Wirtschaft | Transitverkehr

Tiroler Nachtfahrverbot erneut in Kritik

Anstatt Verbote fordern Unternehmerverband und Vertreter der LKW-Fahrer den Ausbau einer Ladeinfrastruktur für E–Mobilität, Lärmschutzwände und eine teilweise Einkapselung der Autobahn.
A22 bei Sterzing
Foto: Seehauserfoto
  • „Für eine effiziente Mobilität der Menschen und der Waren entlang der Brennerachse müssen Schiene und Straße bestmöglich genutzt werden“, teilen der Präsident des Unternehmerverbandes Südtirol, Alexander Rieper sowie Thomas Baumgartner, Delegierter für den Brenner des italienischen Verbandes der Transportunternehmen ANITA und Alexander Öhler, Obmann der Berufsgemeinschaft der Warentransporteurinnen und -transporteure im lvh, in einer gemeinsamen Presseaussendung mit.

    Bei einem Treffen, das kürzlich in Bozen stattfand, wurde darüber diskutiert, wie ein funktionierender, effizienter Waren- und Personenverkehr über den Brenner gestaltet werden kann. Das sei eine dringende Notwendigkeit und ein zentraler Wettbewerbsfaktor für Südtirol und Italien, denn rund 70 Prozent des nationalen Exportes überquert die Alpen.

  • Gemeinsame Stellungnahme: v.l. Thomas Baumgartner, Alexander Rieper, Alexander Öhler; Foto: Unternehmerverband
  • Für den Straßenverkehr gelte es, an einer gesamteuropäischen Lösung zu arbeiten. Auf der Nordtiroler Seite sei die künstliche Reduzierung der Kapazität der Autobahn abzubauen, insbesondere was das Nachtfahrverbot betrifft. Bereits der italienische Verkehrsminister Matteo Salvini (Lega) hatte mit seiner Transit-Klage gegen Österreich versucht, etwas gegen die LKW-Fahrverbote zu unternehmen. 

  • Der Vorschlag der Südtiroler Wirtschaft

    Studien belegen, dass Staus und stockender Verkehr den Ausstoß um das Dreifache erhöhen: Dies soll laut den Wirtschaftsverbänden durch eine Entzerrung des Verkehrs verhindert werden. Während der Arbeiten an der Lueg-Brücke sowie in Hinblick auf die anstehenden Arbeiten der Deutschen Bahn entlang der Brennerachse sollten daher das Nachtfahrverbot sowie die doppelte Nachtmaut ausgesetzt werden, um einen flüssigeren Verkehr zu garantieren. „Ziel muss es sein, zumindest für die LKWs neuester Generationen, die um über 97 Prozent weniger Partikel und Stickstoffoxide emittieren, die verschiedenen Einschränkungen auf Tiroler Seite aufzuheben“, so Rieper, Baumgartner und Öhler.

    Anstatt auf Verbote, sollte man auf innovative Lösungen setzen: Dazu würden der Ausbau einer Ladeinfrastruktur für die E–Mobilität, Lärmschutzwände und die Einkapselung der Autobahn an sensiblen Abschnitten sowie die Förderung der Investitionen in einen modernen Fuhrpark zählen.

  • Mehr Verkehr auf die Schiene: Dafür brauche es mehr Wettbewerb, den Ausbau der Kapazitäten sowie die Erneuerung der Strecken und die Stärkung von Verladebahnhöfen. Foto: Facebook / Daniel Alfreider
  • Entscheidend sei in diesem Zusammenhang auch die Verlagerung sowohl des Waren- als auch des Personenverkehrs auf die Schiene. Dafür brauche es einerseits mehr Wettbewerb, um das Preis-Leistungsverhältnis zu verbessern, andererseits müssen der Ausbau der Kapazitäten sowie die Erneuerung der Strecken und die Stärkung von Verladebahnhöfen rasch vorangetrieben werden. „Die zeitgerechte Eröffnung des Brennerbasistunnels spielt dafür eine zentrale Rolle“, so Rieper, Baumgartner und Öhler.