärken. In der öffentlichen Verwaltung ist es mittlerweile sehr schwer, Personal zu finden – umso wichtiger ist es, ein motivierendes Arbeitsumfeld zu schaffen.
Ich hoffe jemand denkt auch…
Ich hoffe jemand denkt auch an die Vill, kleine nette Fraktion die unterm Durchzugsverkehr extrem leidet! Sehr viele Touristen die ins Fleimstal, bzw. Fassatal wollen werden vom Navy durch Vill und Montan geschickt. Gestank, Làrm und Kolonnen sind Winter und Sommer tàgliche Begleiter.
Bezüglich der von Peter…
Bezüglich der von Peter Kasal zitierten Leerstandnutzung sehe ich einige Parallelen zu Brixen. Südlich der Bischofsstadt gibt es drei potentielle Leerstände, welche die Firma Progress für ihr geplantes Industriegebäude nutzen könnte, anstatt das wertvolle Ökosystem Auwald dafür zu zerstören!!
1. Ex-Holz Magagna Gelände
2. Freifläche östlich der Firma Alupress
3. Ex-Gasthof Ziggler Gelände
Aber nein, man beharrt nunmehr seit bald 6 Jahren auf den Auwald in der Industriezone!
Grund: man hat dafür total überzogene 300 Euro pro Quadratmeter bezahlt nur weil von höchster Stelle im Landhaus versprochen wurde, dass die Bauleitplanänderung auch sicher durchgeht.
Sollte dies allerdings nicht passieren, müsste eigentlich das Land der Firma Progress eine Entschädigung zahlen oder den Auwald inklusive vorgelagerter Wiese selber kaufen und anschließend als Biotop endgültig unter Schutz stellen!
Anschließend muss dann allerdings die Firma Progress klarerweise einen der oben zitierten Leerstände nutzen.
NB. Laut dem neuen Urbanistikgesetz von 2018 kann ein seit 2 Jahren leerstehendes Gelände in einer Gewerbezone auch enteignet werden!!